Tag 120

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1. Samuel 28

Da verkleidete Saul sich, zog andere Kleider an und machte sich in Begleitung zweier seiner Männer auf den Weg. Als sie nachts bei der Frau ankamen, sagte er zu ihr: „Ich möchte, dass du mir durch den Geist eines Toten die Zukunft voraussagst. Hol mir den aus dem Totenreich herauf, den ich dir nennen werde.“ „Willst du, dass ich getötet werde?“, fragte die Frau. „Du weißt doch, dass Saul alle Totenbeschwörer und Wahrsager aus dem Land vertrieben hat. Warum stellst du mir eine Falle?“ Aber Saul schwor einen Eid im Namen des HERRN und versprach: „So wahr der HERR lebt, dir wird nichts geschehen, wenn du das tust.“ Schließlich meinte die Frau: „Gut, wessen Geist soll ich für dich rufen?“ „Rufe Samuel“, antwortete Saul. Als die Frau Samuel sah, schrie sie: „Warum hast du mich getäuscht? Du bist ja Saul!“ „Hab keine Angst!“, sagte der König zu ihr. „Was siehst du?“
„Ich sehe einen Geist aus der Erde heraufsteigen“, sagte sie.

„Wie sieht er aus?“, fragte Saul. „Es ist ein alter Mann. Er ist in einen Mantel gehüllt“, antwortete sie. Saul erkannte, dass es Samuel war, und warf sich vor ihm zu Boden. „Warum hast du mich gestört und mich zurückrufen lassen?“, fragte Samuel. „Weil ich in großer Not bin“, antwortete Saul. „Die Philister führen Krieg gegen mich, und Gott hat mich verlassen und antwortet mir weder durch die Propheten noch durch Träume. Deshalb habe ich dich rufen lassen, damit du mir sagst, was ich tun soll.“ Aber Samuel antwortete: „Warum fragst du mich, wenn der HERR dich verlassen hat und dein Feind geworden ist? Der HERR hat getan, was er durch mich vorausgesagt hat. Er hat dir das Königtum genommen und es einem anderen, nämlich David, gegeben. Du hast der Stimme des HERRN nicht gehorcht, als er dich anwies, seinen Zorn an den Amalekitern zu vollstrecken, deshalb handelt der HERR jetzt so. Der HERR wird dich und Israel den Philistern ausliefern, und morgen schon werden du und deine Söhne hier bei mir sein. Der HERR wird zulassen, dass das ganze Heer Israels von den Philistern besiegt wird.“ Saul fiel der Länge nach zu Boden, gelähmt vor Entsetzen über Samuels Worte.

Dies ist die Passage, bei der die Bibel am tiefsten in den Okkultismus einsteigt. Klar: Im Gesetz wird vor Wahrsagerei und ähnlichem Hokuspokus eindringlich gewarnt. Doch von Nahaufnahmen liest man in der Bibel nicht viel. Diese Geschichte ist also eine Ausnahme.

Wieder einmal stehen die Philister vor der Tür, um den Israeliten das Leben sauer zu machen. Saul, der ja nun schon eine ganze Weile vollmachtslos und desorientiert agiert, meint nun, als letzten Ausweg eine Totenbeschwörerin aufsuchen zu müssen. Das ist so ziemlich das Abwegigste, was man mit einem „Gesalbten Gottes“ in Verbindung bringen würde. Und überraschenderweise schafft es die Dame bei ihrer spiritistischen Séance, den unlängst verstorbenen Samuel um ein Wort zur Lage der Nation zu bitten. Was dieser dann allerdings sagt, ist eine glatte Katastrophe: Er kündigt die Vernichtung an.

Wie ist es zu erklären, dass bei dieser Spökenkiekerei Samuel aus dem Jenseits auftaucht? Lassen wir mal alle Erwägungen (seien sie rationalistisch oder parapsychologisch) außer Acht, ob hier Samuel, dessen Geist, eine Halluzination, ein Dämon oder eine raffinierte Täuschung der Totenbeschwörerin zum Zuge kam. Fest steht: Saul sucht bei bösen Mächten Hilfe, aber auch hier wird er Gott nicht los. Gott kann uns auch inmitten der Finsternis begegnen, die wir selber aufsuchen. Allerdings können wir nicht davon ausgehen, dass er dann immer gute Nachrichten für uns hat.