Die Evangelische Landeskirche in Württemberg ist hinsichtlich der Frage, ob Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare angeboten werden sollten, tief gespalten. Wie erst jetzt bekannt wurde, haben 335 Pfarrerinnen und Pfarrer auf einer Unterschriftenliste erklärt, solche Segnungen nicht zu vollziehen.

Die Unterzeichner machten deutlich, dass sie „für eine vom Wort Gottes nicht gedeckte Segnung nicht zur Verfügung stehen“, teilte der Marbacher Dekan Ekkehard Graf mit. An einem Treffen der Segnungskritiker in Korntal bei Stuttgart hätten auffällig viele junge Theologen teilgenommen. Diese Nachwuchspfarrer wollten „nicht in einer Kirche der theologischen Beliebigkeit arbeiten“, hieß es. Mit der Unterschriftenaktion sollen Pfarrer Rückhalt bekommen, dass sie mit ihrem persönlichen „Nein“ zur Homo-Segnung nicht alleine auf weiter Flur stehen. Manche hätten anonym unterschrieben, die meisten jedoch mit ihrem echten Namen, so Graf gegenüber unserer Redaktion.

Tatsächlich ist die Liste der Segnungsgegner nicht ganz neu. „Wir haben damit bereits im Jahr 2017 angefangen und sie an die Synodalen geschickt“, so Graf. Die hätten jedoch „die Füße still gehalten“. Im März dieses Jahres hatte die württembergische Synode dann die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter Auflagen ermöglicht. Mit dem öffentlichen Hinweis auf die Liste habe man deshalb noch einmal „ein Zeichen setzen wollen“, erklärte Graf. Ein kirchenpolitisches Programm verfoltgen die Unterzeichner nach seinen Angaben nicht, man wolle „niemanden vereinnahmen und sich nicht vereinnahmen lassen.“ Auch die Kircheneinheit stelle man nicht in Frage. Aber bei der Segnung bleibe es bei einem klaren „Nein“.

Kirchenwahlen im Dezember

Der Kompromissbeschluss der württembergischen Synode sieht vor, dass Kirchengemeinden Segnungsgottesdienste für Lesben und Schwule anbieten dürfen, wenn drei Viertel des Kirchengemeinderats und drei Viertel der für die Gemeinde verantwortlichen Pfarrer sowie der Oberkirchenrat zustimmen. Maximal ein Viertel aller württembergischen Kirchengemeinden können sich diesem Modell anschließen. Sollten es mehr werden, muss die Synode erneut verhandeln. Der Kompromiss war nur zustande gekommen, weil ein Teil des theologisch konservativen Gesprächskreis Lebendige Gemeinde zugestimmt hatte.

Das Thema wird die Landeskirche auch in Zukunft beschäftigen, denn auch die Liberalen haben sich klar positioniert. Ihr Ziel ist eine kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare, wie es sie seit 2016 in der badischen Landeskirche gibt.

Bereits am 1. Dezember könnte sich zeigen, wie das „Kirchenvolk“ in dieser Frage denkt, denn dann finden in Württemberg Kirchenwahlen statt. Gewählt werden nicht nur die Kirchengemeinderäte, sondern auch die Mitglieder der Landessynode. Eine solche Direktwahl gibt es nur in der württembergischen Kirche.

Segnungs- oder Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare sind in allen Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit Ausnahme der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe erlaubt.

11 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Schade, dass der „Mut“ dann wohl doch nicht so weit geht, auch öffentlich mit seinem Namen dafür einzustehen. Und was die „theologische Beliebigkeit“ angeht: Da sollte man mal lieber bei den wirklich wichtigen theologischen Fragen über die Bücher gehen (zum Beispiel zu den Themen Kreuzestheologie, Sündenbegriff und Rechtfertigungslehre und gehaltvolle Verkündigung des Evangeliums), anstatt sich gegenseitig in moralischen Fragen den Rücken stärken zu wollen.

    • Der Kommentar ist ja wohl ein Witz – andere für fehlenden Mut kritisieren und selbst mit JM zeichnen.

      • Ach Herr Thomas, ich wusste gar nicht, dass man im Internet dazu gezwungen ist, mit seinem echten Namen zu unterschreiben, aber kann man natürlich machen. Für den nächsten Kommentar denke ich mir vielleicht einen Vornamen aus. Möglicherweise ist ja „Georg Thomas“ auch gar nicht Ihr wahrer Name? Kommt auch inhaltlich noch was bei Ihnen oder wars das schon?
        Herzlichste Grüsse,
        Immer noch JM oder Georgina, suchen Sie sich was aus

    • Glaube, Hoffnung und Liebe, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen

      Ich bin auch aus nachvollziehbaren Gründen der Auffassung, daß man nicht nur in ethischen, sondern auch in moralischen Fragen unterschiedlicher Meinung sein d a r f. Aber geht es bei Homosexualität um Moral ? Ich stelle mal einige bewusst dümmlich gehaltene Fragen. Dies hat den Grund, daß etwa Fragen kleiner Kinder meist nur im ersten Anschein dumm sind – sie können auch ganz grundlegend sein und man findet manchmal überhaupt keine wirklich erklärende Antwort:

      1) Wie unterscheidet sich eine evangelische kirchliche Trauung homosexueller Menschen von (nur) einer Segnung ?
      2) Nach Martin Luther ist die Ehe eine weltliche Angelegenheit. Warum graust es Pfarrer/innen dann vor Segnung/Trauung ?.
      3) Kann man einen Segen, der keine magische Handlung ist, überhaupt verbieten? Gott segnet und nicht ein Mensch.
      4) Ist Homosexualität ein Betriebsunfall von Gottes Schöpfung ?
      5) Darf der/die Homosexuelle keine Partnerschaft, sondern analog der Josefsehe nur eine Josefspartnerschaft leben ?
      6) Fühlen sich bei der Einführung der Menschenrechte für Homosexuelle Theologen genötigt, die Verbalinspiratiion anzuwenden; also bei einer moralischen Einzelfrage einzelne Bibelverse einem wortwörtlichen Verständnis zuzuführen ?
      7) (Gelebte) Homosexualität gibt es auch bei Tieren. Wenn das bei Menschen Sünde ist, sündigen dann auch die Tiere ?

      Sicherlich haben auch Pfarrerinnen und Pfarrer in einer Landeskirche, in der niemand das Denken und unterschiedliche Auffassungen verboten wird, das Recht auf eine eigene Meinung. Man kann auch nicht einen synodalen Beschluss, der unterschiedliche Werte und Normen tangiert, einfach für die gesamte kirchliche Praxis für allgemeinverbindlich erklären. Bei Liebe im Sinne von Agape und Gottes Liebe wiederspiegelnd hat aber auch bei einer Gesamtschau des Neuen Testamentes
      die Liebe immer einen absoluten Vorrang vor (sich wandelnden) Moralvorstellungen. Nach meiner bescheidenen Kenntnis als theologischer Laie spielen moralische bzw. legalistische Vorstellungen bei Jesus Christus überhaupt keine Rolle bzw. haben im NT kaum Raum. ‚Die Bergpredigt lehrt eine Ethik der Menschlichkeit und Liebe zu Gott und den Menschen. Da geht es wirklich um Leben und Tod. Schon in den 1970er Jahren sagte ein Katholischer Priester bei der Vortragsveranstaltung, die Kirche habe sich nicht damit zu beschäftigen, was in den Schlafzimmern der Gläubigen geschieht. Weder brach Entrüstung aus, noch wurde das dem Limburger Bischof gemeldet und vom Himmel fiel kein Feuer aufs Gemeindehaus.

      Die ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmeer, Rassismus und Antisemitismus, Sklaverei von Menschen durch Zuhälter, Gewalt vorallem an den Kindern durch sexuellen Mißbrauch auch im kirchlichen Bereich und andere Verwerfungen lassen mich fragen, ob wir – nicht nur die Pfarrer/innen der betroffenen Landeskirche – uns nicht zuerst den Balken aus unserem eigenen Auge ziehen müssen. Wenn ein Mann ein Mann küsst ist das für manche christliche Kreise ein Skandal, während das wirkliche Ärgernis eher darin besteht, daß wir als Christen mit unterschiedlichem Stallgeruch in Sachen Frömmigkeit nicht viel mehr Licht der Welt und Salz der Erde sind. Es soll ja homosexuelle Christinnen und Christen geben, die Zeugnis geben von einem persönlichen Verhältnis zu Gott. Ob die sich das nur einbilden ? Ein Gott der nicht als feuerspuckender Geist auf einem Berg wohnt, sondern ein unendliches Universum geschaffen hat, kann ich mir mit Vorurteilen nicht vorstellen.

      Ich wollte nicht polemisieren, sondern das Thema etwas zugespitzt formulieren.

      • Lieber Herr Hehner,

        wie schon oben erwähnt, hat die Württembergische Landeskirche und jede Kirche ganz andere, wesentlich wichtigere Themen, um die sie sich kümmern sollte. Sie sprechen die Punkte ja in Ihrem Text teilweise selber schon an: „ Kirche habe sich nicht damit zu beschäftigen, was in den Schlafzimmern der Gläubigen geschieht.“
        So ist es.
        Kirche sollte den Gekreuzigten und Auferstanden verkündigen und den Menschen das Evangelium als Weg zum Heil und Gottes Gnade und Zuwendung zu jedem (!) predigen. Der Weg zum ewigen Leben liegt allein im Glauben an diesen Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist, er liegt nicht in einer wie auch immer gearteten Sexualpraktik zwischen zwei Liebenden.
        Freundliche Grüsse,
        JM

  2. Irgendwie erstaunlich, dieses Theater wo doch einer Segnung so viele Steine in den Weg gelegt werden, dass sie nahezu unmöglich ist.
    Und wie viele Pfarrpersonen arbeiten überhaupt in Württemberg?

    • Es gibt inzwischen einige Gemeinden in Württemberg, die Segnungen anbieten („Initiative Regenbogen“). Die Gesamtzahl der Pfarrstellen in der württembergischen LK kennen wir leider nicht, aber es gibt rund 1.300 Kirchengemeinden. Viele Grüße, dein Jesus.de-Team

  3. Also ist Württemberg doch nicht ganz in den Liberalismus abgedriftet. Das macht Hoffnung! Der Widerstand gegen die Zeitgeist-Theologie wächst und die Kirchenwahl kommt bestimmt 🙂

  4. Die Ehe ist für Mann und Frau
    so hat Gott es vorgesehen
    Das Wort/Bibel ist da eindeutig und keine Kompromisse und so sehe ich das auch

  5. Michael wo ist da Sarkasmus? Ich finde es ebenfalls sehr schön dass es doch noch ein paar evangelische Pfarrer gibt die auch an den Gott der Bibel glauben.

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