Viel gelernt im ersten Lockdown, um dem zweiten Lockdown lockerer begegnen zu können. (Bild: Gettyimages.de)

Als im März die Schulen geschlossen wurden, musste das Lernen von heute auf morgen zu Hause stattfinden. In dieser Zeit haben Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern, Lehrerinnen und Lehrer viel gelernt. Was können wir davon in den neuen Alltag und in den zweiten aktuellen Lockdown mitnehmen?

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Wie berechnet man das Volumen eines Quaders? Warum schreibt man Katze mit tz, aber Walze mit z? Wie heißt die Hauptstadt von Äquatorialguinea? – Fragen wie diese beschäftigten Eltern in den langen Monaten des durch Corona bedingten Heimunterrichts. Das Virus hat von heute auf morgen aus unseren Wohnungen eine „Schule zu Hause“ gemacht. Und aus Eltern Teilzeitlehrer/-innen neben ihrem Brotjob, den viele im Home-Office erledigen konnten oder mussten.

Schon der Gedanke an diese Wochen verursacht Augenverdrehen und Seufzen bei vielen Eltern und Schülern. Doch es ist nicht alles, was von der langen Zeit des Schul-Lockdowns und des Lernens zu Hause bleibt. Ich bin auf acht Dinge gestoßen, die Schüler/-innen und Eltern in der Zeit des Corona-Lockdowns gelernt haben:

1. We are family, oder: Zusammen sind wir stark

Auch wenn es in der Zeit des Homeschooling so manchen Zoff in Familien gab, berichten doch viele betroffene Eltern, dass sie eine neue Gesprächsbasis über das Thema Schule und Lernen mit ihren Kindern fanden. Auf engem Raum war man aufeinander angewiesen, und die hektische Zeit am Morgen fiel weg. Kein „Jetzt trödle nicht so rum, sonst kommst du zu spät zur Schule!“ oder „Beeilt euch, mein Chef wartet nicht!“ Das Wichtigste war allerdings: Eltern bekamen einen Einblick, wie viel ihre Kinder für die Schule leisten und was sie überhaupt lernen müssen. Im Gegenzug erhielten Kinder eine Idee von der Arbeit ihrer Eltern.

  • In der Familie respektieren wir die Arbeit des anderen und unterstützen ihn, seine Tätigkeit bestmöglich zu tun! 

2. Ganz allein ist auch nicht gut

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So mancher Schüler und so manche Schülerin sind in der Zeit der Schulschließungen in ihren schulischen Leistungen über sich hinausgewachsen. Leider sind auch einige auf der Strecke geblieben. Trotz elterlicher Unterstützung haben die meisten festgestellt: Besser hat das selbstständige Lernen zu Hause da funktioniert, wo es Lehrer oder Lehrerinnen gab, die zumindest einmal pro Woche persönlichen Kontakt mit den Schüler/-innen aufnahmen – per Telefonat oder per Videokonferenz.

Dies wertete in den Köpfen der Kinder und Eltern die Wichtigkeit der Arbeit der Pädagogen auf. Mein Schüler Timon sagte treffend: „Wenn mir einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mich einmal freuen würde, meine Lehrerin wiederzusehen, hätte ich geantwortet: Du spinnst ja!“

  • Gut, dass es Lehrerinnen und Lehrer gibt, die Tag für Tag, so gut es ihnen möglich ist, Kindern lesen, schreiben, rechnen und all die anderen wichtigen Dinge beibringen!

3. Plötzlich Eigenverantwortung

Lernen war bis zum Lockdown für viele Schüler und Schülerinnen und auch für viele Eltern Lehrersache. Von heute auf morgen war Eigeninitiative gefragt. Das hat in so manchen Schülerköpfen Panik ausgelöst. Wie, wann und wo lerne ich? Gut hatten es Schüler/-innen, deren Lehrer/-innen verbindliche Stunden- und Wochenpläne vorgelegt und die Erfüllung auch eingefordert haben. Selbst wenn dies der Fall war, war plötzlich Selbstorganisation gefragt.

  • Auch ohne Lockdown lernen Schüler/-innen am besten mit einer To-do-Liste, in der sie Abgabe- und Klausurtermine sowie Lernziele eintragen, die sie bis dahin erreichen sollten.

4: Lernstrategien entwickeln

Selbstständiges Lernen beinhaltet auch immer das Entwickeln von Lernstrategien. Wie verschaffe ich mir einen Überblick? Wie strukturiere ich den Lernstoff? Wie merke ich mir Fakten und Zahlen am besten? Bin ich eher der Typ für ein Farbsystem oder eher der Mindmapping-Typ? Kann ich mich für die LOCI-Methode begeistern, bei der ich wichtige Begriffe meines Lernstoffes mit Merkzetteln auf verschiedenen Gegenständen in meiner Wohnung befestige, um sie im Vorbeigehen zu lernen? Die Corona-Zeit hat Schüler und Schülerinnen erfinderisch werden lassen. Gerade das darf auch zukünftig beibehalten werden.

  • Mit einer geeigneten Lernstrategie lernt es sich nicht nur leichter, sondern auch effektiver! 

5. Unterschiedliche Lerntypen

Die Frage nach der besten Lernstrategie zieht auch immer die Frage nach sich, ob man eher akustisch, optisch oder taktil orientiert ist, wenn es darum geht, Neues aufzunehmen. Das selbstständige Lernen zu  Corona-Zeiten hat diese Frage bei vielen neu aufkommen lassen. So viele Anfragen für Lerntypen-Tests hatte ich in meinen Jahren als Lerntrainerin insgesamt nicht.

Auch wenn die meisten Menschen Mischtypen sind, so kristallisiert sich doch bei den meisten ein bevorzugter und vor allem erfolgversprechender Lerntyp heraus. Der akustisch orientierte Mensch arbeitet bevorzugt mit Audioaufnahmen und lässt sich zum Beispiel den Lernstoff in einem Textdokument vom PC vorlesen. Der optische Lerntyp ist begeistert vom Lernen mit Karteisystemen, Plakaten oder Mindmaps und Farbsystemen. Der taktile Lerntyp ist der klassische Learning-by-Doing-Typ: Braingym, Lernlieder, Knete und Rechenstäbe helfen dabei, sich Dinge besser zu merken. Das Lernen zu Hause hat viele dazu gebracht, innovativ darin zu werden, wie sie lernen.

  • Jeder Mensch lernt individuell anders am besten. Seinen Lerntyp zu kennen, erleichtert das selbstständige Lernen.

6. Sinn- und verantwortungsvoller Umgang mit Social Media und Co.

Ein Diskussionsthema in vielen Familien ist und bleibt die Zeit, die Kinder mit ihrem Smartphone oder vor ihrem Laptop verbringen. Der Schul-Lockdown hat diese Stundenzahl erheblich erhöht. Eltern mussten akzeptieren, dass Kommunikation eine Zeit lang nur über Social Media stattfand und es mitunter ein Segen war, dass es diese Möglichkeit gab. Eltern und auch Kinder durften sich neu mit diesem Thema auseinandersetzen und gute eigenverantwortliche Strategien entwickeln, wie oft und wofür Smartphone und Co. eingesetzt werden.

  • Smartphone und Laptop sind wichtige Hilfsmittel für das Lernen. Dennoch muss man damit aus gesundheitlichen Gründen und aus Rücksicht auf andere verantwortungsvoll umgehen.

7. Ausgewogener Lebensstil

Erfolgreiches Lernen hängt eng mit einem ausgewogenen Lebensstil zusammen. Ausgangsbeschränkungen und Lockdown haben uns mehr Zeit und Muße zum Zubereiten von Mahlzeiten geschenkt. Viele Kinder haben sogar beim Kochen mitgeholfen. Schüler und Schülerinnen, die auch in dieser Zeit sportlich aktiv waren und sich ausgewogen ernährt haben, haben den Lockdown physisch, psychisch und auch vom Lernerfolg her besser überstanden. Unser Gehirn wiegt 2 Prozent unseres Körpergewichtes, verbraucht aber 20 Prozent der Gesamtenergie und 40 Prozent des aufgenommenen Sauerstoffs. Lernen ist also Schwerarbeit für unser Gehirn!

  • Schüler/-innen lernen erfolgreicher, wenn sie sich zwischen den Lerneinheiten ausreichend bewegen, sich ausgewogen ernähren und genügend trinken – am besten Wasser.

8. Nicht für die Schule lernen

Die alte Weisheit, dass wir nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen, haben viele Schüler und Schülerinnen in Zeiten des Lockdowns neu für sich entdeckt. Besonders die älteren von ihnen haben durch das eigenverantwortliche Lernen erfahren, wie spannend es sein kann, durch Eigenrecherche im Internet oder durch das Finden eigener Lernwege Wissen anzueignen. „Je mehr ich mich mit einer Sache beschäftigt habe, umso mehr Spaß hat es mir gemacht!“, ist das Fazit meines Schülers Finn.

  • Lernen kann und soll Spaß machen! Besonders dann, wenn man sich selbst etwas eigenständig erarbeitet.
Jesus.de unterstützt ausdrücklich die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygienemaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Bleibt gesund! Schützt euch und andere.

Diesen Erfahrungsbericht schrieb Roswitha Wurm für das Familienmagazin Family. Family erscheint sechsmal im Jahr im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.