Kirchensteuer
Grafik: Pixabay / Jesus.de
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) stellt sich auf einen massiven Rückgang der Kirchensteuer-Einnahmen wegen der Corona-Krise ein. Gerechnet wird je nach Szenario und Region mit einem Minus zwischen 10 und 30 Prozent.
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Hauptgrund dafür sind die zu erwartenden höheren Arbeitslosenzahlen. Dazu kommt, dass das Kurzarbeitergeld nicht besteuert wird. Die Situation treffe die evangelische Kirche jedoch nicht unvorbereitet, sagte ein Sprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Schon vor der Krise sei ein Synodenbeschluss erlassen worden, der eine reale Aufwandsanpassung im Haushalt um 30 Prozent bis 2030 vorsehe.

Die Grünen im Bundestag riefen angesichts der Corona-Krise zu einem stärkeren Schutz der Religionsausübung auf. „Die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen für ihre Gläubigen und Gemeinden wird gerade in diesen Zeiten der Krise bewusst und verdeutlicht einmal mehr, dass es hier dringend eine stärkere Unterstützung und Würdigung bedarf“, sagte der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende und Religionsbeauftragte Konstantin von Notz den Funke-Zeitungen. Die derzeitigen Einschränkungen in Gottesdiensten seien allerdings „zum Schutz der Gesundheit und des Lebens“ weiterhin geboten, sagte von Notz.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Kirche muss aus Dornröschen-Schlaf erwachen

    Die nach derzeitigem Stand der Coronakrise schon jetzt prognostizierten Mindereinnahmen der großen Kirchen sind sicher ein nicht kleinzuredendes Problem. Dies nötigt uns als Glaubende, mit großem, kleinem oder keinem Amt bzw. als aktive Ehrenamtliche: Auf das Wesentliche zu schauen, zurück zur Quelle zu gehen und neben Prioritätensetzung vorallem auch die Kernkompetenzen von Menschen gerne einzusetzen. Wir sollen Licht der Welt und Salz der Erde sein. Allerdings ist ein spürbarer Einbruch bei den Finanzen der beiden Volkskirchen nicht dem einfachen Determinismus verordnet: Weniger Bimbes gleich weniger Kirichengemeinden, Einsparungen bei Pfarrer/innen Priestern und anderen Hauptamtlichen und das Gesundschrumpfen. Es stellt sich aber die Frage, von was man sich trennen kann/muss und was andererseits unverzichtbar ist. Beispielsweise muss kirchens nicht unbedingt Engagement betreiben, welches andere mit genauso viel Sachverstand und durchaus auch christlichem Geist genau so gut können. Als evangelisch-langeskirchlicher Christ würde ich von unseren katholischen Mitgeschwistern nicht ihren Drang nach Organisationsreform in Art einer kirchenlichen Globalisierung – sprich Megagemeinden zu installieren – abkupfern. Die Kirche sollte dort, wo sie steht, auch weiterhin verbleiben. Auch wenn ich hier mit meiner Meinung völlig gegen den Strom schwimme: In der christlichen Gemeinde geht es um Gemeinschaft. Bei der Schaffung von Megagemeinden entstehen nicht nur Doppelstrukturen in Leitung, Verwaltung und Organisation, sondern auch das Wegnehmen von menschlicher/geistlicher Heimat. Wenn kirchliche Räume zusammengelegt werden, entsteht automatisch das Problem, daß Menschen aus unterschiedlichen Orten und Gegenden zusammenkommen sollen, was aber nach allgemeiner Erfahrung zumeist nicht gelingt. Gemeinschaft funktioniert leider nicht wie eine Zwangsverheiratung.
    Nachdem aus den kleineren Städten und Dörfern immer mehr Leben und Kontaktmöglichkeiten verschwunden sind, macht man heute den eigentlich schon gescheiterten Versuch, Dorfläden wieder neu einzurichten, obwohl sie finanziell nicht einmal eine schwarze Null verwirtschaften. Geistlich ist es ähnlich. Der Wandel durch immer weniger Finanzen – und auch immer geringeren KirchensteuerzahlerInnen – muss gestaltet und nicht verunstaltet werden. In größeren Städten gibt es oft keine Kerngemeinden mehr. Hier ist Hand anzulegen. Es bedarf kreativer Ideen. Je mehr wir Kirche auch auf der untersten Ebene globalisieren, um so mehr wird sie zu einer Krake, der die Seelen davonlaufen oder abhanden kommen. Allerdings können leider auch langweilige Predigen und einfallslose Gottesdienste dazu führen, daß die Menschen wegbleiben. Da hilft es dann auch nicht, aus der finanziellen Not eine Tugend zu machen. Selbst institutioneller Reichtum würde nichts helfen.
    Man kann auch niemand raten, zu freikirchlichen Gemeinden zu wechseln, weil der Traditionsabbruch auch dort wuchert. Ökumene ist insgesamt aber sehr wichtig. Und QuerdenkerInnen mit guten Ideen ebenso. Eine Reform funktioniert nur mit geistlicher Erneuerung. Die vermag man nicht zu organisieren, aber man kann ihr Knüppel zwischen die Beine werfen. Leider ist es wie immer unter uns Menschen: Solange die Not und das Problem nicht wirklich zu guten Strategien nötigen, haben die Haushälter immer die Oberhand und den Reformern fehlen die Argumente. Dann lebt man aus der falschen Einsicht, daß wo kein Moos ist, auch nichts los ist. Ein Geheimnis der Bergpredigt ist, daß wer sich um das Reich Gottes bemüht, auch alles andere geschenkt bekommt. Dazu muss Kirche, wo ich gerade wohne, allerdings erst aus ihrem Dornröschen-Schlaf erwachen. Das ‚Thema passt zu Pfingsten wie die Faust aufs Auge. Das genannte Märchen beschreibt das Problem ebenso.

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