Lukas 18
Dann erzählte Jesus ein paar Leuten, die sehr selbstgerecht waren und alle anderen mit Geringschätzung behandelten, folgendes Gleichnis: „Zwei Männer gingen in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer, der andere ein Steuereintreiber. Der stolze Pharisäer stand da und betete: ,Ich danke dir, Gott, dass ich kein Sünder bin wie die anderen Menschen, wie die Räuber und die Ungerechten, die Ehebrecher oder besonders wie dieser Steuereintreiber da! Denn ich betrüge niemand, ich begehe keinen Ehebruch, ich faste zwei Mal in der Woche und gebe dir regelmäßig den zehnten Teil von meinem Einkommen.‘ Der Steuereintreiber dagegen blieb in einigem Abstand stehen und wagte nicht einmal den Blick zu heben, während er betete: ,O Gott, sei mir gnädig, denn ich bin ein Sünder.‘ Ich sage euch, dieser Sünder – und nicht der Pharisäer – kehrte heim als ein vor Gott Gerechtfertigter. Denn die Stolzen werden gedemütigt, die Demütigen aber werden geehrt werden.“
Selbstgerechtigkeit ist so verbreitet wie grippale Infekte im feuchten November und ebenso wenig auszurotten. Immer wieder kommen auch wir Christen zu der Auffassung, es im Glauben doch recht weit gebracht zu haben. Wir beteiligen uns nicht an krummen Dingen, im Gegenteil, leisten an manchen Stellen sogar Vorbildliches. Wir gehen regelmäßig in die Gottesdienste und natürlich in alle möglichen anderen frommen Kreise, spenden mehr als der Durchschnitt und sind in der Erkenntnis der Bibel weit fortgeschritten, viel weiter als die armen Schlaffis im Glauben, links und rechts neben uns in der Kirchenbank. Von den Nichtchristen mal ganz zu schweigen, die mit ihrer Selbstgerechtigkeit meinen, sie hätten Gott nicht nötig. Und denen, die ohnehin auf die schiefe Bahn geraten sind, ist sowieso nicht zu helfen.
Wer meint, er sei schon spitze, der ist es gewiss nicht. Der arme Sünder, den Jesus hier beschreibt, hat mehr begriffen als der Pharisäer – nämlich dass er ein armer Sünder ist. Ohne diese Einsicht steht unser ganzes Glaubensgebäude auf tönernen Füßen. Denn gerade die Anerkenntnis unserer eigenen Schwäche ist ein unverzichtbarer Bestandteil für das Fundament unseres Glaubenslebens.
