William Paul Young: Eva – Wie alles begann

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Die Geschichte beginnt auf einer Insel zwischen den Welten. Dort wird die 15-jährige Lilly, die gerade noch lebendig einer schrecklichen Tragödie entkommen ist, gesund gepflegt. Als sie zu sich kommt, kann sie sich nicht bewegen und weder sprechen, noch sich an irgendetwas aus ihrer Vergangenheit erinnern. Zwischendurch verfällt sie immer wieder in komaähnliche Zustände, in denen sie Zeugin der Schöpfungsgeschichte und des Sündenfalls wird. Während sie versucht, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und die Visionen zu verstehen, muss sie sich immer wieder entscheiden, wem sie vertrauen kann.

Auf den ersten Seiten erscheint das Zusammenspiel der verschiedenen Welten noch ein wenig verwirrend, doch man gewöhnt sich schnell daran und W. P. Young ist es wirklich gut gelungen, die verschiedenen Orte und Geschehnisse detailliert und glaubhaft zu beschreiben. Er nimmt den Leser mit allen Sinnen in die Klänge, Farben und Gerüche der Geschichte hinein. Besonders interessant war zum Beispiel auch der Einblick in die Gefühlswelt Adams und seine ganz alltäglichen Unterhaltungen mit Gott im Garten Eden. Der fantasievolle und bildhafte Sprachgebrauch ist wirklich eine große Stärke dieses Buches.

Allerdings hat dieses Buch wie auch schon Youngs erstes Buch „Die Hütte“ das Potenzial die Lager zu spalten. Zwar ist der Bericht der Schöpfungsgeschichte grob an die Bibel angelehnt, enthält aber auch viele frei erfundene Passagen. Betrachtet man die Länge der Bibelpassage und die Länge dieses Buches, ist es sicherlich zu erwarten, jedoch finden sich darunter auch einige widersprüchliche Ereignisse. Zum Beispiel ist im Buch Adam der erste, der sich von Gott abkehrt und das lange bevor Eva die Frucht sieht. Ebenso wird Adam alleine aus dem Garten verbannt und Eva folgt im später aus freien Stücken. Im Nachwort liefert Young eine mögliche Erklärung, denn er möchte Gefühle und Überzeugungen erforschen, mit denen wir uns einem bekannten Text nähern. So befindet sich beispielsweise auf dem Cover ein Apfel obwohl die Frucht im Buch eine Feige ist und sie in der Bibel nie benannt wird. Solche bewusst anders dargestellten Szenen gibt es einige. Ob das gefällt oder nicht, muss jeder selbst entscheiden.

Ich persönlich würde dieses Buch aufgrund des geringen Bezugs zum biblischen Text nicht unbedingt als christliches Buch weiterempfehlen. Zumindest sollte man nicht erwarten, dadurch die biblische Schöpfungsgeschichte besser zu verstehen. Als Fantasy Roman allerdings ist es ein wirklich gelungenes Werk. Zwar wurden meine Erwartungen an einen christlichen Roman enttäuscht, aber wenn ich darüber hinwegsehe, muss die literarische Leistung einfach gelobt werden.

Von Nadine Schliesky

Verlag: Allegria
ISBN: 978-3-79342-304-1
Seitenzahl: 368
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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