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„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (Offb 21,6) lautet die Jahreslosung 2018. DRAN NEXT-Volontärin Lydia Rieß hat sich Gedanken über diesen Vers gemacht. Lydia ist studierte Theologin und hat ihren Master an der Theologischen Hochschule Ewersbach absolviert.

Als Kind nahm ich auf einer Freizeit an einem Geländespiel teil. Es war mitten im Hochsommer und das Spiel dauerte viel länger als geplant. Als ich mit meiner Gruppe nach einer bereits langen Tour mit vielen Stationen in einem Dorf ankam, wollten wir alle nicht mehr weiter. Die Luft war raus, die Motivation hatte sich verabschiedet, und die Freude an dem Spiel und dem möglichen Sieg waren längst vergangen. Wir waren müde und verschwitzt – und viel schlimmer noch: Uns war das Wasser ausgegangen. Das Gefühl von Durst breitete sich in meinem trockenen Mundraum aus.

Der Mitarbeiter, der mit unsere Gruppe unterwegs war, klingelte an einer Tür und bat um etwas zu Trinken. Eine Frau war so nett und gab uns einen Kasten Mineralwasser. Es war nicht sonderlich gekühlt, aber wir tranken es trotzdem in Rekordzeit aus. Ich weiß noch, wie erfrischt ich danach war. Wie unglaublich viel besser es mir danach ging. Und wir alle hatten plötzlich wieder Motivation, mit dem Geländespiel weiterzumachen.

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offb 21,6) So heißt es in der Jahreslosung für 2018. Hier geht es zwar nicht um Geländespiele und Mineralwasser, aber um Durst. Und zwar um einen, der sehr viel tiefer geht. Durst ist ein wundervolles Bild für unsere Sehnsucht nach Leben und Sinn. Denn bei Durst geht es nicht nur um etwas, das wir uns wünschen und ganz gerne hätten, sondern auch um etwas, das wir brauchen. Und wer kennt sie nicht, diese Sehnsucht nach einem Leben, das mehr ist, als nur einen Tag nach dem anderen hinter sich zu bringen? Diese Sehnsucht nach einem Leben, das Bedeutung hat, das Sinn macht, in dem es Gutes zu finden und zu entdecken gibt? Eine Sehnsucht, die tiefer geht als Wünschen und Hoffen, und die doch so schwer in Worte zu fassen ist?

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Spannend ist, wenn man sich anschaut, in welchem Zusammenhang der Vers steht. An dieser Stelle im Buch Offenbarung geht es nämlich um das Ende der Welt, wie wir sie kennen, und um die Erschaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Es geht hier also nicht nur um Leben, sondern um gutes und vollkommenes Leben. Um vollständige Erneuerung und das Ende alles Bösen und Schlechten. Um den letzten Tag am Ende aller Zeit, an dem die Macht der Sünde endgültig beseitigt und vernichtet wird. Den Tag, an dem Leid und Angst, Schmerz und Verlust, Konflikte und Probleme, Mühen und Scheitern für immer enden. Den Tag, an dem Gottes Licht und Gegenwart unverhüllt unter den Menschen wohnt und es nie wieder dunkel wird, vor allem nicht in unseren Herzen. Den Tag, an dem Geborgenheit, Wärme und Heilung die Luft ist, die wir atmen, und alle Lasten von uns abfallen, ohne dass sich je neue anhäufen. Und es ist auch der Tag, an dem unser Durst nach Leben und nach Sinn für immer gelöscht wird und wir nicht nur erfülltes, sondern auch ewiges Leben genießen dürfen. Weil wir direkt an dieser Quelle des lebendigen Wassers leben dürfen und jederzeit frei daraus schöpfen können.

Aber heißt das nun auch, dass wir dieses lebendige Wasser erst am Ende der Zeit erwarten dürfen? Müssen wir durstig bleiben, bis Gott alles neu macht? Ist dieses Leben doch nur ein Schimmern am Horizont, eine ferne Hoffnung, die sich erst irgendwann einmal erfüllt?

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Bereits im neuen Testament spricht Jesus vom Wasser des Lebens. Und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt. Denn ewiges Leben schenkt uns Jesus schon heute. Dieses Wasser des Lebens fließt in unser Leben hinein. Die Vollendung der Welt steht noch aus, die Sünde hat noch Einfluss auf die Welt und auch auf unser Leben. Wir kennen diesen Durst noch und erleben ihn immer wieder. Aber wie bei diesem Geländespiel bietet uns Gott auch heute schon immer wieder von diesem Wasser an, das uns erfrischt und uns die Kraft gibt weiterzugehen. Egal wie schwer der Weg gerade ist. Egal wie viel Mühe bereits hinter uns liegt. Wir dürfen mit unserem Durst immer wieder vor Gott treten und ihn um Wasser bitten.

In diesem Vers kommt uns Gott schon heute ganz nahe und verspricht seine Gegenwart und Zuwendung. Es ist das Versprechen eines guten Vaters, der die Sehnsucht und den Durst seiner Kinder kennt und ernstnimmt. Und so schenkt uns dieser Vers eine doppelte Hoffnung. Schon jetzt dürfen wir mit unserem Durst, unserer Lebenssehnsucht zu Gott kommen. Und erleben, wie er uns erfrischt und Kraft schenkt, um wieder aufzustehen und unser Leben sinnvoll und gut zu gestalten. Und schon jetzt dürfen wir das Ziel kennen, auf das wir uns zubewegen. Unser Leben endet in den Händen des Gottes, der uns liebt. In den Händen des Gottes, der uns annimmt, so wie wir zu ihm kommen.

Es endet mit abgewischten Tränen und mit beendetem Leid, es endet mit Heilung und Erneuerung. Wir dürfen schon jetzt wissen, dass unser Leben ein gutes Ziel hat, ganz egal wie viel Mist wir noch erleben – oder auch bauen – ganz egal wie oft wir noch hinfallen, ganz egal wie viel oder wenig wir in unserem Leben hier erreichen. Es endet mit lebendigem Wasser, das diesen Durst nach Leben, nach Erfüllung und Sinn endgültig löscht. Und das ist eine Hoffnung, mit der es sich gut in das neue Jahr gehen lässt.


Die Jahreslosung folgt zwar der Praxis der Herrnhuter, geht aber zurück auf den Kirchenkampf im Dritten Reich. Initiator war der württembergische Pfarrer und Liederdichter Otto Riethmüller (1889-1939), der Mitglied der Bekennenden Kirche war. Er wollte den NS-Schlagworten Bibelverse entgegenstellen. Deshalb begründete er 1930 die Tradition der Jahreslosungen. Die erste Jahreslosung 1930 war „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht“ (Römer 1,16).

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