Tag 118

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1. Samuel 24

Dann rief er Saul zu: „Warum hörst du auf Leute, die sagen, David wolle dir schaden? Heute kannst du mit eigenen Augen sehen, dass es nicht wahr ist. Denn der HERR hatte dich hinten in der Höhle in meine Hand gegeben, und ein paar meiner Männer verlangten von mir, dass ich dich töte. Doch ich habe dich verschont. Ich habe gesagt: ,Niemals werde ich ihm, meinem Herrn, etwas antun, denn er ist der Gesalbte des HERRN.‘ Sieh, mein Vater, was ich in der Hand halte. Es ist ein Zipfel deines Gewandes! Ich habe es abgeschnitten, aber ich habe dich nicht getötet. Das zeigt, dass ich dir nicht schaden will und dass ich nicht an dir schuldig geworden bin. Aber du jagst mich und willst mich töten. Der HERR wird zwischen uns entscheiden. Er wird dich für das strafen, was du mir anzutun versuchst, aber ich werde dir niemals Schaden zufügen. Wie es ein altes Sprichwort sagt: ,Böse Menschen begehen böse Taten.‘ Ich werde dir nichts antun. Wem jagt der König von Israel überhaupt nach? Einem toten Hund, einem einzelnen Floh! Der HERR soll darüber richten, wer von uns Recht hat. Er soll mein Fürsprecher sein und mir zu meinem Recht verhelfen!“

Als David geendet hatte, rief Saul: „Bist du es wirklich, mein Sohn David?“ Und er begann zu weinen. Dann sagte er zu David: „Du bist gerechter als ich, denn du hast mir Böses mit Gutem vergolten. Ja, du hast mir heute bewiesen, wie gut du mit mir umgehst. Der HERR hat mich dir ausgeliefert und du hättest mich töten können, aber du hast es nicht getan. Wer würde schon seinen Feind entkommen lassen, wenn er ihn in seiner Gewalt hat? Was du heute für mich getan hast, dafür soll der HERR dich belohnen. Ich weiß genau, dass du König werden wirst, und deine Herrschaft über Israel wird Bestand haben. Schwöre mir beim HERRN, dass du meine Nachkommen nicht töten und mein Geschlecht nicht auslöschen wirst!“ David schwor es und Saul kehrte nach Hause zurück. David und seine Männer dagegen zogen wieder in die Berge hinauf.

„Entdecke die Möglichkeiten“, so lautet der Slogan eines großen skandinavischen Möbelhauses. Ein ähnliches Motto scheinen sich die Freunde Davids zu Herzen genommen zu haben. Stärker noch: „Gott liefert dir Saul auf dem Silbertablett!“ Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, unter die ganze unersprießliche Angelegenheit einen Schlussstrich zu ziehen. Es ist ja fast Sünde, die Situation jetzt nicht auszunutzen.

„Verzichte auf deine Möglichkeiten“ – das scheint wiederum David hier wahrzunehmen. Dass die Gelegenheit günstig war, hat ihn sicher auch nicht unversucht gelassen. Aber obwohl der HERR diese scheinbar einmalige Chance heraufbeschworen hat, soll sie nach Davids Willen nicht dazu führen, dass dem HERRN dadurch geschadet wird, dass er dessen Gesalbten aus dem Leben befördert.

David nutzt aber die Situation wenigstens dazu, Saul deutlich zu machen, dass der HERR ihn erstens in seine Hand gegeben hat und dass er zweitens Frieden will und der HERR Richter sein soll. Das wiederum rührt Saul zu Tränen. (Lange hielt das aber nicht vor!) Nicht jedes Sonderangebot ist wirklich eine gute Wahl. Und manche Lebenssituation, die nach Gottes wunderbarer Fügung aussieht, muss anders angegangen werden, als sich vordergründig aufdrängt: „Entdecke Gottes Möglichkeiten.“

Wenig später bekommt David erneut eine ganz ähnliche Möglichkeit, Saul umzubringen. Auch hier lässt er ihn am Leben, klaut ihm nur pikanterweise den Speer – mit dem Saul ihn ja schon mal hatte umbringen wollen (1. Samuel 26).