Künstliche Intelligenz braucht gelebte Beziehungs-Intelligenz.

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Da sitze ich in einer gestylten Bar. Ich fühle mich wohl. Trinke ein Bier, erhole mich und beobachte das Leben. Ausschließlich Männer sind da. Ein erhellendes lautes „Gerede“. Sie tauschen sich übers Geschäft aus. Einige auch über zu Hause. Ich freue mich über die lockeren und intensiven Beziehungen. Und stelle mir die Frage: Was brauchen wir persönlich und als Gesellschaft, um die Zukunft, die Digitalisierung, das Tempo, die Herausforderungen zu meistern? Ich bin überzeugt: Wertschätzer sind gefragt! In allen Positionen und in allen Lebenswelten.

Business braucht Emotionen

Zurzeit ist die Digitalisierung in aller Munde, also die bekannte „Künstliche Intelligenz“. Die braucht ein gesundes Pendant: „Beziehungs-Intelligenz.“ Die renommierten Trendforscher der Zukunftsinstitut GmbH schreiben in der Publikation „Siegeszug der Emotionen“: „Rein rationales Denken war gestern, die Ära der Emotionen bricht an. Emotionen und Business schließen sich nicht aus. Daher wird es entscheidend sein, wie Sie als Unternehmer mit diesen Emotionen umgehen.“ Es geht nicht um eine Kuschel- und Weichei-Kultur, sondern um Business mit Stil und Köpfchen. Der Mensch ist keine Leistungsmaschine, sondern eine Persönlichkeit mit Stärken, Talenten, Schwächen, mit Emotionen, Herz und Verstand – und damit kann man Geniales leisten. Wo die Unternehmensvision und der Arbeitsalltag von einer ganzheitlichen Sicht durchdrungen sind, wachsen Menschen und Unternehmen über sich hinaus.

„Wer anderen eine Blume sät, blüht selber auf.“

General Motors in den USA machte vor vielen Jahren bei den Käufern ihrer Automobile eine Umfrage. Die Fragen lauteten: Warum kaufen Sie unsere Autos? Weshalb bleiben Sie einer Marke treu? Das Ergebnis landete in der Schublade. Der Grund dafür war: An erster Stelle in der Gunst der Käufer stand die Telefonistin, an zweiter Stelle der Kundendienstleiter und an dritter Stelle die Buchhaltung, wo sie ihren Scheck hinterlegten, wenn sie ihr Auto abholen und bezahlen kamen. Das Produkt war erst an vierter Stelle! Der Erfolg des Unternehmens war zuerst mal den Menschen zu verdanken. Ihre Wirkung ist weit entscheidender als das hervorragende Produkt!

Hervorragende Produkte brauchen hervorragende Menschen

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Der Käufer reagiert auf die freundlichen, wertschätzenden und dienenden Menschen im Betrieb. Das gute positive Gefühl des Käufers beim Nach-Hause-Fahren festigt den Entschluss, wiederzukommen. Ein hervorragendes Produkt/Angebot/Wissen braucht entsprechende Menschen: Sympathische, fähige, freundliche Mitarbeitende sind entscheidend für ein Unternehmen, sowie auch das Angebot! Das Ergebnis landete in der Schublade. Das ist schlicht Leadership-Idiotie, Funktions- und Produkteverbissenheit, Chancenvergeudung. Warum hat das Unternehmen nicht die Crew zusammengerufen, gefeiert, weil nicht nur das Produkt gut ist, sondern die richtigen Menschen am richtigen Platz mit der richtigen Einstellung und Haltung sind? Damit wäre das Wir-Gefühl und die Verbundenheit gestärkt und Wertschätzung gelebt worden. Wer in die Produktinnovation UND in die Entwicklung und Begeisterung der Mitarbeitenden investiert, schafft die zufrieden machende Qualität, nach der sich alle sehnen: Kunden, Mitarbeitende und Chefs.

Wertschätzung bringt Augen, Beziehungen und Unternehmen zum Leuchten

Es wäre eine Potenzialvergeudung, den Fokus nicht auf Wertschätzung zu setzen. Klar gibt es noch andere Aspekte. Aber es wird unterschätzt, wie Wertschätzung beflügelt und wie sie das Beste im Menschen weckt. Wertschätzer machen lebenswertes Business. Wertschätzung ist zuerst eine Haltung, dann erst ein Verhalten. Wofür willst du als Chef, als leitender Mitarbeitender oder als Angestellter in Business, Gesundheit, Schule, Kirche bekannt sein? Nur für deine Talente oder auch als Wertschätzer?

„Immer wieder schreibt er mir: Danke für deinen Support. Heute bin ich leidenschaftlicher A380-Fluglehrer, weil du an mich geglaubt hast.“

Vor 25 Jahren begegnete ich einem Mechaniker. Er klagte, wie der Vater die Karriere seiner Brüder (Banker, Ingenieur) anders bewertete als seine. Ich fragte nach seinen Träumen. „Pilot sein, aber das geht nicht … Mein Vater traut mir das nicht zu … Schaffe ich das?“ Ich trat in die Lücke des Vaters, verbrüderte mich mit seinem Traum, um ihn aus der Opferfalle herauszuholen, und sagte ihm auf den Kopf zu: „Wenn dein Vater nicht daran glaubt: Ich traue dir das zu! Ich unterstütze dich im Versuch und dann weißt du, ob es klappt, statt ein armer Träumer zu bleiben.“ Er flog in die USA, machte den Pilotenschein, anschließend die Lizenz in der Schweiz. Heute ist er Kapitän und Fluglehrer der A380. Immer wieder schreibt er mir: Danke für deinen Support. Heute bin ich leidenschaftlicher A380-Fluglehrer, weil du an mich geglaubt hast.

Wertschätzung birgt die Sprengkraft zur Veränderung

Mein Lebensmotto hat Früchte getragen: Wer anderen eine Blume sät, blüht selber auf. In der Businesssprache: Erfolgreich ist, wer andere erfolgreich macht. Beziehungs-Intelligenz macht erfolgreich, wirkungsstark, fruchtbar. Meine Beobachtung ist: Was den Narzissten (das wissen wir schon lange) und vielen Unternehmen, Institutionen, Krankenhäusern und Kirchen fehlt, ist oft diese Art der Intelligenz. Lebenswerte Arbeit funktioniert auf die Dauer nur, wenn der Mensch Mensch sein darf. Von daher ermutige ich zur gelebten Wertschätzung. Ein weiches Herz hat nichts mit einer weichen Birne zu tun, sondern mit einer gelebten Kultur der Wertschätzung mit Menschlichkeit, Herzblut und Empathie. Ich bin überzeugt: Wertschätzung verändert die Stimmung um Prüfungsexperten, Büroangestellte, Consultants, Polizisten, Politiker, Leitende, Frauen und Männer.

Georges Morand (61) ist Coach, Trainer, Speaker, Ehemann, Großvater und Autor von „Mach Dünger aus deinem Mist“. www.morandcoaching.ch


Wertschätzung ist …

  • eine positive Einstellung anderen gegenüber
  • das Verhalten anderer zunächst einmal positiv zu bewerten
  • Vertrauen entgegenbringen
  • fördern und herausfordern
  • investieren und Verantwortung einfordern
  • interpersonelle Fairness
  • als Mensch wahrgenommen und behandelt werden, nicht nur als Arbeitskraft

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift MOVO erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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