Tag 304

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Matthäus 20

„Denn das Himmelreich ist vergleichbar mit dem Besitzer eines großen Gutes, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Er vereinbarte mit ihnen den üblichen Tagelohn und schickte sie an die Arbeit. Um neun Uhr morgens ging er über den Marktplatz und sah einige Leute herumstehen, die keine Arbeit hatten. Er stellte auch sie ein und sagte ihnen, sie würden am Abend den ihnen zustehenden Lohn erhalten. Am Mittag und dann noch einmal nachmittags gegen drei Uhr tat er dasselbe. Um fünf Uhr abends ging er noch einmal in die Stadt. … Am Abend schließlich beauftragte er seinen Verwalter, die Leute zu rufen und sie zu entlohnen. Er sollte mit den Arbeitern beginnen, die als Letzte eingestellt worden waren. Als die, die erst um fünf Uhr eingestellt worden waren, bezahlt wurden, erhielten sie alle einen vollen Tagelohn. Als die, die früher eingestellt worden waren, an der Reihe waren, dachten sie, dass sie mehr bekommen würden. Aber auch sie erhielten einen Tagelohn. Als sie ihr Geld bekamen, beschwerten sie sich. … Einem von ihnen antwortete er: ,Mein Freund, ich war nicht ungerecht! Warst du nicht damit einverstanden, dass du den ganzen Tag für den üblichen Lohn arbeitest? Nimm dein Geld und gib dich zufrieden. Ich will aber diesem letzten Arbeiter genauso viel geben wie dir. Oder ist es mir nicht erlaubt, mit meinem Geld zu machen, was ich will? Willst du dich etwa darüber beklagen, dass ich gütig bin?‘
Genauso ist es bei Gott: Viele, die jetzt die Ersten sind, werden die Letzten sein, und die, die jetzt die Letzten sind, werden dann die Ersten sein.“

Das ist nun nicht gerade ein Tarifmodell, das in unserer Wirtschaftspolitik durchsetzungsfähig wäre. Alle bekommen dasselbe, ob sie nun mehr oder weniger arbeiten – das würden weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer mitmachen. Und wir würden – auch als Christen – sagen: zu Recht! Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Ja, wo bleibt sie eigentlich in diesem Gleichnis?

Wir gehen immer davon aus, dass Gott gerecht ist. Das ist er auch. Aber wenn er nach dieser Gerechtigkeit an uns handeln würde, würde niemand vor ihm bestehen können – von Lohn schon mal gar nicht zu reden. Dass Gott uns überhaupt „einstellt“, uns zu sich ruft, um in seinem Weinberg zu arbeiten, hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Darauf haben wir Menschen keinen Anspruch. Es ist seine Gnade, die ihn dazu führt, uns doch gebrauchen zu wollen.

Von daher sind Vergleiche unter den so Begnadigten gänzlich fehl am Platz. Die Gnade Gottes kann man ohnehin nicht in Mengenverhältnissen bestimmen. Außerdem kann Gott sie zuteilen, wie es ihm beliebt – auch leistungsunabhängig. Aber Leuten, die religiös leistungsorientiert denken, muss die Vorstellung von Gnade immer suspekt bleiben.