Desire Owona leidet an Grauem Star, kann kaum noch sehen. Eine Operation? Unerschwinglich für seine verarmte Bauernfamilie. Doch dann geschieht das Wunder.

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Von Stefan Leu

Bevor er starb, versuchte Desires Vater, Geld für die Operation seines Sohnes zusammenzusparen. Vergeblich, denn die Bauernfamilie lebt von einem kleinen Einkommen durch den Verkauf von Kakao. Was sie sonst ernten – stärkehaltige Knollen, Mais und Erdnüsse –, benötigen sie für den Eigenbedarf.

Kein leichtes Leben

Der 28-jährige Desire Owona lebt mit seiner Familie in einem Dorf rund vierzig Kilometer südlich von Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Feld- und Hausarbeit könnte er ohne seine Frau Bernadette niemals bewältigen, denn Desire ist fast blind: „Fällt mir etwas an einer dämmrigen Stelle herunter, hebt sie es mir auf. Wenn ich auf dem Feld wegen der gleißenden Sonne nichts mehr sehe, löst sie mich ab. Wir beide kennen uns, seit wir Kinder sind. Als sie mich fragte, ob ich sie heiraten würde, erklärte ich ihr, wie stark meine Sehbehinderung ist und wie hart unser Alltag als Bauern sein würde. Gott sei Dank hat sie trotzdem ‚Ja‘ gesagt.“

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Desire und Bernadette haben vier Kinder im Alter zwischen zwei und neun Jahren. Als ältester Sohn seiner Familie steht Desire traditionell auch den Familien seiner jüngeren Brüder vor. „Ich habe mich um die Gesundheit und die Schulausbildung unserer und ihrer Kinder zu kümmern. Doch täglich kommt mir der Gedanke, dass mir vermutlich niemand eine Operation ermöglicht und ich irgendwann völlig erblindet bin. Dann erfüllt mich eine große Traurigkeit.“

Studieren? Nur ein Traum.

Im Alter von sechs Jahren, beginnt Desires Sehkraft nachzulassen. „Von der Tafel konnte ich nur sehr schlecht lesen. Ich schrieb mit Fehlern ab und musste mehrere Klassen wiederholen. Trotz Sehbehinderung schaffte ich dann immerhin die Abschlussprüfung nach der Grundschule“, erzählt er. Den Traum zu studieren, um später als Beamter zu arbeiten, muss er allerdings begraben.

Auch seine erste Stelle in einer Fabrik verliert er rasch. Eine Schreinerlehre muss er ebenfalls aufgeben. „Die Maschinen dort sind zu gefährlich. Ohne Sehkraft verliert man schnell die Finger.“ Immerhin mutet er sich noch zu, sich im Straßenverkehr zu behaupten und malt sich aus, als Taxifahrer Geld zu verdienen. Ein Schwager bietet ihm Fahrstunden an. „Aber es war aussichtslos. Bei helllichtem Tag und bei Nacht erkenne ich so gut wie nichts mehr.“ Also macht er sich in seinem Dorf möglichst nützlich.

„Jedes Mal, wenn er
das Haus verlässt, sorge ich mich um ihn“

Jeden Tag pünktlich vor Sonnenaufgang macht Desire sich auf den Weg zum dreißig Minuten entfernten Feld. Bevor die Sonne zu stark blendet und er nichts mehr erkennen kann, versucht er, möglichst viel zu arbeiten. Seiner Frau Bernadette ist dann immer komisch zumute: „Wenn Desire die Straße überquert, kann er herankommende Fahrzeuge nicht sehen. Er muss sich ganz auf sein Gehör verlassen. Ich habe große Angst, er könnte einmal angefahren werden. Oder auf dem Feld – da kann ihn eine Schlange beißen. Jedes Mal, wenn er das Haus verlässt, sorge ich mich um ihn.“

Auch wenn seine Frau immer betont, wie hart er trotz seiner Behinderung arbeitet und die Kinder betreut, fühlt sich Desire Owona nur wie ein halber Mann, wenn er ihr Arbeit wie das Holzspalten überlassen muss. Er würde diese Arbeit gerne für sie übernehmen. Am Sonntag, wenn sich junge Männer zum Fußballspielen treffen, ist Desire meist zum Zuhören verurteilt. „Ich liebe Fußball. Doch selten werde ich ausgewählt, um mitzuspielen. Meine Freunde sagen mir, ich wäre in ihrer Mannschaft leider ein Schwachpunkt.“ Auch würde er sich gerne in einer Selbsthilfegruppe engagieren, aber auch dort sei er nicht gefragt, weil Vorstandsaufgaben und andere Rollen Lesen und Schreiben erforderten. Zu Hause übernimmt solche Aufgaben ebenfalls seine Frau. Sie ist es, die in der Familienandacht jeweils den Bibelabschnitt liest.

Eines Tages berichtet ihnen ein Verwandter von einer Augenklinik nördlich von Yaoundé. Die dortige Untersuchung bestätigt als Ursache für sein Erblinden den Grauen Star. Damit ist er einer von 13 Millionen Menschen weltweit, die wegen des Grauen Stars erblindet sind. Die Krankheit stellt somit die global häufigste Blindheitsursache dar – obwohl der Graue Star korrigierbar ist. Das Problem: Viele Betroffene können sich die Operation nicht leisten. Dabei kostet der viertelstündige Eingriff umgerechnet gerade mal 30 Euro. Auch Desire und Bernadette befürchten, dass sie die Operationskosten abermals nicht bezahlen können. Der erlösende Bescheid kommt aber sogleich: Desire muss für den Eingriff nichts bezahlen.

Ich sehe sie!

Die Klinik wird von der CBM Christoffel Blindenmission unterstützt, wodurch Spenderinnen und Spender die Kosten für in Armut lebende Familien übernehmen. Rund zwei Monate nach der Untersuchung erhält Desire in beide Augen künstliche Linsen implantiert.

Sekundenlang hält Desire die Augen geschlossen, nachdem Augenchirurg Dr. Henry Nkumbe vorsichtig die Verbände abgelöst hat. Dann hebt er langsam die Lider, blinzelt, bis sich die Augen an das Licht gewöhnt haben. „Ich sehe das Fenster“, bemerkt er. Nun dreht er seinen Kopf in Richtung von Bernadette, die drei Meter entfernt steht. „Ich sehe sie“, staunt er gerührt. Noch tags zuvor erblickte er eine Person in dieser Entfernung nur als verschwommenen Fleck. Die beiden winken sich zu, und seit Langem zeigt sich auf seinem Gesicht wieder ein Lächeln.

Momente später stellt Desire begeistert fest: „Ich kann lesen!“ Soeben hat er einen Schriftzug auf seinem Bettlaken erblickt. Dr. Nkumbe bittet ihn nun, den kleineren Druck einer Schachtel zu lesen. Zuletzt reicht er ihm das Gebetsbuch mit der nahezu winzigen Schrift. Konzentriert packt Desire Owona die Wörter mit seinem Blick und beginnt, fasziniert zu lesen. Immer heller strahlt sein Gesicht: „Dank sei Gott, Er ist groß!“

Der Graue Star ist weltweit die häufigste Ursache für Blindheit. Fast 13 Millionen Menschen sind durch diese Trübung der Augenlinse erblindet.


Diesen Artikel schrieb Stefan Leu für das Magazin DRAN (Ausgabe 03/2021). DRAN erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

 

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Eine solche Organisation ist eine gute Einrichtung. Wir haben auch schon für die Projekte gespendet. Dann bekamen wir Briefe mit kleinen Geschenken wie Kullis, Aufkleber, etc. Das finde ich nicht korrekt, dass Spendengelder so verschwendet werden, da stellt sich schon Diez Frage nach der Seriösität….

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