Es besteht kein Zweifel daran, dass das Gebet für jeden Christen zentral ist. Und doch kann das Gebetsleben zu einer langweiligen Routine werden. Die Gebete der Bibel eröffnen neue Horizonte für Betende.

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Von Dr. Michael Rohde

Beten und Bibellesen haben eins gemeinsam. Darüber wird viel gepredigt und gehört. Darüber wird viel geschrieben und gelesen. Und zwar deutlich mehr als gebetet wird, oder? Noch ein Magazin – noch eine Serie an Treffen in Kleingruppen über das Beten? Delegieren wir das Beten an Theologen oder an besonders Begabte, an Berufene in Gebetshäusern und eben Erna und Heinz – das sind „echte Beter“?

Gläubige brauchen die Erfrischung ihres Glaubenslebens! Kaum etwas inspiriert so sehr wie die Erinnerung an die eigenen Quellen und Erfahrungen vorhergehender Generationen. Die Gabe des Gebets ist ein besonderes Charisma, das wenige am Leib Christi haben, aber die Aufgabe zu beten ist ein Universalauftrag aller Christen – Kommunikation mit Gott ist so notwendig wie Ein- und Ausatmen des Menschen.

Bunter als freies Gebet

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Manche Frömmigkeit lebt davon, „frei“ zu beten – die Worte selbst zu formulieren. Wer gewohnt ist, „freie“ Gebete zu hören, bemerkt, dass jede Freiheit eine Struktur findet und die Beter wiederkehrende Formulierungen benutzen und sich – ganz freiwillig – wiederholen. Die Texte der Bibel sind immer noch vielfältiger, bunter und kreativer als jede „freie“ Gebetsleben.

Die Bibel ist eine Schatztruhe von Gebeten. Die Schatzsuche führt zuerst in die Welt der Psalmen, zu den Gebeten Israels, aber auch zu ganz anderen Texten. Exemplarisch spürt die Themenreihe „Beten mit Worten der Bibel“ solche Gebete auf.

  • Beten braucht Worte. Die Bibel schenkt dem Beter Worte. Der Beter darf darin wohnen und sich die Worte leihen. Er oder sie muss sich nicht wie bei Klimmzügen anstrengen, eigene Worte zu finden und auszusprechen, sondern kann sich bergen in den alten, gedichteten, gesungenen, gesprochenen Worten von Gebeten der Bibel.
  • Beten braucht keine Worte. Der Geist vertritt den Beter mit „unaussprechlichem Seufzen“ (Römer 8,26). Wie kann ein solches Gebet klingen? Wie kann der bloße bewusste Atem als Gebet eingeübt werden? Welche Gebetsübungen können Christen wiederentdecken und müssen sie nicht fernöstlichen Meditationspraktiken überlassen? Was können Christen lernen, indem sie bei christlichen Wüstenvätern und Mönchen in die Schule gehen? Zum Beten gehört das bewusste Hören auf Gott. Wer mit den Worten Samuels zu Gott sagt: „Rede, denn Dein Diener hört“, öffnet sich mit wenigen Worten für die Stimme Gottes (1. Sam 3,10).
  • Beten ist eine Haltung. Lob. Dank. Bitte. Fürbitte. Haltun-gen des Beters gegenüber Gott und auch gegenüber sich selbst und anderen. Das Dreifachgebot der Liebe – Gott, den Nächsten und sich selbst zu lieben – gilt auch für die Liebessprache des Betens: Gott in den Blick nehmen, sich selbst im Gebet wahrnehmen, den Nächsten mit seinen Bedürfnissen sehen. Beten ist dreidimensional, sonst wird es einseitig und einfältig. Wer mit Psalm 121 die Augen beim Beten öffnet, kann die persönlichen Herausforderungen (Berge) des Lebens sehen oder einem ängstlichen Beter angesichts seiner Fragen Mut und Segen zusprechen und den Gott im Munde führen, der Tag und Nacht hilft.
  • Beten ist weltumspannend. Wie bekommt das Beten Weite? Wie bleibt das eigene Beten nicht auf den privaten und persönlichen Horizont begrenzt? Wie kann der Gedankengang beim Beten zu einem Weg werden, vom Ärger über die Gottlosen zur Freude über die Güte Gottes (Psalm 36)? Wie wird die eigene Stimme des Betens zur Stimme der Entrechteten und Unterdrückten der ganzen Welt?
  • Beten darf einseitig sein. Beten muss nicht dogmatisch abgesichert und wohltemperiert sein. Beten darf radikale Leidenschaft in Worte fassen. So gewinnt Beten an Alltagsnähe und Farbe – und wird nicht zu einem allgemeinen Geplapper.
  • Beten kann Menschen segnen und Worte der Wahrheit über ihr Leben aussprechen. Auf prophetische Weise können Gebete zu Worten und Bildern für Menschen werden, durch die Gott in ihr Leben spricht. Wer segnend betet, der bittet nicht nur oder wünscht, er ruft Gott an, mehr noch: Gott wird grammatikalisches Subjekt beim Beten, Gott handelt im Gebet: „Der Herr behüte dich vor allem Übel“ (Ps 121) ist nicht dasselbe wie die Bitte „Herr, ich bitte dich, dass du diesen Menschen behütest!“ Beten wird zum direkten Zuspruch im Namen Gottes.
  • Beten ist eine Atemhilfe. Für ganz unterschiedliche Lebenssituationen und Menschen. Angesichts von Krankheit und Todesangst schenken Gebete der Bibel Bilder und Worte für Dunkelheit und Angst. Sogar ein Danklied eines genesenen Königs kann eine Hilfe sein, die Abgründe des Lebens anzusehen und auszuhalten (Jesaja 38, 9-18).

Diese Themenreihe kann nur ein Anfang sein, aber was heißt hier „nur“? Wagen wir einen erneuten Anfang, vielfältig zu beten – mit Worten der Bibel!

Dr. Michael Rohde ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Hannover-Walderseestraße und verantwortlich für die Disposition für die folgenden sieben Einheiten.


Jetzt die Themenreihe „Mit der Bibel beten“ einfach gratis mit Ihrer Kleingruppe ausprobieren. Hier können Sie die aktuelle HAUSKREISMAGAZIN-Ausgabe kostenlos testen.

 

 

 

 

 

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