Pfarrer Lucas Ludewig gestaltet Gottesdienste zu popkulturellen Themen. Auf dem Kirchentag erörtert er in einem Workshop, wie Luke Skywalker und Daenerys Targaryen zu Jesus und dem Kreuz passen. 

Von Nathanael Ullmann

„Game of Thrones“ und Kirche? Das zieht. Schon eine halbe Stunde vor Beginn ist der Trapezraum im Zentrum Gottesdienst überfüllt – kein Besucher passt mehr rein. Das zeigt: So falsch kann das Thema „Wie gestalte ich einen Gottesdienst zu ‚Game of Thrones’?“ auf dem Kirchentag nicht sein. Es trifft einen Nerv.

Der Gruppenleiter Pfarrer Lucas Ludewig ist für das Thema der geeignete Mann. Er zeichnete bereits für einen „Star Wars“-Gottesdienst verantwortlich. Nun möchte er anderen ein praktisches Grundgerüst für Populär-Gottesdienste an die Hand geben. „Man hat von der schönsten Paulusbotschaft nichts, wenn kein Mensch Lust hat, sie zu hören“, sagt er.

Bonhoeffer trifft Skywalker

Also braucht es Formate, die für die Besucher interessant sind. Und nach Meinung von Ludewig eignet sich die Popkultur dafür perfekt: „‚Star Wars‘ ist voller biblischer Anspielungen“, sagt der Pfarrer. Wenn Luke Skywalker in „Star Wars Episode 6“ sein Lichtschwert wegwirft, entscheidet er sich beispielsweise gegen die Gewalt. Dazu passe das Zitat aus dem Römerbrief (Römer 12,21): „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Parallelen wie diese gebe es überall in der Popkultur, eben auch bei „Game of Thrones“:

Viel gibt es nach Lucas Ludewig zu beachten, will man eine Serie oder einen Film auf einen Gottesdienst beziehen: Was genau soll das Thema sein? Zu welcher Jahreszeit kann er stattfinden? Soll er an einem besonderen Ort veranstaltet werden? Wird der Themengottesdienst mit der klassischen Liturgie verbunden oder nicht? Für letzteres hat sich Lucas Ludewig beim „Star Wars“-Gottesdienst entschieden. Er änderte die Liturgie minimal, suchte passende Lieder. „‚Von guten Mächten wunderbar geborgen‘ passt wunderbar zu ‚Star Wars'“, sagt er. Beim Segen wurde ein Satz in „Möge die Macht Gottes mit euch sei“  umgewandelt. Erklingt dann noch die „Star Wars“-Titelmelodie auf der Orgel, sei das „richtig irre“. Auch für einen fiktiven „Game of Thrones“-Gottesdienst finden die Teilnehmer schnell mögliche Themen: Das Flüchtlingsthema lässt sich mit dem Freien Volk verbinden, Tod und Auferstehung sind ein Thema der Serie, ebenso Fanatismus in Form des Hohen Spatzes.

Gewalt ist problematisch

In kleinen Gruppen erarbeiten die Teilnehmer dann weitere Ideen, wie der Gottesdienst mit Leben zu füllen ist. Ausgehend von den Göttern der Serie ließen sich beispielsweise die verschiedenen Gottesbilder der Bibel wie der Kämpfergott oder der Schöpfergott erklären. Das Thema „Hoffen auf den Erlöser“ passt wunderbar in einen Adventsgottesdienst. Und zum Themengebiet der falschen Prophetie passt das Lied „Such, wer da will, ein ander‘ Ziel“.

Eine Frage stellt sich allerdings für die Teilnehmer: Wie kann eine Kirche mit der Gewalt in „Game of Thrones“ umgehen? Für Leiter Ludewig steht die Brutalität der Serie nicht im Gegensatz zur Wirklichkeit: „So sieht die Welt nun mal aus“, ist er überzeugt. Allgemein müsse man aber mit Kritik rechnen, macht er deutlich. Auch beim „Star Wars“-Gottesdienst hat er das schon erlebt.  Dass er dem Kommerz unterstütze und dass er sich der Welt anbiedere wurde ihm vorgeworfen. Den Wert, die gute Botschaft auch Kirchenfernen nahe zu bringen, gewichtet er allerdings höher.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Das es viele Menschen gibt die sich wohl fühlen beim Anschauen von Gewalt und Pornographie, das ist bekannt. Wie aber kann ein christlicher(?) Theologe so einen Stoff, der überladen ist mit Gewalt und Sex, dass selbst eine doch auf niedriger Hemmschwelle fahrende Zeitschrift wie der Stern, von „drastischer Gewalt“ und heißem Sex spricht, der so „heiß“ ist, dass er selbst auf Pornoseiten große Beachtung findet – als Grundlage nehmen für einen „Gottesdienst“. Ich glaub, ich werde katholisch!

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