Vor zwei Jahren trat Willow-Creek-Gründer Bill Hybels nach Missbrauchvorwürfen zurück. Jetzt sind auch Vorwürfe gegen seinen Mentor öffentlich geworden.
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Gilbert Bilezikian (92), emeritierter Theologieprofessor, soll zwischen 1984 und 1988 ein Gemeindemitglied missbraucht haben. Der Ältestenrat der Willow-Gemeinde in Chicago hat dies in einer Stellungnahme bestätigt. Die betroffene Frau, Ann Lindberg, hatte ihre Vorwürfe am vergangenen Wochenende via Facebook öffentlich gemacht, da sie sich von der Gemeindeleitung nicht ernst genommen fühlte.

In der Stellungnahme der Gemeinde heißt es, man bedaure zutiefst, welcher Schmerz ihr [Lindberg] und ihrer Familie zugefügt worden sei. Die Gemeindeältesten bestätigen darin, dass sich Lindberg 2010 mit ihren Vorwürfen an die Gemeinde gewandt habe. Man sei damals zu der Überzeugung gekommen, dass sich Bilezikian tatsächlich unangemessen verhalten habe – darunter „Händchenhalten, Küsse, Umarmungen und unsittliche Berührungen“. Daraufhin sei er vom Gemeindedienst ausgeschlossen worden. Tatsächlich hatte Bilezikian kein offizielles Amt bei Willow Creek inne, trat jedoch an verschiedenen Stellen weiterhin, auch lehrend, in Erscheinung. „Dies war ein Fehler und es tut uns leid“, heißt es in der Stellungnahme.

„Unentschuldbares Verhalten“

Bilezikian selbst bestritt die Missbrauchsvorwürfe am Dienstagabend in einer Email an Religionnews. Er leitete der Redaktion außerdem eine Mail weiter, die er an den leitenden Pastor von Willow Creek Chicago, Steve Gillen, geschrieben habe. Dieser hatte die Angestellten der Gemeinde am Montag in einer Mail über die Anschuldigungen gegen Bilezikian in Kenntnis gesetzt und von „unentschuldbarem Verhalten“ gesprochen.

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Bilezikian wirft Gillen in seiner Mail vor, es sei nicht biblisch gewesen, die Vorwürfe ohne persönliche Rücksprache mit ihm öffentlich gemacht zu haben. Er, Bilezikian, sehe keine Beweise sondern lediglich eine „Aufzählung von Anschuldigungen, die den Angestellten der Gemeinde hinter seinem Rücken mitgeteilt worden seien, ohne ihn selbst dazu zu befragen.“ Die Gemeinde solle die Vorwürfe gegen ihn sorgfältig prüfen.

Der Mann hinter der Megachurch

Der Einfluss von Bilezikian auf Bill Hybels, dessen Lehrer an der „Trinity Evangelical Divinity School“ in Deerfield/Illinois er war, und auf die gesamte Willow-Bewegung ist laut „Christianity Today“ beträchtlich. Der Mann hinter der Megachurch betitelte das Newsportal im Jahr 2000 einen Artikel über ihn. Hybels selbst sagte im genannten Artikel über seinen früheren Lehrer: „Ohne ihn hätte es Willow Creek nicht gegeben.“ An der Gründung der Gemeinde in Chicago war Bilezikian unmittelbar beteiligt. (dw)

10 DIREKT-KOMMENTARE

    • Christliches Gegenmittel gegen Mißbrauch

      Mißbrauch steht für das absolute Gegenteil von Liebe. Im übrigen müssen wir uns leider von der Vorstellung verabschieden, daß wir (überzeugte) Christinnen und Christen grundsätzlich die Guten, und die Zweifler sowie Ungläubigen die Bösen sind. Ich bin davon überzeugt daß es sehr biblisch ist, daß in jedem Menschen auch ein Abgrund lauert und dieses Abgründige in unserem Wesen gewissermaßen eher in uns schaut als umgekehrt. Es gibt eine ganz einfache Lösung für die Überwindung der Mißbrauchsseuche inmitten der Gemeinde Jesu: Sei ständig mit Gott im Gespräch, lebe jeden Tag aus der Vergebung und bitte ihn immer um den Heiligen Geist. Die von Gott gemeinte Liebe, die Jesus auf Erden vorlebte, ist das einzige Medikament für uns alle, in ganz vielen Bereichen und aus zahlreichen Gründen Jesus durch Untaten nicht erneut ans Kreuz zu schlagen. Jesus hat sich in jedem Menschen gesehen, den wir nicht genug lieben, vielleicht (nur) verbale Gewalt antun oder dem in ganz schlimmer Weise Mißbrauch widerfährt. Selbstverständlich müssen Vorwürfe aufgeklärt werden und dazu muss man Beschuldigte anhören. Das gesamte Thema Mißbrauch ist wie ein Wandel auf einem Drahtseil über einem Abgrund:Denn alleine die durchaus immer mögliche Annahme, es gäbe auch zu Unrecht Beschuldigte, führt rasant zu der Interpretation von Verharmlosung oder Vertuschung. Am besten ist Mißbrauch und Co bei Gerichten anzusiedeln und so schwer es uns auch fällt: Solange ein Beschuldigter nicht schuldig gesprochen ist, darf man noch auf seine Unschuld hoffen. Im Übrigen gilt dieses Prinzip grundsätzlich: Ob ich eine Banane stehle, oder etwas ganz Schlimmes vielleicht getan hätte. Wie unwohl es mir selbst fällt, diesen letzten Satz zu schreiben, drückt die Vielschichtigkeit und Schwierigkeit des Themas aus. Was wir alle hoffentlich auch wissen: Sexueller Mißbrauch hat mit Sexualität nichts zu tun, es ist reine Gewalt.

  1. Händchenhalten, Küsse, Umarmungen und unsittliche Berührungen

    Warum hat die Frau das vor rund 40 Jahren zugelassen? Bis auf die angeblichen unsittlichen Berührungen ist doch das andere normal. Schaut doch mal den Kommunismus an. Und was hat das direkt mit Bill Hybels zu tun?

    Das sind leider die heute üblichen Veröffentlichungen, um Menschen zu diskriminieren und das Christentum allgemein zu schädigen.

    • Ich sehe hier einen (vermuteten) Tätef und ein Opfer. Da ist der christliche Hintergrund eher sekundär.

      • Die Leute sehen eher unsere Schatten

        Lieber „ein Mensch“. So einfach ist es nicht. Es geht nicht „“nur““ um ein Täter und um ein Opfer, sondern daß wir Jesusnachfolger im Durchschnitt nicht besser sind als alle anderen Menschen. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist, daß hierzulande die Katholische Kirche die größte Krise ihrer neueren Geschichte durchlebt – eben vorallem durch die jahrelang unter den Teppich gekehrten Missbrauchsfälle. Selbstverständlich ist Mißbrauch und Co (wohl schon immer) überall anzutreffen, wo Menschen in einer größeren Nähe sind (Familie, Firma, Sportverein usw). Das hilft uns als weltweite Christenheit aber leider überhaupt nichts. Generalisierung prägt leider unser aller Verhalten. Es nutzt nichts: Hätte die Urgemeinde, egal aus welchen Gründen, so ein schlechtes Image gehabt, wäre der Glauben nicht so weit ausgebreitet worden. Leider nimmt die allgemeine Öffentlichkeit, vorallem jene denen wir nicht grün sind, nicht unser Licht wahr, sondern verstärkt die Schatten. Dies hemmt aber, daß der Samen des Glaubens auf einen Boden fällt, auf dem er aufgeht. Deshalb ist das kein so einfaches Thema, schon gar keine Privatsache und diejenige, die diese Gewalt angetan wurde, verliert ihr Vertrauen nicht nur zu uns. Das Fatale an diesen Geschichten ist, daß Umarmungen und Küßchen als das menschlich Normalste der Welt noch mitdiskreditiert wird. Nicht von meinem Küßchen, sondern von jenen, die falsch ticken.

    • Nicht ihr ernst, oder? Sind Sie ein Troll? Warum hat die Frau das zugelassen? Das ist eine unverschämtheit ohne gleichen dem Opfer hier an Mitschuld andichten zu wollen. Schämen Sie sich. David B.

    • Hallo Joachim,

      ich vermute Du hast den Facebook-Post nicht gelesen den Ann Lindberg geschrieben hat (Link im Artikel oben). Der beantwortet Deine Frage (also die sachliche, die rhetorischen wirst Du dann sicher mit Bedauern zurück nehmen).

      Das „unangemessene Verhalten“ von Dr. Bilezikian wird im Artikel leider nur sehr oberflächlich beschriebenen und das eigentliche Problem von Ann Lindberg – die jahrelange Bagatellisierung, Vertuschungsversuche und das Hinhalten durch die Gemeindeleitung – werden im Artikel nur mit einem Nebensatz gestreift. (Auf Grund des Artikels war ich tatsächlich geneigt, einen ganz anderen Kommentar zu schreiben – zum Glück habe ich vorher die Quellen etwas genauer angesehen.)

      Ich bin nicht bei Facebook, deshalb kann ich Frau Lindberg nicht fragen, aber ich vermute mal, wenn die Gemeindeleitung sofort reagiert hätte, wenn Dr. Bilezikian Reue und Einsicht gezeigt hätte, dann wäre die ganze Sache längst verheilt – und zwar im Sinne von Vergebung und Verständnis. Aber leider … es zeigt sich mal wieder, daß es weniger die bösen Feinde, als die guten Christen selbst sind, die „das Christentum allgemein […] schädigen“.

      SIGH!
      Conrad

      P.S. Kommunismus????

  2. wozu erst nach so vielen Jahren.Was bewegt diese Frau HEUTE ?
    Verspricht sie sich vielleicht auch noch eine finanzielle Absicherung..?
    Sie muss sich schon fragen lassen,welche Beweggründe sich denn nun nach Jahren ergeben, Bill Hybels derart massiv zu belasten. Vielleicht hat sie sich damals nicht mal gewehrt ,und es sogar für sich selber weniger dramtisch empfunden, als sie es HEUTE erscheinen lässt. Es kann sein..es kann aber auch nicht sein. Am Ende ist Gott allein sein und unser Richter.

    • Lieber Herr Scheffler, es geht nicht um Bill Hybels, sondern um seinen Mentor und Lehrer, Gilbert Bilezikian. Die Frau hatte sivch bereits vor 10 Jahren an Willow genannt. Herzliche Grüße, das Redaktionsteam.

    • Ih stereotypes Wiederholen, dass Gott letztlich Richter ist, lässt mich über Ihre Rechtsauffassung nur mutmaßen: sollen wir die Gerichte abschaffen? Oder nur für Christen?
      Ihre Blauäugigkeit in Bezug auf die Sündenanfälligkeit von Christen ist schon enorm. Und der Frau geldgieriges Verhalten zu unterstellen ist ebenfalls unredlich. Prüfen Sie doch bitte Ihre Kommentare, bevor Sie sie abschicken.

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