Wir sind mit WDR-Moderatorin Yvonne Willicks unterwegs in Köln und sprechen mit ihr über den Glauben. Dabei hat sie stets den Dom im Blick.

Von Jörg Podworny

In den Dom. Natürlich. Der Kölner Dom, 157 Meter hoch, ist nicht nur weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt, nicht nur Besuchermagnet mit jährlich sechs Millionen Touristen. Sondern auch „die Seele der Stadt“, findet Yvonne Willicks. Die 48-Jährige arbeitet gleich um die Ecke: Sie ist bekannt und beliebt als Fernsehmoderatorin, die im Westdeutschen Rundfunk (WDR) im „Haushaltscheck“ und der „Servicezeit“ alles unter die Lupe nimmt, was Menschen in den eigenen vier Wänden und darüber hinaus brauchen. „Willick’s wissen, frag ich Willicks“, frotzeln Kollegen über das Alltags-Fachwissen der gelernten Hauswirtschaftsmeisterin.
Heute geht es aber nur am Rande um Fernsehsendungen, Studios und die 111 besten Verbrauchertipps, sondern um ein persönliches Bekenntnis: Yvonne Willicks ist überzeugt, dass „Gott uns überall begegnet“, wie die gläubige Katholikin jüngst in einem Buch erläutert hat. Da liegt es nahe, sich mit ihr auf eine persönliche Spurensuche zu machen, das Heilige im Alltag zu entdecken, bei einem Spaziergang in Köln.

Yvonne Willicks steht vor dem Kölner Dom
Der Dom spielt für Yvonne Willicks eine zentrale Rolle in Köln. Foto: Jörg Podworny

Also auf in den Dom. Yvonne Willicks, weite schwarze Stoffhose zu weißen Schuhen, schwarzes Oberteil zum selbstgestrickten schwarz-rot-himbeerweißen Schal, macht das öfter für „eine kleine Auszeit“ zwischendrin. Eine Kerze anzünden. Sich sammeln. Beten. Jetzt am frühen Nachmittag mit dem dutzendfachen gedämpften Gemurmel der Touristen, klackernden Schritten auf den Fußbodenmosaiken, Smartphone-Kameras im Anschlag, fällt es nicht leicht, Stille zu finden. „Aber abends ist der Dom ein Ort der Ruhe“, sagt Willicks. Gern sucht sie diesen heiligen Ort auf – und vergleicht sich mit den vielen Menschen, die im Urlaub Kirchen besuchen, kleine Dorfkirchen oder Kathedralen wie hier: natürlich um die großartigen Bauwerke zu bewundern. Aber da ist noch mehr: „Wo gehen Menschen hin, wenn sie Sorgen haben?“, fragt sie. Und antwortet gleich selbst: „Sicher mehr in die Kirche als ins Kino.“

Sinnbild für die Nähe Gottes

Sie selbst hat hier als Schülerin auf Klassenfahrt eine prägende Erfahrung gemacht. Ihr Lehrer hatte die Klasse aufgefordert, nach dem Eingang zuerst auf den Boden zu schauen – und erst nach einigen Metern nach oben. Als er „Jetzt“ sagte, blickten alle auf. Und auf seine Frage: „Wie sieht das aus?“ antwortete Yvonne mit ihren Mitschülern: „Wie im Himmel.“
Dieser Eindruck stellt sich heute „längst nicht immer“ ein, gesteht Willicks. Aber die Faszination des Sakralbaus bleibt. Und wenn die Abendsonne durch die farbigen Glasfenster ins Innere strahlt, geht es ihr nicht anders als ihrem achtjährigen Neffen, der beim Anblick des Fensters in der Westfassade neulich geflüstert hat: „Als wenn Gott hier hineinschaut.“
Es bleiben nicht die einzigen Eindrücke. Yvonne Willicks betrachtet die Kreuzweg-Darstellung auf einem Wandrelief, in der Jesus unter dem Kreuz zusammengebrochen ist: Es lässt „einen die Passionsgeschichte miterleben“, findet sie. Und kann gut nachvollziehen, dass das bunte Licht im Dom, der Weihrauch, die Gemälde und Kunstwerke den Menschen seit dem Mittelalter eine regelrecht sinnliche Erfahrung ihres Glaubens vermitteln. Bis heute.

„Der Dom ist ein Sinnbild für die Nähe Gottes.“

Draußen in der Sonne dreht eine vierköpfige Frauengruppe ihre Runde. Gern lässt Yvonne Willicks sich bitten, die Touristinnen abzulichten, mit Dom im Hintergrund. Das Damen-Quartett kommt hörbar aus dem Ausland; würden sie mehr WDR schauen, wäre Willicks jetzt erst mal in einen Smalltalk verwickelt. Sie mag das: „Ich werde oft angesprochen auf der Straße und zehre positiv davon. Ohne diesen Austausch mit anderen wäre mein Leben nicht so erfüllt, wie es gerade ist.“
Dann hat sie den Dom wieder formatfüllend im Blick. Kein anderes Bauwerk, „selbst der Eiffelturm nicht“, habe eine derartige Ausstrahlung, meint sie. „Er ist ein Sinnbild für die Nähe Gottes“ und zugleich ein Gotteshaus von eindrücklicher Größe.

Stets den Dom im Blick

Auf Schritt und Tritt stoßen Besucher in der Altstadt auf christliche, kirchliche, Glaubens-Symbole, die in den Alltag hineinragen – sofern sie mit offenen Augen hier durchlaufen. Nur ein kurzes Stück unterhalb der mächtigen Domplatte steht die Josef Kardinal Frings-Statue. Der Geistliche, von 1942 bis 1969 Erzbischof von Köln, wurde in den Nachkriegsjahren als volksnaher Kirchenmann berühmt. Mit einem breiten Lächeln erzählt Yvonne Willicks von der Besatzungszeit unmittelbar nach dem Krieg, als die Stadt komplett zerstört und für die Menschen wenig zu holen war: Da nutzte der Erzbischof die Silvesterpredigt 1946, als er mit Blick auf die Plünderungen von Kohlenzügen und die schlechte Versorgungslage von der Kanzel herab erklärte: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“ Was anderswo als „Mundraub“ bezeichnet wird, sich nehmen, was man unbedingt zum Leben braucht, ist seither in Köln als „fringsen“ im Sprachgebrauch verewigt.

Auch zur Frings-Statue hat Yvonne Willicks etwas zu erzählen. Foto: Jörg Podworny

Zu Fuß durch die Altstadt, fast überall den Dom im Blick, finden sich auch sonst „reichlich Kirchengebäude“, erklärt Yvonne Willicks und steuert auf Groß Sankt Martin zu, die im 10. Jahrhundert errichtete, älteste Kirche der Stadt. Hier ist sie gern und regelmäßig, erzählt Willicks, vor allem wenn die hier beheimatete katholische Ordensgemeinschaft dreimal täglich zu öffentlichen Psalmgesängen in ihre Klosterkirche einlädt – für die Moderatorin jedes Mal „ein Stück Himmel“. Nie wird ihr beim Zuhören langweilig, sagt sie, im Gegenteil: „Ich höre immer wieder Neues.“
Einige Minuten später zieht sie das Portal der Minoritenkirche auf. Auch hier kommt sie regelmäßig hin zur Einkehr und zum Gebet. Yvonne Willicks ist 2015 ins Kolpingwerk eingetreten; das katholische Sozialwerk hat hier zusammen mit dem Franziskanerorden Hausrecht. Drinnen befindet sich das Grabmal Adolph Kolpings. Der Begründer des Werkes, der sich im 19. Jahrhundert besonders mit der sozialen Frage auseinandersetzte, wurde von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Im Bild des „Heiligen“ ist für Willicks ein „Mensch mit einem beispielhaften Lebensweg“ gekennzeichnet. Einer wie Kolping, ein Vorbild für gelebten Glauben.

Yvonne Willicks steht vor dem Grab von Adolph Kolping
Das Grab von Adolph Kolping besucht Yvonne Willicks gerne. Foto: Jörg Podworny

Nahe des ältesten Kölner Brauhauses, dem „Früh am Dom“, kommt die Rede – das fehlte bisher noch – endlich auch auf den Karneval: Yvonne Willicks feiert nicht nur gern „die fünfte Jahreszeit“ – die kirchliche Tradition der „närrischen Tage“, der Auftakt zur 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern, ist ihr wichtig. Wenn sie, wie in diesem Jahr, ganz bewusst auf Alkohol verzichtet, dann heißt das sieben Wochen lang, von Aschermittwoch bis Ostersonntag, die zahlreichen Brauhäuser links liegen zu lassen. Fastenzeit ist keine Feierzeit. „Das ist wie das Leben: Da ist auch nicht alles himmelhochjauchzend“, findet sie.
Bei der Gelegenheit erzählt Willicks, dass es sie in der Minoritenkirche zum ersten Mal in einen Karnevalsgottesdienst verschlagen hat, gänzlich ungeplant, in voller „Jecken“-Montur, mitten unter anderen bunten Feiernden – für die der Gottesdienst selbstverständlich zum Karneval gehört, wenn auch die meisten den christlichen Ursprung nicht kennen.

Wo der Karneval Hausherr ist

Schließlich führt der Weg noch ins Studio. Der Clou: Auch hier ist die Kirche dabei. Der WDR hat das Gebäude, in dem Sendungen wie Willicks „Servicezeit“, auch das „Morgenmagazin“, „Hier und Heute“, „Markt“ und „Monitor“ produziert werden, in Erbpacht von der katholischen Kirche übernommen. „Der Kardinal ist hier also Hausherr“, lächelt Willicks, während sie durch die Gänge wuselt, hinter der Kamera mit Kollegen über Gesundheitsfragen plaudert, in der Maske ihre neueste Strickkreation präsentiert oder durch das Studio führt, in dem am Wochenende die „Sportschau“ und montags die Diskussionsrunde „Hart aber fair“ läuft.

„Wenn du bei hunderten Gottesdiensten, Taufen, Beerdigungen dabei gewesen bist, kriegst du ein Gespür dafür, wie eine Geschichte erzählt werden muss.“

Ist Gott also auch im Studio? Wieder lächelt Willicks und erklärt dann, dass eine Fernsehsendung durchaus Ähnlichkeit mit einem Gottesdienst hat: Hier wie dort gibt es erst ein vielfältiges Programm, dann einen thematischen Schwerpunkt und abschließend motivierende Worte für die nächste Woche. Dazu hat sie einen originellen Blick auf gute Fernseh-Unterhalter: Ob Harald Schmidt, Günther Jauch, Thomas Gottschalk oder Matthias Opdenhövel – alle waren katholische Messdiener oder Organisten! „Wenn du bei hunderten Gottesdiensten, Taufen, Beerdigungen dabei gewesen bist, kriegst du ein Gespür dafür, wie eine Geschichte erzählt werden muss“, folgert Willicks.

Für sich, sagt sie grundsätzlich, „steckt im Alltag als Christin christlicher Glaube in jeder Minute drin“. Leider hätten viele keine „Antenne“ für die Glaubens-Spuren im Alltag. Oder sie empfänden es als „Tabu“, über Fragen des persönlichen Glaubens zu sprechen. Andererseits erlebt sie in Begegnungen „ganz viel Sehnsucht, nach Leuchttürmen, einer Struktur, nach dem Sinn des Lebens. In unserer immer komplexeren Gesellschaft wünschen sich viele etwas, an dem man sich festhalten kann“. Und „lustigerweise“, ergänzt Willicks, „wenn man hier an der Theke steht, nach fünf oder mehr Kölsch, dann kommen die Lebens-Themen doch.“
Da wäre es nicht schlecht, die „Antenne“ für Gott und den Glauben wieder auszurichten, findet sie. Sich Kirche nicht nur von außen anzugucken, sondern zu sehen, was es ohne Kirche alles nicht gäbe: viele Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Caritas, Diakonie, ehrenamtlich Aktive …
Und sie empfiehlt, sich ehrlich zu fragen: Wer bin ich eigentlich? Wo will ich hin? – um darüber an das heranzukommen, „was wir vielleicht noch in unserem Innersten haben“. Das „kann man machen, indem man aufs Meer guckt – aber auch, indem man sich in eine Kirchenbank setzt“.
Willicks verrührt Honig in ihrem frischen Minz-Tee. Sie selbst profitiert vom „Reichtum des Kirchenjahrs“: Die Feste zwischen Weihnachten, Ostern und Advent sind für sie auch „ein Abbild des menschlichen Lebens“, zu dem Tod, Trauer, und Schmerz genauso gehören wie überbordende Freude: „Das große Halleluja muss ja auch gesungen werden.“

 


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Lebenslust erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Das was Yvonne von sich gibt, hat keinen Bezug zur Bibel. Es sind menschliche Vorstellungen. In der Bibel steht die Aussage von Jesus Christus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater (Gott) ohne mich.“ Johannes 14,6). Das ist die Botschaft der Bibel: Ohne Jesus kommt niemand zu Gott. Nur Jesus kann uns Seinen Vater (Gott) bekanntmachen. Dazu braucht man keine Kirche und keinen Dom, auch keinen Papst. Die Bibel ist Gottes Gebrauchsanweisung an alle Menschen, eine Beziehung mit Gott zu beginnen. Es ist die Einsicht, ein Sünder zu sein und das Geschehen von Golgatha für sich persönlich in Anspruch zu nehmen.

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