Tag 172

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Psalm 91

Wer im Schutz des Höchsten lebt, der findet Ruhe im Schatten des Allmächtigen.
Der spricht zu dem Herrn: Du bist meine Zuflucht und meine Burg,
mein Gott, dem ich vertraue.
Denn er wird dich vor allen Gefahren bewahren und dich in Todesnot beschützen.
Er wird dich mit seinen Flügeln bedecken,
und du findest bei ihm Zuflucht.
Seine Treue schützt dich wie ein großer Schild. Fürchte dich nicht vor den Angriffen in der Nacht und habe keine Angst vor den Gefahren des Tages, vor der Pest, die im Dunkeln lauert,
vor der Seuche, die dich am hellen Tag trifft. Wenn neben dir auch Tausende sterben,
wenn um dich herum Zehntausende fallen,
kann dir doch nichts geschehen.
Du wirst es mit eigenen Augen sehen,
du wirst sehen, wie Gott die Gottlosen bestraft.

Ein Psalm, der in beeindruckenden Worten beschreibt, wie sicher wir es bei Gott haben. Aber ist das denn wirklich so? Machen denn nicht auch Christen Krisen durch und begegnet ihnen nicht auch schon mal etwas Schlimmes, bei dem sie sich fragen, wo denn an dieser Stelle Gott gewesen ist? Doch, natürlich sind auch Christen nicht generell davon ausgenommen, schlimme Dinge zu erleben. Sicher gibt es immer wieder wunderbare Berichte von Erlebnissen, wo Gott Christen vor Gefahr bewahrt hat – und doch sterben in jedem Krieg und bei jeder Naturkatastrophe prinzipiell auch Christen. Angesichts dessen klingt dieser Psalm aber doch ziemlich vollmundig – oder?

Vielleicht auch nicht, denn viele können von ähnlichen Erfahrungen berichten: Geborgenheit bei Gott erfährt man gerade in den Krisensituationen. Wenn es um uns nicht stürmte, bräuchten wir keinen Zufluchtsort. Dietrich Bonhoeffer, der zur Zeit des Nationalsozialismus im Konzentrationslager saß und auf seine Hinrichtung wartete, hat unter diesen düsteren Umständen ein Gedicht verfasst: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“ Für ihn gab es, menschlich gesprochen, keinen guten Ausgang. Dennoch bezeugen seine Briefe und Texte aus dem Gefängnis, dass Gott auch und gerade da Zufluchtsort ist, wo die Not am dunkelsten ist.