Tag 200

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Zefanja 3

Schrecklich wird es dir ergehen, du widerspenstige, beschmutzte und gewalttätige Stadt! Sie will nicht hören und nimmt keine Zurechtweisung an. Sie vertraut nicht auf den Herrn und sucht nicht die Nähe ihres Gottes. Ihre Anführer sind in ihrem Herzen wie brüllende Löwen und ihre Richter wie gierige Wölfe am Abend, von deren Beute in der Morgendämmerung nichts mehr übrig ist. Ihre Propheten sind Aufschneider und hinterlistige Männer. Ihre Priester entweihen das Heilige und tun dem Gesetz Gewalt an. Der Herr ist jedoch gerecht in ihrer Mitte, er tut kein Unrecht. Morgen für Morgen stellt er sein Recht in das Licht, sodass es alle sehen können. Aber der Ungerechte kennt keine Scham. …

Brich in Jubel aus, Tochter Zion, jauchze, Israel! Sei froh und freue dich von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Denn der Herr hat die Gerichtsurteile, die über dich verhängt wurden, aufgehoben und deine Feinde beseitigt. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte und du wirst nichts Böses mehr sehen. An jenem Tag wird man Jerusalem zurufen: „Fürchte dich nicht, Zion! Lass deine Hände nicht mutlos sinken! Der Herr, dein starker Gott, der Retter, ist bei dir. Begeistert freut er sich an dir. Vor Liebe ist er sprachlos ergriffen und jauchzt doch mit lauten Jubelrufen über dich.“

Hier sind einmal besonders krass Heilsund Gerichtsworte nebeneinandergestellt, die aber auch im Bibeltext nur wenig voneinander getrennt stehen. In dieser Aufeinanderfolge wirken sie fast ein wenig manisch-depressiv. Aber diese Kombination kommt immer wieder vor. Warum?

Wir müssen zunächst wissen, dass die Propheten ihre Sprüche nicht in einem Guss gesagt und schon gar nicht niedergeschrieben haben. Unsere heute vorliegenden Prophetenbücher sind in Wirklichkeit Textsammlungen aus unterschiedlichen Zeiten des Wirkens des jeweiligen Propheten. Bei der Niederschrift wurden dabei auch nicht immer chronologische Prinzipien befolgt.

Würden wir heute unsere Worte an unsere Kinder in eine solche Sammlung packen, gäbe es dort ähnlich starke Gegensätze, da stünde vielleicht „Ab ins Bett, du Rotzlöffel“ auch neben „Ich hab’ dich lieb, mein Schatz“. Das hat aber nichts mit Stimmungsschwankungen zu tun, sondern es sind die Äußerungen liebender Eltern in ganz unterschiedlichen Situationen. So sind auch die Prophetensprüche zu sehen. Gott ist nicht nur ein richtender und bestrafender, sondern in erster Linie ein liebender Gott.