1. Samuel 25
In der Zwischenzeit ging einer von Nabals Knechten zu Abigajil und berichtete ihr: „David hat Boten aus der Wüste geschickt, die unseren Herrn grüßen sollten, aber er hat sie beschimpft. Überleg doch, was du tun kannst, denn unser Herr und sein ganzes Haus stürzen sonst ins Unglück. Er ist so übellaunig, dass niemand mit ihm reden kann.“ Abigajil verlor keine Zeit. Schnell nahm sie 200 Brote, zwei Schläuche Wein, fünf zubereitete Schafe, etwa fünf Sea geröstetes Korn, 100 Rosinenkuchen und 200 Feigenkuchen. Sie lud alles auf einige Esel und sagte zu ihren Knechten: „Geht schon voraus. Ich komme euch gleich nach.“ Aber ihrem Mann Nabal sagte sie nicht, was sie vorhatte.
Als Abigajil David sah, stieg sie rasch von ihrem Esel und verbeugte sich tief vor ihm. Sie warf sich ihm zu Füßen und sagte: „Mich trifft alle Schuld in dieser Sache, mein Herr. Bitte lass mich mit dir reden und hör dir an, was ich zu sagen habe. Beachte doch Nabal, diesen bösartigen Menschen, nicht. Er ist ein Narr, wie schon sein Name sagt. Ich aber habe deine Boten, die du geschickt hast, nie zu Gesicht bekommen. Nun, mein Herr, so wahr der HERR lebt und du selbst auch, der HERR hat dich vom Mord abgehalten und dich daran gehindert, dich selbst zu rächen. So sollen alle deine Feinde und alle, die dir schaden wollen, bestraft werden wie Nabal. Hier ist ein Geschenk, das ich dir, mein Herr, mitgebracht habe, verteile es unter deinen Leuten.“ David antwortete Abigajil: „Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels, der dich heute zu mir gesandt hat! Gepriesen sei deine Klugheit! Gesegnet sollst du sein, weil du mich daran gehindert hast, Blut zu vergießen und mich selbst zu rächen.“ Und er nahm ihre Geschenke an und sagte zu ihr: „Kehre in Frieden nach Hause zurück. Ich habe gehört, was du gesagt hast und werde deine Bitte erfüllen.“
Als Abigajil zu Nabal zurückkam, feierte er gerade in seinem Haus ein großes Festmahl, das dem eines Königs entsprach. Er war bester Laune, aber völlig betrunken, deshalb erzählte sie ihm bis zum nächsten Morgen nichts von ihrer Begegnung mit David. Am anderen Morgen, als er wieder nüchtern war, erzählte sie ihm, was geschehen war. Daraufhin erlitt er einen Schlag und wurde völlig gelähmt. Etwa zehn Tage später ließ der HERR ihn sterben.
Kommen wir zu einem der übelgelauntesten Typen der ganzen Bibel. Den reichen Nabal qualifiziert nichts zum Sympathieträger. Ein Ersuchen nach Gastfreundschaft so verächtlich auszuschlagen, ist im Orient nicht bloß ein Fauxpas, sondern ein ehrverletzender Tritt in die Zwölf. Hat David bei Saul noch gezaudert, wollte er hier nun weniger Federlesens machen; die Situation drohte zu eskalieren.
Glücklicherweise hatte Nabal tüchtige Knechte und eine taffe Ehefrau – Abigajil. Diese greift zu einer interessanten Strategie: Sie stellt ihren Mann als reif für die Klapse dar und nimmt alle Schuld auf sich. Zudem hat sie noch einen üppigen Proviantkorb mit. Das ist nicht ungeschickt und stimmt David versöhnlich.
Zurückgekehrt zu ihrem Mann (interessant, dass die Bibel auch noch extra erzählt, Nabal habe ein prächtiges Gelage gehalten und sei sternhagelvoll gewesen), kann sie ihm dann von diesem Ereignis berichten. Das war dann für den Mann zu viel und gab ihm den Rest. Abigajil wurde dann Davids Frau. Klingt wieder einmal ein wenig nach Hollywood – war aber auch eine Frage des Erbarmens und der Versorgung der Abigajil.
Auch uns sind Menschen, über die wir selbst bei wohlwollender Einstellung nichts Gutes sagen können, oft näher, als uns lieb ist. Diese Geschichte zeigt, dass man, wenn ein solches Ekelpaket die Szenerie beherrscht, gleichzeitig couragiert auftreten und das Richten dem Herrn überlassen kann.
Notiz am Rande: Saul hatte übrigens seine Tochter, Davids tapfere Frau Michal (die mit der Götzenfigur im Bett), inzwischen anderweitig unter die Haube gebracht.
