Liedermacher, FeG-Präses, Allianz-Vorsitzender: Peter Strauch war und ist einer der bekanntesten Freikirchler im Land. Inzwischen ist er seit vielen Jahren im Ruhestand – und predigt immer noch.

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Von Kerstin Wendel

Jeans, Hemd, Brille und jede Menge schlohweißes, ehrwürdiges Haar. Eine schlichte, einladende Wohnung, eine anständige Bücherwand in seinem Arbeitszimmer und seine Frau Edelgard, die im Hintergrund in der Küche hantiert: Damit sind einige Eckdaten eines erfüllten Ruhestandes bereits erfasst. So kann das Leben weitergehen, wenn es nach Peter Strauch geht. Doch werfen wir erst einmal einen Blick zurück.

Frühe erste Liebe

Im zarten Alten von sieben Jahren bekehrt Peter Strauch sich zur Liebe Gottes, die er früh wahrgenommen hat. Aufgewachsen in einem christlichen Elternhaus in Wuppertal, gab es dazu gute Bedingungen. „Ich empfand keinen Druck“, berichtet er. Folglich ist sein Ersteindruck von Gott: „Das ist der, der mich bedingungslos liebt, von dem ich angenommen bin.“

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Dieses Pflänzchen hat sich gut entwickeln können. Als Vierzehnjähriger stellt er sich weiterführenden Fragen: Was bedeuten Machtwechsel und Nachfolge für einen Christen? Es kommt zu der notwendigen Vertiefung, die ihn wurzeln lässt. Dennoch hält er positiv an seiner Kinderbekehrung fest und achtet diesen frühen Schritt.

Denn da gab es Holland jährlichen Familienurlaube, die er, seine Eltern und Geschwister ab 1959 mit teils bis zu 80 Kindern gemeinsam in Holland verbrachten. Kinder aus christlichem und nichtchristlichem Kontext waren dabei. Peter Strauch schwärmt von dieser Zeit, denn dort hat er miterlebt, wie andere Kinder zu Jesus fanden. Aufbruchstimmung! Die Faszination von Erweckung hat ihn sein ganzes Leben nie mehr verlassen. Außerdem begann dort seine Karriere als Mitarbeiter, wohlgemerkt als Elfjähriger. So früh startet nicht jeder.

Fröhliches und forderndes Dienen

Im Teenageralter erkennt jemand bereits Strauchs Begabungen. Sein damaliger Pastor entwickelt ein Format, in dem sich mehrere Personen sonntags mit einer Kurzpredigt von zehn Minuten beteiligen können. Auch Peter ist dabei. Der Einstieg in eine Aufgabe, die eine Lebensaufgabe werden sollet. Später hat er im Rahmen seines siebenjährigen Gemeindedienstes in Hamburg-Sasel gepredigt, von 1973 bis 2008 im übergemeindlichen Dienst des FeG-Bundes (davon war er 17 Jahre Präses) – und natürlich auch als ehrenamtlicher Vorsitzender der Evangelischen Allianz (von 2000 bis 2006) in unzähligen Orten Deutschlands. Auch als Rentner kann er es nicht lassen. Gut so für alle, die ihn hören dürfen!

„Was kann ich selber geben?“

Außer predigen kann er auch gut leiten. Eine Begabung, die ebenfalls früh von anderen erkannt wurde. Er selbst neigte immer zum Selbstzweifel, bekennt er offen, was ihn so menschlich, schlicht und sympathisch erscheinen lässt. Strauch braucht keine große Technik, keine imponierende Kleidung, kein „Tamtam“. Er hat sich Zeit seines Lebens auf seinen Taufspruch gestützt: „Was du von mir gehört hast, das sollst du auch weitergeben an Menschen, die vertrauenswürdig und fähig sind, andere zu lehren“ (2. Timotheus 2,2, NLB). Später entdeckte er auch noch das Schreiben als Gabe. Zahlreiche Bücher, Lieder und Auftragslieder sind auf diese Weise entstanden und wirken bist heute.
Selbstverständlich kannte er in seinem Arbeitsleben auch Anstrengung, Mühen, Herausforderungen, Kämpfe. In seiner Zeit als Bundespfleger hat er Gemeinde im Grunde jahrelang als belastet miterlebt. Konfliktberatung in traditionellen Gemeinden? Ein hartes Brot. „Je älter die Gemeinden waren, desto problematischer wurde es“, erinnert er sich. Es habe während dieser Zeit nur wenige positive Erlebnisse gegeben, in denen sich „etwas gelöst“ habe.

Seine eigene Deutung: „Zu viele Christen schauen danach, was der andere macht, anstatt zu fragen: ‚Was kann ich selber geben – an Liebe, an Investment?‘ – das macht es so brüchig!“ Gott sei Dank bekommt er heute, Jahrzehnte später, ab und an positive Rückmeldung: „Sie waren ja damals bei uns …“ Langzeitwirkung einer fordernden Zeit.

Festes Ehe-Team

Seine Frau Edelgard ist eigentlich auch eine „Dienstfrucht“. Da ist der junge Peter zu einer Mitarbeiter­schulung auf dem Wartenberg, einem Freizeitheim in Witten in schöner Natur. Er vergisst seine Bibel – und findet, als er sie sucht, gleich auch seine bessere Hälfte. Das ist die Kurzform einer Romanze, die Jahrzehnte überdauert und bis heute hält.

Das erste, was ihm zu ihr einfällt: Sie sei so unwahrscheinlich geerdet. Er selbst könne sich enorm begeistern, dann aber auch wieder sehr durchhängen. Sie aber sei der ruhende Pol: standfest, ausgeglichen, gelassen. Auch mit positiver Kritik habe Edelgard nie gespart. Sie sei keine „Pastorenanbeterin“ gewesen, sondern ein echtes Gegenüber.

Nur sieben Jahre haben sie gemeinsam als Pastorenehepaar gearbeitet. Außerdem gemeinsam Ehe­seminare gestaltet. Ansonsten machte jeder von ihnen sein Ding. Er war häufig unterwegs. Dienstreisen quer durch die Lande. Edelgard hielt das Familienleben für die beiden gemeinsamen Töchter aufrecht. Später war sie in Leitungsfunktion als „Älteste“ in der FeG Witten. Doch auch, wenn sie oft nicht gemeinsam in Erscheinung traten, ist Peter Strauch sich völlig klar: „Ohne sie wäre es gar nicht gegangen.“

In den zeitlich fordernden Dienstjahren war „Schweden“ für die Familie das Codewort. Es stand für drei herrliche, abgeschiedene Sommerwochen in wunderschöner Natur, fernab von Diensten und Pflichten. Kostbar. Erholsam. Stärkend. Hier hatten sich Peter, Edelgard und ihre beiden Töchter ganz für sich allein. Diese Qualitätszeiten verteidigte er gegen vieles.

Finstere Krisen

Dennoch hat ihn dieser Sommergenuss nicht vor einer größeren Gesundheitskrise bewahrt. Im Frühjahr 1981 erwischte Strauch ein Burnout. Körperliche und psychische Probleme nahmen überhand und forderten Aufmerksamkeit. „Bereits wenn das Telefon nur klingelte, bekam ich Schweißausbrüche“, erinnert er sich. Er begab sich nach Holland und legte eine echte Ruhephase ein: Bibellesen, beten, laufen, essen, schlafen und das Ganze wieder von vorn. Ihm wurde schmerzlich bewusst: „Ich lebe außenorientiert.“ Die Meinung der Menschen war ihm zu wichtig. Gott sei es gedankt blieb er aber nicht in den traurigen Selbsterkenntnissen stecken. Er veränderte Denken und Leben und entschied sich außerdem zu einem authentischen Umgang mit seiner Krise. Sein Buch „Entdeckungen in der Einsamkeit“ ist eine der Früchte dieser Zeit. Viele Menschen erlebten seine Offenheit als Befreiungsschlag für sich selbst. Auch sein Predigen veränderte sich durch diese Grenzerfahrung.

Ein weiterer Einbruch war eine familiäre Schreckenserkenntnis. 1979 wurde öffentlich, dass sein Vater Kinder sexuell missbraucht hatte. Die wunderbaren Hollandfreizeiten waren also nicht nur segensreich? Das zu verarbeiten, war für Peter Strauch sehr herausfordernd. Mit dem Zwiespalt klarzukommen, dass der vorbildhafte Vater auch eine dunkle Seite in sich trug, hat ihn lange schwer beschäftigt. Verarbeitet hat er diesen Schmerz, dass sich der Vater auch an der Schwester Strauchs sowie seinen eigenen Töchtern vergangen hat, in seiner 2015 erschienen Biografie „Meine Zeit steht in deinen Händen“. Noch heute ist es ein wunder Punkt, der ihn schmerzt. Vor allem, wenn er an die Opfer denkt.

Die schweren Krisenzeiten haben ihn aber noch tiefer bei Gott wurzeln lassen. Der ohnehin warmherzige „Menschen-Mensch“ Strauch konnte durch den Blick in eigene und fremde Abgründe noch mehr in die Barmherzigkeit Gottes eintauchen. Ein Gewinn auch für seine seelsorgerlichen Fähigkeiten.

Faszinierende Visionen und Werte

Natürlich hat dieser dienstbereite Mann Visionen. Was ihn bereits in jungen Jahren vorantrieb? Den Blick über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinaus zu wagen. Schmunzelnd meint er: „Mancher denkt sonst schnell, die eigene Kirche sei dem Herzen Gottes näher als andere.“ Diese offene Prägung hat er bereits im Elternhaus mitbekommen und für gut befunden. Sie war Fundament seines ehrenamtlichen Engagements im Rahmen der Evangelischen Allianz und damit Brücke zu vielen Menschen unterschiedlicher Denominationen, denen er sich freundschaftlich verbunden weiß.

Außerdem ist die Authentizität zu nennen. „Sein, wer man ist“, so bringt er es auf den Punkt. Nicht einen auf offen machen. Damit hat Peter Strauch Christen positiv und wegweisend geprägt, lange bevor dieser Wert in wurde. Er weiß, dass dadurch viel in einem selbst passieren, aber auch in anderen Menschen angestoßen werden kann.
Des Weiteren ist ihm der Wert der Einsamkeit wichtig. Gerade weil er so ein Menschen-Mensch ist, schätzt er das Alleinsein. Es ist für ihn Kraftquelle und geistliche Übung zugleich. Seit Holland hat er es beibehalten: Eine einsame Woche zu Beginn des Jahres, in der er reflektiert, hört und nach vorne schaut.

Und nicht zuletzt lebt in ihm die Sehnsucht, dass er und andere einen geistlichen Aufbruch erleben. Was er in jungen Jahren erfahren hat, hat ihn nie verlassen: Die Gewissheit, dass Gott Aufbruch schenken kann. Das sei etwas Kostbares, Besonderes, etwas, was nicht machbar ist.

Alleinsein und in Gemeinschaft

Auch wenn er das Alleinsein liebt, ist Strauch nie einsam gewesen. Er hat sich feste Männerfreundschaften aufgebaut. Vor allem zu nennen ist ein Fünfer-Trupp der besonderen Art: Leitende Männer im vollzeitlichen Dienst, verteilt über ganz Deutschland. Dieser kleine Kreis trifft sich seit Jahren regelmäßig zum Erzählen, Rückfragen und Beten. Eine unvergleichliche Kraftquelle. Gelebte Bruderschaft.

Manche Freunde hat er auch über Bücher gewonnen: Autoren wie Francis Schaeffer, Klaus Bockmühl, Helmut Thielicke, C.S. Lewis, Pfarrer Wilhelm Busch, Leanne Payne, Corrie ten Boom u. a. Auch durch den Gemeindedienst in Hamburg sind bleibende Freundschaften entstanden.

Den Alltag feiern

Der große Partyfreund ist Strauch nicht, aber er feiert das alltägliche Gute: Er ist zufrieden mit seinem Ruhestand als fast Achtzigjähriger, der von täglichen Spaziergängen, gemeinsamen Einkäufen mit Edelgard, regelmäßigem Bibelstudium, Schreiben, Vorbereiten, Predigen und Staubsaugen geprägt ist. Das feiert er. Weil es noch geht. Weil es nicht selbstverständlich ist. Noch schaffen die beiden ihre zahlreichen Treppenstufen hinauf zur Dachwohnung, überlegen aber, ob eine andere Lösung organisiert werden muss.
Was er ebenfalls zu feiern hat, ist seine Zufriedenheit: Er kann zurückblicken auf reiche, erfüllte, gesegnete Jahre. Das stimmt gelassen, heiter, dankbar und froh. Auf meine Frage, ob noch Wünsche offenbleiben, mag er deshalb nichts Großes nennen. Doch, eins ist ihm zum Schluss noch wichtig: Er trägt die Sorge mit sich herum, dass wir Christen zu leicht polarisieren: Auf der einen Seite gibt es die Flucht in eine orthodoxe Gesetzlichkeit, auf der anderen Seite zu große Liberalität, die Bedeutung des Kreuzes von Jesus Christus wird zunehmend verkürzt. Es wird an uns liegen, ob seine Sorgen berechtigt sind.

Lieber Peter Strauch, Gottes reichen Segen für den wohlverdienten Feierabend und danke für alle wertvollen Impulse, die wir aufnehmen dürfen!


Dieses Porträt schrieb Kerstin Wendel zuerst für die Zeitschrift LebensLauf. LebensLauf erscheint sechsmal im Jahr im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. 

 

 

 

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Passend zum Artikel: „Jesus, wir sehen auf dich“ – gesungen von der wunderbaren Sarah Kaiser.

 

 

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Peter Strauch ist mir persönlich in meinen Jahren in der Jugendgruppe der FEG Remscheid-Lennep begegnet, wenn er hin und wieder dort als Gast erschien. Er muss damals ein älterer Teenie gewesen sein. Wir alle waren stets sehr beeindruckt von ihm, wir haben ihn geliebt wegen seiner starken Ausstrahlung von Liebe und Wärme. Und er hatte uns etwas zu sagen!
    So, mit seinen strahlenden, warmen Augen ist er mir bis heute in Erinnerung geblieben.

  2. Peter Strauch hat in meiner Jugend (Jahrgang 1955) mit seinen Liedern und Vorträgen auch mein Leben beeinflusst und bereichert.
    Leider musste ich im Erwachsenenalter feststellen, dass ich bzgl. „Gott“ vermutlich nur einer Illusion und einem Wunschgedanken aufgesessen bin. Als Christ habe ich zu viel Enttäuschung und Ernüchterung erlebt und halte mich heute von diesen Leuten (Christen) fern.

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