Um mehr verkaufsoffene Sonntage anbieten zu können, will Josef Sanktjohanser, Präsident des deutschen Handelsverbands, das Grundgesetz ändern lassen. Dafür erntet er Kritik.
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Von Nathanael Ullmann

Aktuell regelt das Grundgesetz, dass es verkaufsoffene Sonntage nur im begrenzten Maße geben kann. „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“, heißt es dort in Artikel 140. Diese Regelung reicht zurück bis in die Weimarer Verfassung von 1919. Josef Sanktjohanser, dem Präsidenten des Handelsverbands Deutschland (HDE), ist das ein Dorn im Auge, wie die Tageszeitung „Die Welt“ am Freitag schreibt.

„Der Königsweg ist eine Grundgesetzänderung“, zitiert ihn das Blatt mehreren Medienberichten zufolge. Die Zeiten hätten sich seit der Weimarer Republik geändert und die Menschen auch. In den verkaufsoffenen Sonntagen sieht der HDE-Präsident eine Chance, dem Ladensterben in den Klein- und Mittelstädten entgegenzutreten.

Stadtzentren in Gefahr

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Auch in der Prognose für 2020 spricht sich der Verband für verlässlichere Regeln für die Sonntagsöffnung aus, um mit Events die Kunden für einen Innenstadtbummel begeistern zu können. „Wenn der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und damit ein Stück Heimat“, sagt Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands.

Gerade für die angestrebte Grundgesetzänderung erntete der HDE nun reichlich Kritik. Die Änderung beschränke „Menschen in ihrer Freiheit, zumindest am Sonntag einmal die Dinge zu tun, die im Alltag nicht immer möglich sind. Das gilt im weltlichen wie im religiösen Sinn“, sagte Ulrich Hemel, der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, in einer Stellungnahme. Auch in Zeiten digitaler Transformation hätten alle Menschen einen gemeinsamen Ruhetag verdient. Der Mensch sei nach der Christlichen Soziallehre ein freies Individuum und nicht „Objekt ökonomischer Verfügbarkeit“.

Zu viele Ausnahmen

Auch der Verband „Christen in der Wirtschaft“ wies die Forderung zurück: „Ein verbindlicher Ruhetag pro Woche tut allen Menschen gut – Mitarbeitern, Unternehmern, Familien und der gesamten Gesellschaft“, sagte Generalsekretär Michael vom Ende laut einer Mitteilung. Zwar gebe es Druck durch das Internetgeschäft, der Einzelhandel müsse sich allerdings anders profilieren als durch Öffnungszeiten. Bereits heute gebe es „eher zu viele als zu wenige“ Ausnahme bei der Öffnung von Geschäften am Sonntag.

„Wer den Sonntag grundlos und ohne Anlass zum Geldverdienen freigibt, steht außerhalb des Grundgesetzes und damit außerhalb unseres demokratischen Sozialwesens“, schreiben Maria Etl und Hannes Kreller von der Allianz für den freien Sonntag. Die verkaufsoffenen Sonntage ohne Anlass seien weder notwendig noch akzeptabel, heißt es in der Stellungsnahme. Zu der Allianz gehören unter anderem die katholische Arbeitnehmerbewegung, der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt und die Gewerkschaft ver.di. Kritik gibt es zudem vom Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer, den Linken, der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche.

5 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Der verkaufsoffene Sonntag wird immer wieder gefordert – angeblich soll das das Ladensterben aufhalten. Aber wenn der Sonntag für alle verkaufsfrei wäre, dann wären auch die Supermärkte und Discounter offen. Und gegen die kommt der Einzelhandel nicht an – nach wie vor. Und wer geht am Sonntag einkaufen? Diejenigen, die nicht arbeiten müssen. Also Familien mit Eltern und Kindern. Wenn die Eltern aber teilweise arbeiten müssen und hauptsächlich wieder die Frauen an der Kasse sitzen oder im Laden stehen müssen, dann fehlt die gemeinsame Zeit für solche Aktionen, die Familien brauchen mehr Kinderbetreuung und dann sollen die Kitas vielleicht auch sonntags öffnen und und und. .. jetzt merkt man sonntags noch, daas es kein Tag wie jeder andere ist. Es morgens viel ruhiger und die Menschen können den Tag in Ruhe verbringen, last but not least sind Gottesdienstbesuche für die ganze Familie möglich. „Finger weg vom Sonntag“, den brauchen wir nach wie vor.

  2. Der Sonntag gehört Gott und der Kirche ⛪. Damals hat man einen riesen Bohai gemacht, wenn man nach dem Gottesdienst in die Kneipe einen heben ging. Auch mit dem Pastor. Es gibt sechs Tage arbeitenn der Woche, wo die Damen und Herren vom Einzelhandel für uns da sind. Sie brauchen auch mal Freizeit und Zeit für die Familie.

  3. Meiner Ansicht nach sollte man aus gesellschaftlichen Gründen am Sonntag unbedingt festhalten.

    Allerdings, wenn ich hier lese, dass der Sonntag heilig ist, dann sollte man sich diesen mal genau anschauen:

    Er ist nicht seit 2000 Jahren frei sondern er ist in Deutschland erst seit 128 Jahren frei. Vorher war das ein Arbeitstag, wohl auch mit Segen der Kirche.
    https://www.katholisch.de/artikel/13873-du-sollst-den-tag-des-herrn-heiligen

    Und wer ihn zum Tag Gottes erklärt, nun ja, das stimmt: Dem römischen Gott Sol ist dieser Tag gewidmet. Deshalb heißt er ja auch Sonntag.

    Der Tag des christlichen bzw. jüdischen Gottes ist bekanntlich der Schabbat, zumindest wenn man die Bibel bzw. die Thorazugrunde legt. Von Sonntag steht wohl nur was in sehr freien Übersetzungen.

    Zusammengefasst: Der freie Sonntag ist christlich-geschichtlich eine eher junge Tradition. Aber meines Erachtens eine sehr sinnvolle.

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