„Es läuft nicht so bei uns in Kirche“, so beginnt Nordkirchen-Pastor Jonas Goebel seinen jüngsten Blogeintrag. Jahr für Jahr weniger Mitglieder – „aber kein Plan gegen den Abstieg“, kritisiert er. Es folgen kirchen- und selbstkritische Töne.

Kirche sei ein Wohlfühlverein, konstatiert Goebel: „Was wir am besten können? Uns gegenseitig erzählen, wie toll wir sind.“ Es sei ja schön, dass es in der Kirche keine Leistungsziele oder „Erfolgschecks“ gebe, aber letztlich lebten Pastorinnen und Pastoren in einer „völlig unkontrollierten“ Arbeitswelt.

Tatsache sei: „Wir machen häufig schlechte Arbeit.“ Und es sei Zeit, dafür Verantwortung zu übernehmen – und zwar auf jeder Leitungsebene von unten bis ganz oben. Goebel ist überzeugt: „Uns tun (messbare) Ziele gut.“ Die hat er sich für seine Arbeit gesetzt: hinsichtlich der Gottesdienstbesucher, Kollekte, Haushaltsdefizit und Zahl der Mitarbeitenden.

Weiterlesen im Blog Juhopma von Pastor Jonas Goebel.

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6 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Da muss man sich nicht wundern. Wenn die „Kirche“ sich nicht mehr an einige grundlegende Gebote hält (z.B. Eheverständnis, Bibelwahrheiten, Stellung zu LGBT und Gender) zieht sich automatisch der Heilige Geist zurück (Joh. 14, 26; Jes. 5,20), ohne den lt. Bibel nichts geht. Pfarrer, die jedoch biblische Wahrheiten verkündigen, werden suspendiert und „angeklagt“, wie z.B. Pfarrer Latzel, Bremen.

    • Lieber Joachim Müller,

      ich will ja niemand beleidigen. Aber warum hier ausgerechnet Pfarrer Latzel als Verkündiger biblischer Wahrheiten genannt wird, wäre dann doch erläuterungsbedürftig. Im übrigen ist die evangelische Ehe – wenn man Martin Luther hier als Anhalt nimmt – eine weltliche Angelegenheit. Was nun überhaupt nichts damit zu tun hat, daß sie eine Einladung zur Untreue ist. Wie Gender in diese Aufzählung kommt, bleibt mir schleierhaft, was an Gender so furchtbar unchristlich ist ebenso. Im übrigen gibt es für uns Menschen keine absolute Erkenntnisfähigkeit und damit auch keine hundertprozentige Glaubenswahrheit. Paulus beschreibt das gut mit dem dunklen Spiegel, in dem wir nur sehr verschwommen alles erkennen können. Die absolute Wahrheit hat nur Gott, weil er sie verkörpert. Im übrigen sind Glaube, Hoffnung und Liebe die drei größten Tugenden des Christen, nach dem Bibel aber die Liebe die Größte unter ihnen. Viele Bibeltexte sind das Zeugnis persönlicher oder gemeinschaftlicher Glaubenserfahrung und daher wie Predigten: Also Gotteswort durch Menschenwort. Man darf nicht nur, man muß die Bibel auslegen. Es wird daher auch immer unterschiedliche Ergebnisse geben, denn es handelt sich nicht um Physik. Wenn wir Liebe üben, kein falsches Zeugnis gegen unsere Mitmenschen ausstellen, und nicht unsere eigene Überzeugung wie einen Knüppel vor uns hertragen, dann geben wir dem Heiligen Geist Raum in unserem Leben. Christinnen und Christen müssen über ihre Überzeugungen auch miteinander reden können und sollten tolerant sein. Seit Christi Auferstehung geht es um einen versöhnlichen Umgang und den Willen, auch bei unterschiedlichen theologischen Sichtweisen miteinander zu beten. Der Leib Christi ist ja auch kein Roboter und Menschen keine Perfektionisten. Heißt es nicht so schön „wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten“. Jesus war ein Beispiel an Bescheidenheit, als einer der als Bruder und Diener gekommen ist und seinen Jüngern die Füße gewaschen hat. Dies sollte unsere Haltung sein, dann geht es auch unseren Kirchen besser.

  2. Zur Kirchen-Misere: Kirche ist keine Firma

    Kirche ist grundsätzlich weder eine Firma, noch das Reich Gottes. Und sie ist kein Garant eines liebevollen Miteinanders.
    ich bin bei Jonas Goebel, dass Gemeinde bzw. Kirche sich konkrete Ziele geben sollte. Man könnte ja auch ein Gemeinde-konzept erstellen, wobei dann bereits der Weg ein Teil des Zieles ist. Etwa in einen regen Austausch zu treten, welche Arbeitsschwerpunkte und Ziele angedacht sind. Oder noch wesentlicher: Welcher Art Gemeinde wollen wir aufbauen ?
    Meine langjährige Erfahrung von fast 4 Jahrzehnten in einem Kirchenvorstand besteht leider darin, daß wir eigentlich keine Zeit hatten uns zu fragen, wie wir Gemeinde aufbauen können und dem allzeit beklagten Traditionsabbruch Paroli zu bieten. Die eigentliche inhaltliche Arbeit, mit Pfarrerin oder Pfarrer gemeinsam die Gemeinde geistlich zu leiten stand – immer wieder beklagt – nicht im Focus. Verwaltungsarbeit, Finanzen, Baufragen, Konflikte unter uns und/oder mit Mitarbeitenden, haben weit überwogen. Wir waren eigentlich keine Gemeindeleitung, sondern faktisch ein Verwaltungsrat. Trotzdem wurden Rüstzeiten organisiert, an fremden Orten Wandzeitungen beschrieben, sie anschließend abfotografiert sowie abgeheftet – und dabei ist es geblieben. Als Christ/in kann man dabei geistlich nur überleben, wenn man nicht nur in jener beschriebenen Weise (zwangsläufig) arbeiten muss, sondern auch einer Gemeindegruppe angehört. In meiner neuen Heimat hier in der pfälzischen Landeskirche gibt es in größeren Städten manchmal keine richige Kerngemeinden mehr. Dies bedeutet aber manchmal das völlige Fehlen von gemeindlichen Gruppen und Kreisen. Es gibt dann nur überörtlich mögliche Angebote.
    Stattessen ruht manche Gemeinde im Dornröschenschlaf, bisweilen unterhalten mit salbungsvollen langweiligen Predigten. Ein wenig Urgemeindefeeling dürfte es durchaus geben. Vielleicht müssen wir insgesamt frömmer werden, um progressiver zu sein. Es geht mancherorts auch anders: Beispielsweise mit schönen Gottesdiensten, die viele Mitarbeitende vorbereiten und gestalten, wo intelligente Predigten nicht dazu einladen, in einen Kirchenschlft zu verfallen. Leider stimmen die Leute mit den Füßen ab. Meine Zweifel mehren sich, ob der sogenannte Tradtionsabbruch die meisten Gründe liefert, sich von der Kirchengemeinde und seiner Taufe abzuwenden. Es scheint mir viel eher am Bodenpersonal zu liegen. Dass es ein Problem sein kann, wenn alle Pfarrer/innen faktisch unkontrollierte freischaffende Künstler/innen sind, wird dabei jedem Insider einleuchten. Dass unsere lieben Kolleginnen und Kollegen von der theologischen Zumpft allesamt faule Säcke sind, würde ich aber nie behaupten. Allerdings strukturiert zu arbeiten, Aufgaben zu deligieren, den Laden demokratisch zu leiten, ist nicht jedem gegeben. Die Zahl der Konflikte auch zwischen Mitgliedern des Gemeindekirchenrates bzw. Kirchenvorstandes und den/der Pfarrer/in sind deshalb sehr zahlreich. Als ich jünger war, wünschte ich mir immer wenigstens ein kleinwenig Taizefeeling in meiner Gemeinde. Aber das blieb immer eine Illuision.. Dort in Burgund organisiert sich alles wie von selbst und in den Niederungen unseres Gemeindelebens müssen wir mühsam das Rad in Schwung halten, dass es rund läuft. Weil der christliche ‚Glaube zutiefst etwas mit der Liebe zu tun hat ist es sogar unsere verdammte Pflicht, daß die Menschen gerne kommen, sich wohlfühlen und sich in die Karawane einordnen, die zum Neuen Himmel und zur Neuen Erde wandert. Mit Fünfjahresplänen und und der alleinigen Absicht, daß sich das aktive Kirchenvolk vermehrt, ist es nicht nur getan: Es funktioniert auch nicht. Wir bräuchten eher eine neue Vision von unseren Kirchen. Dass dies mehr ist als nur eine Reform an Haupt und Gliedern, erscheint mir naheliegend. Und darüber muss man auch sprechen. Die Lustlosigkeit des typischen Sonntagsgottesdienstbesuchers dürfte zumeist auch die Phantasie- und Lustlosigkeit derjenigen reflektieren, die den Laden mühsam am Leben erhalten. Wir müssen uns als diejenigen, die Verantwortung tragen oder trugen, immer zuerst den Balken aus dem eigenen Augen ziehen. Damit der Geist in unserer Gemeinde wehen kann, muss man ihm Laune machen. Ich befürchte, daß in manchen Gemeinden in einer Generation niemand mehr am Sonntag unter der Kanzel und vor dem Altar sitzt. Wir älteren und manchmal weiseren Gemeindemitgliedern sind dann im Himmel und die Jugendlichen in ihren eigenen Angeboten. Schon jetzt ist ausser dem Pflichterscheinen der Vorkonfirmanden kaum einer der Teenies dabei.
    Eine zukünftige nur aus vielen Zielgruppen bestehende Gemeinde kann nicht mehr den Leib Christi abbilden. Auch nicht die reine Netzgemeinde mit digitalem Abendmahl. Solche postmoderne Albtraumvorstellung ist schlimmer als jene, in welcher der Pfarrer am Sonntag vor der versammelten Festgemeinde ein Fass Bier vor den Altar rollt und es ansticht. Dann fragte ich mich: Was macht der da nur ? In einer mit schrägem Humor gewürzten Geschichte habe ich erzählt, wie eines Sonntags und während einer unendlich langen Predigt plötzlich ein Engel mit einem Fuchsschwanz erscheint und die auf hölzernen Pfählen stehende Kanzel absägt. Dabei wurde eine ähnliche Geschichte etwas umgearbeitet. Vielleicht fehlt auch ein wenig christlicher Humor und sich nicht selbst viel zu ernst zu nehmen. Es scheint zunehmend so zu sein, daß vielen das Lachen ganz vergangen ist. Vor allem wenn das Häuflein in den Bänken sonn- und feiertags um das Dutzend herum schwankt.

  3. Ist denn das erklärte Ziel jeder einzelnen Kirchengemeinde, dass die Bänke alle voll sind, dass der Pastor jeden Sonntag eine flammende Predigt hält, mit stets neuen überraschenden Wendungen, die Musiker jede Vorliebe treffen und jedem in seiner individuellen Gefühlslage begegnen? Dass die Mitarbeiter die gesamte Bandbreite der Bedürfnisse aller Menschen bedienen, vom frisch gebrühten Kaffee über Krankenbesuche und Flüchtlingshilfe? Dass die begeisterten Mitglieder neue Mitglieder werben und bald größere Kollektenbeutel her müssen, um all die Scheine zu fassen?

    Ist das alles, worauf die Christenheit hin arbeitet?

    Wenn ja, wem genau ist damit gedient?
    Nach 40 Gemeindeleben und einigen Jahren Gemeinderat frage ich mich, was von dem, was wir in Kirchen und Gemeinden tun, noch zielführend ist und zwar zielführend im Sinne Jesu für sein Reich?

    • Eine andere Vision von Gemeinde

      Liebe Lena,
      nach meiner Erfahrung aus 40jähriger Gemeindepraxis als theologischer Laie sind die öfters inhaltsarmen, manchmal mit frommen Worthülsen versehenen Predigten für viele Christinnen und Christen ein Ärgernis. Es wird aber wenig davon gesprochen, weil man es oft nicht anders kennt. Zuhause beim Sonntagsessen ist alles oder vieles vergessen, was da vor dem Altar gesagt wurde. Ich halte das für sehr schade. Natürlich gibt es diejenigen Gemeinden, wo das alles besser oder sehr gut ist, aber um die geht es nicht. Zielführend für Kirche ist immer, sich an Jesus zu orientieren. Jesus ist ja nicht als Philosoph gekommen, um uns die Welt widerspruchsfrei zu erklären, sondern durch sein Lebenswerk, seinen Kreuzestod und seine Auferstehung eines deutlich zu machen: Es geht um die Liebe Gottes, die wir untereinander leben sollten. Die Leute dürsten nach Spiritualität und wenn wir Licht der Welt sein wollen, müssen wir die Kerzen auch anzünden. Vielerorts fehlt die noch nicht einmal vermisste Geschwisterlichkeit. Ehren- und Hauptamtliche generieren unbeabsichtigt öfters zu Funktionären, um die (ansich notwendige, aber überbürdende) Bürokratie zu bewältigen. Wir benötigen eine andere Vision von Kirche, wobei die verbreitete Irrlehre darin besteht, wir müssten abwarten bis der Heilige Geist dies für uns richtet. Richtig ist: Der Geist Gottes lebt in uns allen. Niemand kann ihn daran hindern durch uns zu wirken, nur wir ganz persönlich selbst. Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen besteht nicht aus Perfektionisten, aber sollte bei uns Jesusnachfolger/innen beinhalten, anderen zu dienen. Wenn wir Licht der Welt sein möchten, müssen wir nicht nur die Kerzen anzünden, sondern auch legitime Bedürfnisse erfüllen: Durch spirituelle Tankstellen, in denen man emotional und sozial auftanken kann. Notwendig ist wieder, nach der Vision einer anderen kirchlichen Wirklichkeit zu suchen: Durch gute, intelligente Predigten, aber auch gemeinschaftlich und festlich gefeierte Gottesdienste, mit wunderschöner Musik und einer Freundlichkeit auf Augenhöhe, die ehrlich gelebt wird. Ich halte dies für wichtig, wenn ich den oft bösartigen Streit unter Christen hier im Netz erlebe. Grund, Aufgabe und Ziel jedweden christlichen Handelns ist mE alleine, Gott und den Nächsten so zu lieben wie sich selbst. Dazu muss hinter unseren Kirchengemäuern nicht nur ein anderer Geist einziehen, sondern auch eine andere Sprache. Sonst können wir den durchaus oft intelligenten Leuten an den Hecken und Zäumen nicht wirklich erklären, worum es bei unserem Christsein geht. Ich bin in vielen Jahren sehr oft Menschen begegnet, die an ihrem Kinderglauben leiden wie an einem zu klein gewordenen Konfirmationsanzug. Mehr noch an fehlenden Bibelkreisen und ebenso nicht vorhandenen Gesprächskreisen. Es besteht weitgehend keine Kultur des Gespräches, vorallem über den Glauben. Dabei wird heutzutage sonst über alles diskutiert. Seit meinen Jugendtagen zehre ich von den Taize-Erfahrungen nicht nur bezüglich der Geschwisterlichkeit, sondern wegen eines dortigen regen Austausches. Vielleicht gehören wir alle auch mehr in die Welt, also heraus aus den Pfarrgärten und Kirchengemäuern auf die Marktplätze. Der Missionsbefehl muss mit den Methoden des Jahres 2020 durchgeführt werden. Es gibt dabei nichts schlimmeres als angeblich absolutes Wissen über den Glauben wie ein Knüppel vor sich her zu tragen, gepart mit einer gewissen Freude daran, den Gegenüber mit Gott Angst zu machen. In der Liebe zu Gott ist die Angst fehl am Platz. Jesus hat dem verlorenen Schaf, daß er unter den Dornen findet, nicht die ewige Verdammnis angekündigt, sonden es gerettet,. Wir dürfen Menschenfischer sein.. Im Altertum bedeutet dies vertieft auch, aus Sklaverei und Abhängigkerit zu befreien,. Es könnte auch ein Freikauf von unserer Ichbezogenheit sein. Bei Gott ist alles möglich.

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