Tag 209

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2. Könige 25

Seine Männer waren alle in die Flucht geschlagen worden. Sie nahmen den König gefangen und brachten ihn zum König von Babel nach Ribla, wo er verurteilt wurde.

Man ließ Zedekia mit ansehen, wie alle seine Söhne getötet wurden. Dann blendeten sie ihm die Augen, legten ihn in Ketten und führten ihn nach Babel. Am siebten Tag des fünften Monats – es war das 19. Jahr der Herrschaft Nebukadnezars, des Königs von Babel –, zog Nebusaradan, der Oberste der Leibwache und Vertraute des Königs von Babel, in Jerusalem ein. Er brannte das Haus des HERRN, den Königspalast und alle Häuser in Jerusalem nieder, zerstörte alle wichtigen Bauten der Stadt durch das Feuer und befahl dem chaldäischen Heer, das ihm unterstand, die Stadtmauer von Jerusalem ringsum niederzureißen. Danach führte Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, alle, die noch in der Stadt verblieben waren, ins Exil. Auch die Krieger, die zum König von Babel übergelaufen waren, wurden fortgebracht. Lediglich ein Teil der ärmsten Leute durfte bleiben, um die Weingärten und Felder zu bestellen.

Wenn es uns als Christen passieren würde, dass unsere Kirche oder unser Gemeindehaus zerstört würde, wäre das sicher ein schwerer Schock. Aber vermutlich würde uns das nicht umhauen, denn schließlich gibt es noch Kirchen zuhauf, in denen man sich versammeln kann – oder man baut einfach ein neues Gotteshaus.

Dass aber der Jerusalemer Tempel zerstört wurde, war für die Israeliten ein absolut unfassbares Geschehen. Das war so, als würde der Glaube selbst abgeschafft, denn der band sich in Israel nun einmal an den Tempel mit seinen Opfern. Wie sollte man jetzt noch mit Gott versöhnt werden? Und überhaupt: Wo war eigentlich Gott abgeblieben? Die Bundeslade wird nirgends erwähnt – vielleicht war sie auch verloren gegangen wie vorher das Gesetz. Aber auch Gott selbst hat sich verabschiedet. Wie anders ist die Zerstörung seiner Stadt Jerusalem mit ihrem Tempel zu erklären?

Das Tragische aber ist: Zum Zeitpunkt der Belagerung und Zerstörung hatte kaum jemand solche Gedanken! Alles war so hemmungslos der Dekadenz verfallen, dass der Tempel nur noch ein Relikt eines vorzeitlichen Glaubens war. Nachdem Israel zunächst im Inneren seinen Herrn verleugnet hatte, wird es nun vollständig seiner Identität beraubt. Das Land wurde von den Babyloniern eingenommen, die Bevölkerung zu einem Gutteil ins Exil verschleppt, der Tempel zerstört, die Kultgegenstände mitgenommen und die Hauptstadt vernichtet. Alles aus!

Wir wissen, dass die Geschichte weiterging; der Schreiber der Königebücher im Übrigen auch. Aber damals hätte niemand mehr einen Pfifferling für Israel gegeben.