Psalm 84
Wie herrlich sind deine Wohnungen, allmächtiger Herr.
Ich sehne mich, ja ich vergehe vor Sehnsucht,
die Vorhöfe des Herrn zu betreten,
wo ich den lebendigen Gott mit
frohem Herzen anbeten will.
Selbst ein Vogel findet dort ein Heim,
und die Schwalben bauen ihr Nest
und ziehen ihre Jungen auf, nahe bei deinen Altären, allmächtiger Herr, mein Gott und König!
Wie glücklich sind die, die in deinem Hause wohnen dürfen, sie werden dich jederzeit loben.
Zwischenspiel Glücklich sind die Menschen, die in dir ihre Stärke finden und von Herzen dir nachfolgen.
Wenn sie das Tal der Tränen durchqueren,
wird es ihnen zu einem Ort erfrischender Quellen und der Frühregen bedeckt es mit Segen.
So bekommen sie immer wieder neue Kraft
und erscheinen in Jerusalem vor Gott. …
Herr, ein einziger Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend!
Lieber möchte ich Torhüter im Haus meines Gottes sein, als in den Häusern der Bösen zu wohnen.
Denn Gott, der Herr, ist für uns Sonne und Schutz.
Wir lesen diesen Psalm gerne als Lied auf die Wohnung Gottes, die für uns im Himmel vorbereitet ist. Ursprünglich war dieses Lied aber wohl ein Freudenlied der Pilger auf dem Weg zum Tempel. Wenn wir aus der modernen westlichen Tradition kommen, ist es uns fremd, wie man sich auf ein Gebäude so freuen, es so hochleben lassen kann wie die Israeliten. Aber wir haben ja bereits bei früheren Ereignissen in der Bibel gesehen, dass es gar nicht in erster Linie um das Gebäude geht.
Gott hat sich einen „Wohnort“ ausgesucht, zunächst das Zelt in der Wüste und jetzt den Tempel in Jerusalem. Gott hat diesen Ort als Begegnungszentrum bestimmt. Hier will er sich mit den Menschen treffen – ein sichtbarer Anlaufpunkt für das Volk. Dass Gott nicht örtlich auf den Tempel beschränkt war, sondernimPrinzipüberallseinkonnte,wardenIsraelitennatürlich auch bewusst. Aber im Tempel hat er nun einmal residiert und allein die Tatsache, dass der Tempel von der Gegenwart Gottes erfüllt ist, macht die Menschen so froh, dass sie die Vorfreude singend und jubelnd zum Ausdruck bringen.
Heute beten wir Gott nicht in einem Tempel an, sondern, wie es Jesus sagte, „im Geist und in der Wahrheit“, das heißt, wir können es überall tun. Lässt uns das dann auch überall jubeln und tanzen? Theoretisch ja, aber Ihr Chef wird am Arbeitsplatz dafür wenig Verständnis haben. Von daher kann man dankbar sein: Auch heute gibt es Orte, wo Christen sich versammeln und ihre Freude zum Ausdruck bringen können.
