Gott begegnet uns in der Bibel in vielerlei Gestalt und mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Trotzdem ist immer die Rede von „dem einen“ Gott. Doch was haben die verschiedenen Namen zu bedeuten?

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Die Bibel ist voll von ihm: Gott. Aber „Gott“ ist eigentlich kein Name, sondern in unserem Sprachgebrauch eine Art „Berufsbezeichnung“ – und vor allem unpersönlich. Die Bibel zeichnet jedoch ein ganz anderes, vielfältiges Bild des Gottes, an den Christen glauben. Er ist gerecht, allmächtig, gütig, helfend, treu und vieles mehr. Aber hat Gott auch einen Namen? Ja, er hat mehrere Namen, die ihn nicht nur identifizieren, sondern auch mehr über sein Wesen und seine Identität aussagen. Wir können Gott nicht fassen und Worte sind beim Versuch, das doch zu tun, nur begrenzt eine Hilfe. Trotzdem liegt es in der Natur des Menschen, Dinge, Personen und auch Gott zu benennen. Weil Gott aber größer ist, als wir es in Worte fassen können, finden wir in der Bibel viele unterschiedliche Gottesnamen.

„Ich bin da“

Als Mose vor dem brennenden Dornbusch steht und Gott ihn dazu beruft, nach Ägypten zu ziehen, um das Volk Israel zu befreien, stellt er eine nachvollziehbare und logische Frage: „Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?“ (2. Mose 3,13 b). Was sollte Mose antworten, wenn ihn die Menschen fragen, wer ihn geschickt hat? Wer bist du, Gott? Und Gott antwortet ihm. Er nimmt ihn ernst und versteht, warum Mose diese Frage stellen muss: „Da antwortete Gott Mose: Ich bin der ‚Ich-bin-da‘. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der ‚Ichbin-da‘ hat mich zu euch gesandt.“ (2. Mose 3,14).

Gott ist eben keine unbekannte Macht, er versteckt sich nicht und hüllt sich auch nicht in eine Wolke des Schweigens. Er ist da. Wörtlich bedeutet JHWE so viel wie „Ich werde sein, der ich sein werde“. Er ist der Ursprung des Lebens, er schenkt das Leben, war schon lange vor allem anderen und er wird immer sein. Wir glauben also nicht an einen identitätslosen Gott, sondern an den lebendigen und realen Gott, der sich zeigt, der lebt und uns begegnen will. Ob wir ihn spüren oder nicht, sein Name „Jahwe“ ist ein Versprechen an uns Menschen, dass er mit uns sein will und wird. Mitten im Leben und nicht nur in Gottesdiensten oder wenn wir uns gerade korrekt verhalten. Gott ist da.

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Was ist mit Jesus, den die Bibel als den Messias oder Christus bezeichnet? Christus ist das griechische Wort für Messias und ein Ehrentitel. Es bedeutet „der Gesalbte“, in dem sich alle Verheißungen Gottes erfüllen werden und der der Retter für alle ist.

Gesalbt werden in der Bibel auf der einen Seite Könige und Propheten, die eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen sollen. Auf der anderen Seite salbt man Kranke mit dem Wunsch, dass sie  geheilt und wiederhergestellt werden. Gesalbt zu werden, ist ein Symbol des Heiligen Geistes, der auf und mit Jesus war. Gesalbt zu sein, heißt auch, mit Gottes Vollmacht ausgestattet zu werden. Jesus ist durch den Heiligen Geist der Bevollmächtigte Gottes und wir als Christen (Christus heißt ja auch „Gesalbter“) sind berufen, in dieser Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist zu beten, zu reden und zu leben.

Gott kennenlernen

Wir glauben also nicht an einen unbekannten Gott, denn Gott selbst zeigt sich als der Ursprung des Lebens und als derjenige, der uns neue Hoffnung und eine Perspektive schenkt. Diesen Gott dürfen wir persönlich kennenlernen – immer mehr, immer besser – und er wird sich immer wieder neu zeigen. Gott ist vielseitig, überwältigend und er hat viele Namen und Charakterzüge, die wir entdecken dürfen.

Wenn wir jemanden kennenlernen, sagen wir zuerst unseren Namen, denn unsere Namen gehören zu uns und geben anderen die Möglichkeit, uns direkt anzusprechen. Das ist mit Gott nicht anders. Er hat Namen und wir dürfen ihn direkt ansprechen. Noch besser, er reagiert darauf, und wenn wir ihn anrufen, wird er sich uns zeigen und antworten. Ich darf Gott bei seinen Namen nennen und ihn zum Beispiel als meinen Gott (Eli) anrufen, der für mich ist und mir nahe sein will. Weil Gott Namen hat, können wir ihn suchen, finden und anrufen.

Die Namen Gottes in der Bibel

Abba – Das aramäische Wort für „Vater“. Gott ist unser Vater, der uns liebt, sich um uns kümmert und für uns da ist.

Adonaj (hebr.) / Kyrios (griech.) – „Der Herr“ ist unser Herr und Herrscher über Menschen. Im Alten Testament kommt Adonaj ca. 440 Mal vor. Aus Respekt vor Gottes Heiligkeit wird Adonaj von den Israeliten und Juden anstelle von JHWH benutzt.

Andere Gottesnamen – Löwe (Hosea 5,14), Adler (5. Mose 32,11), Fels (Psalm 62,3), Arzt (2. Mose 15,26), Töpfer (Jesaja 64,7), Hirte (Psalm 23,1), König (Psalm 24,7), Richter (Psalm 7,12), …

Christus (griech.) / Messias (hebr.) – In Jesus, „dem Gesalbten“, erfüllen sich alle Verheißungen Gottes und er ist der Retter.

Eli – Gott wird als „mein Gott“ bezeichnet, zu dem ich gehöre.

El Shaddai – Gott ist „der Allmächtige“, der alles in seiner Hand hat und bei dem alle Macht ist.

Elohim – Er ist „Gott“. in der Bibel (AT) bedeutet Elohim, dass Gott der Gott Israels ist.

Ich bin – das Brot des Lebens (Johannes 6,35) / das Licht der Welt (Johannes 8,12) / die Tür (Johannes 10,9) / der gute Hirte (Johannes 10,11) / die Auferstehung und das Leben (Johannes 14,6) / der wahre Weinstock (Johannes 15,1)

Jahwe – Gott stellt sich selbst als „der Seiende“ vor. JHWH ist sein persönlicher Name und im Alten Testament finden wir ihn über 6.800 Mal. Er ist der „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2. Mose 3,14). Die Verbform des Wortes kann im Deutschen nur eingeschränkt wiedergegeben werden.

Maranatha (griech.) – Ein Ausruf aus dem 1. Korinther 16,22, der „Unser Herr, komm!“ bedeutet.

Menschensohn – Jesus gibt sich selbst den (Bei-)Namen Menschensohn. Damit macht er nicht einfach deutlich, dass er ein wahrer Mensch ist, sondern auch, dass er der eine Messias/Christus ist.

Ruach – Bei der Schöpfung schwebt Gottes Geist, sein Ruach, über den Wassern (1. Mose 1,2). Das hebräische Wort für Ruach bedeutet „Atem“, „Geist“, „Hauch“, „Wind“.

Zebaoth – Gott ist der „Herr der Heerscharen“, dem das himmlische Heer dient.


Leonardo Iantorno hat diesen Artikel für die Zeitschrift DRAN (Ausgabe 06/2020) geschrieben. DRAN erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

 

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Der ich-bin-da-Gott

    Ich erlebe Gott als den „ich-bin-da-Gott“. Theologinnen und Theologen, beileibe nicht nur diejenigen liberaler Art, passt das nicht immer gut ins Konzept. Schon gar nicht den Dogmatikern. Mein Vater im Himmel anwortet immer auf meine Gebete, aber nicht immer als ein Wunscherfüller. Ich glaube, daß die gesamte Wirklichkeit – also unsere kleine Erde und das unendliche Universum – im tiefsten Inneren nur aus den Gedanken Gottes besteht. Somit umfasst Gott alle Wirklichkeit. Wir alle, die wir das Paradies verlassen mussten, sind trotzdem noch Geist aus Gottes Geist. Und sollten sein Ebenbild werden..

    Gott offenbart sich 1) In der Schöpfung= Wir sitzen (bildlich gesehen) in unserem Leben wie in einer großen Aufführung eines Existenzspieles, erleben das pure Leben mit seinen Bösartigkeiten und den Sonnenmomenten, und wir sollen hierdurch angeregt werden, den Inhalt des Stückes – unseres Lebens, der Existenz, der gesellschaftlichen Wirklichkeit – zu erkennen. Warum führt der Regiseur dieses Theaterstück des Lebens auf ? Was ist sein Sinn, also der Sinn des Lebens ?

    Gott offenbart sich 2) in den Urvätern= Abraham und Moses begegnet einem Gott, der so ganz anders ist als die Gottesvor-stellungen der Völker. Menschenopfer sind bei Gott verboten. Der Weg geht nach dem Verlust des Paradieses (der Gottesnähe) in Richtung des Gelobten Landes, in dem Milch und Honig fließt. Dies ist so etwas wie eine Vorschattung einer Wanderung durch unsere Lebenswüste über den Tod in einen Neuen Himmel und einer Neuen Erde, einer Wiederherstellung des Paradieses.

    Gott offenbart sich 3) in Jesus Christus = Er wohnt ganz in dem Menschensohn Jesus. Der“ich-bin-da“ ist kein kosmischer Herrscher wie die damaligen Herrscher als grausame Despoten, sondern unendliche Liebe. Gott liebt alle Menschen, die je über diese Erde gehen werden oder gegangen sind. Es gibt keine größere Liebe und Zärtlichkeit des Himmels als die Geburt eines kleinen Kindes in Bethlehem. Am Ende wird aus dem Kind ein frommer jüdischer Mann, der Neue Adam, der so ist wie ihn Gott sich wünscht. Er ist ganz von der Liebe Gottes erfüllt, unser Vorbild und er wehrt sich nicht gegen seine Hinrichtung am Kreuz nach römischem Recht. So wie er gefordert hatte, dem Mitmenschen 77×7 zu vergeben und auch die Feinde zu lieben, so ist auch Gott. Durch den (freiwilligen) Tod Jesus, der jetzt zum Gesalbten Gottes wird – zum Christus – wurde die die ganze Welt und alle Kreatur erlöst. Wir leben heute im Übergang in eine werdende neuen Welt – gewissermaßen im „noch-nicht“ und „im schon“ der Erlösung. Wir brauchen Erlösung, weil wir Anteil haben am Sündenfall. Da Christus die gesamte Schöpfung und damit jede Kreatur erlöst, kann der Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies, nicht kleiner sein als ein kosmisches Ereignis. Wir werden dies hier auf Erden, wie auch Gott selbst, nie erklären können. Aber sicher ist: Weil es einen freien Willen gibt, existiert die Sünde. Hätte Gott das Böse nicht zugelassen, gäbe es keine Freiheit und wäre auch Erlösung nicht notwendig. Gott/Christus ist aber an unserer Seite auf dem Weg ins Paradies und aus dieser diesseitigen Hölle.

    Gottes Erlösungswerk kann nicht scheitern. Ein leerer Himmel, nur bewohnt von einem elitären Rest der Christen, kann daher nicht das Endziel der Schöpfung sein. Denn Gott sprach, daß am 7. Tag alles gut war. Der siebente Tag ist der Neue Himmel und die Neue Erde, in der Gott alle Tränen von unseren Augen abwischt und der Tod nicht mehr sein wird. Die Hölle wird dann Insolvenz anmelden (die Bibel sagt, der Tod selbst wird in einen freurigen Pfluhl geworfen). Am Ende aller Zeiten werden sich alle Menschen und alle denkenden Wesen dann freiwillig mit Gott versöhnen. Da Jesus Christus stellvertretend für unsere Sünde starb, hat er sie wie ein notarielles Dokument an sein Kreuz genagelt. Wir sind damit freigesprochen (mit Bewährung??!!)

    Gott ist Liebe und niemand kann uns von ihr trennen. Wirkliche Liebe kann sich niemand erarbeiten, sie ist uneigennützig, kostenlos und ohne Vorbedingungen. Ich habe keine perfektionistische Vorstellung von mir und allen anderen als Christenmenschen. Ich kann mir nur für morgen vornehmen, Christus nachzufolgen und aus seiner Vergebung dankbar zu leben. Es wird keine Heiligung geben als einmaligen Akt. Vor Gott stehe ich immer mit leeren Händen, auf daß er sie füllt. Martin Luther erkannte daher, was ihm fehlte: „Ich muss mir Gott nicht gnädig stimmen, er ist es schon immer“ !

    • schön gedacht und geschrieben!
      Mir gefällt gut was Anselm Grün gesagt hat: Wir können über Gott nur in Bildern sprechen. Doch Gott ist jenseits aller Bilder. Wenn ich mir Bilder von Gott vorstelle, dann sind es die Bilder von Liebe, Weite, Schönheit, Freiheit. Und Gott ist das reine Sein. Er ist einfach, er durchdringt alles“

    • Danke, lieber Bernd Hehner für Ihren ausgezeichneten Kommentar, dem ich in allem zustimmen kann! Es war sehr ermutigend! Ja, »GOTT IST DER ICH-BIN-DA-GOTT!« = »ICH BIN DER ICH BIN DA FÜR EUCH!« – denn »GOTT IST DIE LIEBE!«

  2. Beim Namen ELOHIM hätte meines Erachtens noch erwähnt werden sollen, dass dies im Hebräischen eine Pluralform von EL bzw. ELOAH ist.
    Die Anmerkung in der Neuen Evangelischen Übersetzung zu Genesis 1,26 gibt deshalb an:
    » uns. Die Mehrzahl könnte hier schon ein erster Hinweis auf die Dreieinheit Gottes sein. «

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