Den biblischen Erzählungen nach haben die Babylonier im Jahr 586 v. Chr. Jerusalem erobert. Archäologen haben jetzt neue Hinweise gefunden, die das untermauern.

Von Nathanael Ullmann

Eine Ascheschicht am Zionsberg zeigt erneut, dass die biblische Geschichte rund um die babylonische Eroberung Jerusalems historisch stattgefunden hat. In ihr haben Archäologinnen und Archäologen Pfeilspitzen, Tonscherben, Lampen und sogar Schmuck entdeckt. Diese Mischung ist ausschlaggebend: Scherben allein hätten noch keine Belagerung bewiesen. Aber zusammen mit den skythischen Bronze- und Eisenpfeilen, die auch die Babylonier benutzten, ist die Ascheschicht ein starkes Indiz für eine Belagerung. Das teilt die University of North Carolina mit, die für die Ausgrabungen mitverantwortlich ist.

Keine Ofenreste

Auch die Lage des Fundorts unterstützt die These: „Wir wissen, wo die historische Befestigungslinie verlief, deshalb wissen wir, dass wir uns in der Stadt befinden“, zitiert die Pressemitteilung den verantwortlichen Professor für Geschichte Shimon Gibson. Die Asche allein könnte auch auf Ablagerungen aus Öfen oder verbrannten Müll hindeuten. Dagegen sprechen aber die gefunden Relikte: „Niemand wirft Goldschmuck weg und niemand hat Pfeilköpfe im Hausmüll“, sagt Gibson. Da die babylonische Belagerung die einzige Schlacht ist, die aus dieser Zeit in Jerusalem überliefert ist, gehen die Archäologinnen und Archäologen davon aus, Hinweise auf die Eroberung in den Jahren 587/586 v. Chr. gefunden zu haben.

Der gefundene Schmuck – eine gold-silberne Quaste oder ein Ohrring – zeige zudem, wie reich einige Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zur Zeit der Belagerung waren, heißt es weiter. Bisher sei nur ein einziges Mal ähnlicher Schmuck aus der Zeit in der Gegend gefunden worden – im Jahr 1979 in einem Grab außerhalb der Stadt.

Babylonischer König zerstörte Tempel

Die Belagerung wird in der Bibel im 2. Könige 25 überliefert. Monatelang soll König Nebukadnezar die Hauptstadt belagert haben, bis die Bewohnerinnen und Bewohner ausgehungert waren. Nebukadnezar ließ König Zedekia gefangen nehmen, tötete seine Söhne und blendete ihn selbst. Der Babylonierkönig ließ den Tempel, die Häuser der Stadt und die Stadtmauern zerstören und führte die Jüdinnen und Juden ins Exil. So erzählt es die Bibel. Die jüdische Bevölkerung gedenkt noch heute jährlich der Zerstörung des Tempels am „Tischa B’Av“. Zwei Mal wurde der Tempel den Überlieferungen nach dem Erdboden gleich gemacht: einmal von Nebukadnezar, ein weiteres Mal 70 n. Chr. von den Römern.

Pieter Gert van der Veen, Privatdozent am Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, stützt die Aussagen seiner Kollegen auf Nachfrage von Jesus.de. Diese Forschung sei eine „gute Sache.“ Entdeckungen wie diese seien allerdings nichts Unübliches. „Denn Spuren der babylonischen Zerstörung wurden an vielen Orten in Jerusalem nachgewiesen“, schreibt van der Veen. Er nennt Fundorte unter anderem in der Davidstadt, am Ophel und am Westhügel.

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