Tag 136

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1. Könige 11

Ein weiterer Aufrührer gegen den König war Jerobeam, der Sohn von Nebat, einer von Salomos eigenen Leuten. Eines Tages, als Jerobeam Jerusalem verließ, begegnete ihm auf der Straße der Prophet Ahija aus Silo, der einen neuen Mantel trug. Die beiden waren allein auf dem Feld und Ahija nahm den neuen Mantel, den er trug, und riss ihn in zwölf Stücke. Dann sagte er zu Jerobeam: „Nimm zehn von diesen Stücken, denn so spricht der HERR, der Gott Israels: ,Ich entreiße Salomo das Reich und gebe dir zehn Stämme! Einen Stamm werde ich ihm lassen, meinem Diener David und der Stadt Jerusalem zuliebe, die ich aus allen Stämmen Israels auserwählt habe. Denn sie haben mich verlassen und Astarte, die Göttin der Sidonier, Kemosch, den Gott der Moabiter, und Milkom, den Gott der Ammoniter, angebetet. Sie haben meine Wege verlassen und nicht länger nach meinem Willen gehandelt, meinen Gesetzen nicht gehorcht und meine Vorschriften nicht befolgt, wie Salomos Vater David es getan hat.‘“ … Salomo versuchte nun, Jerobeam umzubringen, doch dieser floh nach Ägypten zu König Schischak von Ägypten und blieb dort, bis Salomo starb.

Propheten hatten damals seltsame Methoden, um ihrer Sache bzw. der Sache Gottes Nachdruck zu verleihen. Hin und wieder griffen sie zu relativ drastischen Gegenstandslektionen, um ihre Botschaft an den Mann zu bringen. In vielen Fällen wird uns berichtet, dass Gott selbst dazu die Anweisung gegeben hat. Manchmal wirken diese Demonstrationen surreal und befremdlich. So auch hier. Man stelle sich mal vor, heute würde jemand kommen und auf freiem Feld seine frisch gekaufte Garderobe zerreißen. Keine Frage: Er wäre ein Fall für die Klinik. Doch im Alten Testament gibt es solche Sonderlichkeiten – und das auch noch in göttlicher Mission!

Natürlich steckt immer etwas dahinter: Da wird dem Jerobeam – eigentlich ein Hoffnungsträger Salomos – offenbart, dass das Großreich Salomos gespalten werden wird; mehr noch: dass Jerobeam den Löwenanteil von zehn Stämmen bekommen wird, während Salomo – quasi als Reminiszenz an seinen Vater David – nur ein einziger Stamm verbleibt. Die Bibel beschreibt nicht, dass Jerobeam nun verwundert gewesen wäre, noch dass er überhaupt eine Reaktion gezeigt hätte. Es wird nur – etwas unvermittelt – davon berichtet, dass Salomo versuchte, Jerobeam umzubringen. Dieser konnte jedoch ins Exil nach Ägypten flüchten.

Man fragt sich, warum Salomo zu solchen Handlungsweisen Zuflucht nehmen musste: Entweder er glaubt der Prophetie, dann ist sie von Gott und er kann ohnehin nichts verhindern. Oder er glaubt ihr nicht – und dann besteht gar kein Handlungsbedarf. Aber wenn man sich einmal wie Salomo auf einer Abwärtsschiene befindet, ist man für solche Argumente meist nicht mehr zugänglich.