Tag 115

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1. Samuel19inAuszügen

Saulließ das Haus Davids durch seine Männer bewachen. Sie hatten Befehl, David am nächsten Morgen zu töten. Doch seine Frau Michal warnte ihn: „Wenn du nicht heute Nacht noch fortgehst, wirst du morgen früh tot sein.“ Sie half ihm, durch ein Fenster hinunterzuklettern, und er entkam. Dann nahm sie einen Götzen, legte ihn in Davids Bett, deckte ihn mit Decken zu und legte ein Geflecht aus Ziegenfell auf seinen Kopf. Als Saul seine Männer sandte, um David gefangen zu nehmen, sagte sie zu ihnen: „Er ist krank.“ „Dann bringt ihn samt Bett zu mir“, befahl Saul seinen Männern, „damit ich ihn töten kann!“ Doch als sie ankamen, fanden sie im Bett nur einen Götzen mit einem Geflecht aus Ziegenfell auf dem Kopf. „Warum hast du mich getäuscht und meinen Feind entkommen lassen?“, wollte Saul von Michal wissen. „Ich musste es tun“, antwortete Michal. „Er hat gedroht mich zu töten, wenn ich ihn nicht gehen lasse.“ Auf diese Weise entkam David. Er ging nach Rama zu Samuel und erzählte ihm alles, was Saul ihm angetan hatte. … „Sie sind in Najot in Rama“, antwortete man ihm. Doch auf dem Weg nach Najot in Rama kam der Geist Gottes über Saul, und auch er begann prophetisch zu reden, bis er in Najot in Rama ankam. Dort zog auch er seine Kleider aus und weissagte vor Samuel, bis er schließlich hinfiel und den ganzen Tag und die ganze Nacht auf dem Boden liegen blieb. Daher kommt das Sprichwort: „Gehört Saul auch zu den Propheten?“

Bei Saul brechen nun alle Dämme. Seinen Sohn stachelt er an, um David zu töten – vergeblich. Er versucht es selbst mit dem Speer – auch umsonst. Dann lässt er seine Schergen einen nächtlichen Überfall begehen. Nun zeigt sich Davids Frau als ausgesprochen patent und hilft ihm zunächst, das Weite zu suchen. Dann setzt sie einer Götzenfigur eine Perücke auf und macht den Verfolgern weis, dies sei der kranke David. Die Szene mit dem fortgeschleppten Bett und der Enttarnung des Götzen wirkt fast wie ein Bauernschwank. Völlig grotesk wird es, als dann Saul auf der Verfolgungsjagd plötzlich vom Geist Gottes ergriffen wird, unverständliche Worte redet, sich entblättert und dann noch 24 Stunden Erschöpfungsschlaf dranhängt.

Das hätte jeder Komödie zum Höhepunkt gereicht. Manchmal haben wir aber so viel Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, dass wir die eigentliche Befremdlichkeit und Komik mancher biblischer Ereignisse nicht mehr wahrnehmen.

Wer gegen Gott kämpft ist wie einer, der sich in einem Wollknäuel verheddert. Man versucht herauszukommen, verstrickt sich aber immer tiefer. Und je konsequenter man sich selbst zu befreien versucht, desto kurioser sieht es für den Beobachter aus.