Tag 298

0

Lukas 17

Auf seinem Weg nach Jerusalem gelangte Jesus an die Grenze zwischen Galiläa und Samaria. Als er dort in ein Dorf kam, standen in einiger Entfernung zehn Aussätzige und riefen: „Jesus, Meister, hab Mitleid mit uns!“ Er sah sie an und sagte: „Geht und zeigt euch den Priestern.“ Und während sie gingen, verschwand ihr Aussatz. Einer von ihnen kam, als er es merkte, zu Jesus zurück und rief: „Dank sei Gott, ich bin geheilt!“ Und er fiel vor Jesus nieder und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter. Jesus fragte: „Sind nicht zehn Menschen geheilt worden? Wo sind die anderen neun? Kehrt nur dieser Fremde zurück, um Gott die Ehre zu geben?“ Und er sagte zu dem Mann: „Steh auf und geh. Dein Glaube hat dich gerettet.“

Nicht alle, die von Jesus Gutes erfahren haben, haben ihm dies auch angemessen gedankt. Falls diese Geschichte exemplarisch ist, kann man von einer Quote von zehn Prozent ausgehen. Ein wenig mager.

Wir wissen, dass der Aussatz jeden Menschen damals gesellschaftlich disqualifizierte. Wer aussätzig war, war unten durch – absolut chancenlos. Die Heilung der zehn Aussätzigen durch Jesus bzw. überhaupt die Begegnung mit ihnen war demzufolge eine ungeheure Grenzüberschreitung, und zwar gleich im doppelten Sinn: Der Mann, der zu Jesus zurückkam, war auch noch ein Samariter, also kein Jude im engeren Sinn.

Und die anderen? Was ist das denn für ein Verhalten? Eines unverhofften Tages wird man geheilt – und bedankt sich noch nicht einmal bei seinem Arzt. Das ist zunächst einmal sehr ungehobelt. Hier geht es aber um mehr als nur um Anstand und Höflichkeit. Hier geht es darum, dass die Menschen selbst nach ganz existenziellen Ereignissen nach kurzer Zeit wieder vergessen, wem sie ihre Rettung verdanken.

Wie viele Menschen gibt es, die knapp dem Tod oder anderen schweren Lebenssituationen entronnen sind – und durchaus sich zwischendrin Gedanken machen, ihr Leben mit Gott zu führen. Kaum geht es ihnen aber besser, kehren sie zu ihrem Alltagsgeschäft zurück und vergessen ihre „religiösen Anwandlungen“. Not lehrt beten. Doch sobald die Not nachlässt, besteht die Gefahr, die Lektion zu vergessen und die Nähe Gottes zu verlassen. Das gilt selbst für uns Christen.