Tag 116

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1. Samuel 20 in Auszügen

Dann fragte David: „Wie kann ich erfahren, ob dein Vater zornig geworden ist?“ „Komm mit mir aufs Feld hinaus“, antwortete Jonatan. Und sie gingen zusammen hinaus. Dann sagte Jonatan zu David: „Ich verspreche beim HERRN, dem Gott Israels, dass ich morgen oder übermorgen um diese Zeit mit meinem Vater sprechen werde, um herauszufinden, was er über dich denkt. Wenn er wohlwollend über dich spricht und ich es dich nicht wissen lasse, dann soll der HERR mich dafür bestrafen. Wenn er jedoch zornig ist und dich tot sehen will, dann will ich dich warnen, damit du dich in Sicherheit bringen kannst. Der HERR sei mit dir, wie er mit meinem Vater gewesen ist. Und begegne mir, solange ich lebe, mit der treuen Liebe des HERRN, damit ich nicht sterbe. Und halte auch meiner Familie diese Treue, selbst wenn der HERR alle deine Feinde vernichtet.“ So schloss Jonatan einen Bund mit David und sagte: „Der HERR soll alle deine Feinde vernichten!“ Und Jonatan ließ auch David bei seiner Liebe zu ihm schwören, denn Jonatan liebte David wie sein eigenes Leben.

Man kann nicht zwei Herren dienen, so auch nicht Jonatan. Darum muss er wählen. Das tut er dann: Er entscheidet sich für seinen Freund. Ja, er belügt sogar seinen wild gewordenen Vater. Genau genommen widersetzt er sich sogar mit einer intriganten List dem Willen des Königs.

Brechen wir das auf unseren Alltag hinunter und sehen mal von der geistlichen Perspektive ab: Es muss schon sehr dicke kommen, wenn wir Menschen dafür Verständnis haben, dass jemand sich gegen seine Eltern wendet. Man kann diese Geschichte nach menschlicher Art auch durchaus anders interpretieren und aus David den bösen Schwiegersohn machen, der Unfrieden stiftet, das Volk subtil gegen den König aufwiegelt, den König täuscht und so fort. Schwere Familienstreitigkeiten nähren sich oft von einer Umdeutung der eigentlichen Geschehnisse. Wenn wir im Umfeld des Königshofs gelebt hätten, wäre es doch sehr auf unseren Informanten angekommen, wie wir dann zu der Angelegenheit gestanden hätten.

Jonatan aber erkennt in David den Gesandten des HERRN. Das ist der eigentliche Unterschied. Wenn wir in einer realen Situation schwierige Familienverhältnisse im Blick haben, hilft es uns, wenn wir betend Gott fragen, welche Sichtweise er von den Dingen hat.