Sie haben mit Kleingruppen in der Gemeinde gar keine oder schlechte Erfahrungen gemacht? Suchen Sie sich einen Hauskreis  – es lohnt sich!

Von Christof Klenk

Im günstigsten Fall werden Sie von jemandem persönlich in dessen Gruppe eingeladen und merken sofort: Das passt! Dann sollten Sie sich nicht allzu viele Gedanken machen und einfach dort andocken. Wenn es schlecht läuft, kennen Sie niemanden, der einen Hauskreis besucht, oder Sie haben schon eini-ge Kreise besucht, sich aber nirgends wohl gefühlt. Manche Hauskreise sind aus unterschiedlichen Gründen auch gar nicht offen für Neue. Also, was tun? In kleineren Gemeinden ist die Hauskreisarbeit oft ein weiterer Arbeitszweig des Pastors. Meist hat er oder sie zumindest einen groben Überblick und kann weitere Ansprechper-sonen nennen. Vielleicht finden Sie die Adresse auf der Rückseite dieses Heftes.

Zuerst zum Hauskreiskoordinator

Foto: thinkstock

In größeren Gemeinden mit einer lebendigen Hauskreisarbeit gibt es fast immer einen ehrenamtlichen Mitarbeiter, der die Hauskreise koordiniert. Diese Hauskreiskoordinatoren sind eine gute erste Anlaufstelle, denn sie kennen die Hauskreise ihrer Gemeinde, wissen, wo gerade eher die Wohn-zimmer überquellen und wo nicht. Außerdem können sie etwas über das Profil einzelner Hauskreise sagen. Das ist manchmal wichtiger als die Alters- struktur, denn Hauskreis ist nicht gleich Hauskreis.

Es gibt klassische Bibelkreise, bei denen das Studium der Heiligen Schrift im Mittelpunkt steht. In anderen Kreisen sind Singen, Beten und der persönliche Austausch ebenbürtige Elemente. Manche Gruppen funktionieren ähnlich wie Glaubenskurse und vermitteln die Grundlagen des Christseins, andere konzentrieren sich auf die nächsten Schritte in der Nachfolge Jesu.

Dienstgruppen sind zum geistlichen Aufladen für Mitarbeiter eines bestimmten Gemeindebereiches gedacht. Hier werden neben geistlichen Fragen oft auch organisatorische erläutert. Manche sehen ihren Kreis als ein Refugium, in dem sie auftanken können, damit sie in ihren Gemeindeauf-gaben und im Beruf nicht ausbrennen. Andere sehen ihre Kleingruppe als Kreis von Leuten, mit dem sie aktiv werden wollen, zum Beispiel Gottesdienste vorbereiten, evangelistische Aktionen planen oder diakonische Einsätze angehen.

Männer, Frauen und Mainstream

So sorgen unterschiedliche Ziele dafür, dass sich die Schwerpunkte der Gruppen deutlich voneinander unterscheiden. Zudem spezialisieren sich viele Kreise – gewollt oder weil es sich so ergeben hat – auf bestimmte Zielgruppen. Es gibt Männer-, Frauen-, Paar- und Seniorenhauskreise und vieles mehr.

Wenn Sie auf der Suche nach einem neuen Kreis sind, dann beten Sie dafür, dass Gott Ihnen zeigt, was für Sie dran ist und wo Sie sich einbringen könnten. Es ist in jedem Fall hilfreich, wenn Sie wissen, was Sie genau suchen. Dann können Sie auch konkreter fragen.

Allerdings kann es Ihnen durchaus passieren, dass Sie einen Hauskreis­leiter mit der Frage nach dem Profil seiner Gruppe überfordern. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um einen klassischen Hauskreis handelt: Im klassischen Hauskreis ist die Mehrheit der Teilnehmer zwi­schen dreißig und fünfzig. Es gibt Ehe­paare und Singles. Der Abend beginnt mit einer mehr oder minder kurzen Ankomm­ und Aufwärmphase, dann spricht der Leiter ein Gebet. Danach widmet man sich einem Bibeltext oder Thema und am Ende wird der Abend mit einer Gebetsrunde nach vorheri­gem Austausch beschlossen.

Das ist das, was sich als Hauskreis­ Mainstream durchgesetzt hat. Die große Mehrheit der Kreise funktio­niert so, und am Ende ähneln sich vie­le Kleingruppen dann doch.

Lauter komische Menschen

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Doch wie finde ich aus einer Viel­zahl von Angeboten das Passende? Ums Ausprobieren werden Sie nicht herum­kommen. Das kann natürlich recht mühsam sein. An einem Hauskreis­ abend kann man vielleicht herausfin­den, dass es gar nicht passt. Aber dass es in allen Bereichen stimmt, wird man erst nach mehreren Besuchen wissen.

Wenn Sie nach dem ersten Abend den Eindruck haben, dass das Profil ungefähr passt und Sie sich dort willkommen fühlen, lautet deshalb mein Tipp: Springen Sie ins kalte Wasser. Letzten Endes gibt es in der Frage nach dem richtigen Hauskreis keine vollkommene Sicherheit, es sei denn, Sie bekommen einen absolut eindeutigen Hinweis von oben. Menschen verändern sich und Gruppen entwickeln eine Eigendynamik, die nur schwer vorauszusehen ist. Veränderung ist unumstößlich und wünschenswert, und nicht zuletzt tragen Sie – der/ die Neue – dazu bei!

Es lohnt sich

Leider werden manche nie fündig, weil sie nach dem perfekten Hauskreis suchen. Stattdessen finden sie Gruppen mit komischen, schwierigen und gebrochenen Leuten. Leider oder glücklicherweise gibt es keine anderen. Rick Warren, Pastor einer Gemeinde mit einer riesigen Hauskreisarbeit, hat einmal gesagt: „Wenn Sie keine komische Person in Ihrem Hauskreis entdecken, sind Sie es wahrscheinlich selbst.“

Am Ende kommt es nicht darauf an, dass zwischen allen beteiligten die Chemie stimmt, dass alle locker, witzig sind und gleichzeitig tiefgeistliche Gespräche führen können. Viel wichtiger ist die Bereitschaft, offen und ehrlich miteinander umzugehen, Leben zu teilen und sich dem Wort Gottes auszusetzen. Wenn Sie einen Hauskreis finden, der sich diese Werte auf die Fahnen geschrieben hat und sie auch praktiziert, sollten Sie nicht länger zögern und sich der Gruppe verbindlich anschließen. Es lohnt sich!


Auf Jesus.de haben wir eine Hauskreis-Ecke eingerichtet. Dort findet ihr noch mehr Infos und Materialtipps. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem empfehlen wir das HauskreisMagazin. Es erscheint im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Hauskreis ist eine gute Sache! Stimme mit dem Artikel überein.

    Allerdings erkennt man, wie auch in christlichen Kreisen der Zeitgeist seinen Raum gefunden hat, indem Hauskreisangebote nach einem Katalogverfahren ausgesucht werden. Dabei stellt sich für mich immer die Frage: Welche Motivation treibt mich zu einem Hauskreis? Im Endeffekt gelten die Motive unseres Handelns, egal in welcher Hinsicht vor Gott. Motive kommen meiner Meinung nach auch aus dem Herzen und offenbaren die Absichten der Menschen.

    Also welche Motivation steckt dahinter? Will jemand in einem Hauskreis um nur zu saugen? Oder will jemand zum Hauskreis um sich zu beweisen? Oder vielleicht sein Gewissen zu beruhigen, was für „Gott getan zu haben“? Fakt ist: Christ-sein ist Charakterschule! Wenn die Motivation dahinter darin besteht, einen angenehmen Ort zu finden, wo man sich nicht viel mit anderen Charakteren rumschlagen muss, dann kann man meiner Meinung nach zu Hause bleiben und sich Gedanken machen, warum man sich für Christus entschieden hat.

    Wenn man einen „perfekten Hauskreis“ bevorzugt, dann sollte man selbst der Beweggrund dafür sein, dass dieser zu einem perfekten wird. Sicherlich ist dies der Standard, doch leider gibt es auch viele „Leiter“ die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind und somit keinen auferbauenden, für vielen keinen „guten“ Hauskreis hervorbringen. In solchen Fällen kann man sich jedoch immer noch entscheiden ob man den Charakter aufweist Teil einer Änderung zu sein bzw. zu werden, oder sich zurück zieht und nach einem Neuen Ausschau hält. Letzteres ist unausweichlich wenn schlimmstenfalls keine Änderung möglich ist.

    Der Hauskreis bzw. die Gemeinde sollte biblisch gesehen uns in allen auf das Reich Gottes vorbereiten und darin erziehen. Dazu gehört der Charakter unausweichlich dazu! Das darf man nicht vergessen. Charakter wird geformt in schwierigen Situationen (meistens zwischenmenschlich, oder umstandsmäßig etc.) und gefördert in angenehmere Situationen (meistens Gabenbezogen, wo man nicht mit seinen „Inneren“ kämpfen muss). Beides gehört dazu und ist unausweichlich!
    Segenreiche Grüße
    Christo

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