Psalm 103
Mit meiner Seele will ich den Herrn loben und von ganzem Herzen will ich seinen heiligen Namen preisen. Mit meiner Seele will ich den Herrn loben und das Gute nicht vergessen, das er für mich tut. Er vergibt mir alle meine Sünden
und heilt alle meine Krankheiten.
Er kauft mich vom Tode frei und umgibt mich mit Liebe und Güte.
Er macht mein Leben reich
und erneuert täglich meine Kraft, dass ich wieder jung wie ein Adler werde. …
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und voll großer Gnade.
Er wird uns nicht für immer Vorwürfe machen
und nicht ewig zornig sein.
Er bestraft uns nicht für unsere Sünden
und behandelt uns nicht, wie wir es verdienen.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
so groß ist seine Gnade gegenüber denen, die ihn fürchten. So fern der Osten vom Westen ist,
hat er unsere Verfehlungen von uns entfernt.
Wie sich ein Vater über seine Kinder zärtlich erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.
Das Wort „Lob“ hat sich im christlichen Bereich schon so verselbstständigt, dass wir es in seiner Bedeutung kaum noch richtig wahrnehmen. Wir denken dabei vielleicht an Anbetungsgottesdienste, an Loblieder, die wir Gott zur Ehre singen, seltener aber an den eigentlichen Kern des Begriffes „Lob“.
Wenn wir jemanden loben, dann sagen wir, was wir an dieser Person gut finden. Wir loben ihr Wesen oder ihre Taten und werden dabei auch konkret. Gott loben heißt also, dass wir ihm sagen, was wir gut an ihm finden. Dieser Psalm fängt mit einem Aufruf des Psalmbeters an sich selbst an, den HERRN zu loben.
„Gott, das hast du toll gemacht“ ist also ein Lob, und zwar mehr, als wenn wir sagen „Lobe den Herrn“. Wenn wir unseren Arbeitskollegen loben wollen, sagen wir ja auch nicht „Lobe Herrn Meyer“. Es tut also gut, wenn wir bei diesem Begriff die fromme Begleitmusik zunächst einmal weglassen und uns auf das besinnen, was „loben“ denn wirklich heißt.
