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ICF Karlsruhe: Ausschuss lehnt Anerkennung als Jugendhilfeträger ab

Kritiker warnten vor Missionierung und Diskriminierung queerer Jugendlicher. ICF Karlsruhe spricht dagegen von einer politisch motivierten Kampagne.

Der Jugendhilfeausschuss der Stadt Karlsruhe hat den Antrag der evangelischen Freikirche ICF Karlsruhe auf Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe abgelehnt. Nach rund zweistündiger Beratung stimmten 17 Mitglieder dagegen, sechs dafür, eine Person enthielt sich. Die Stadtverwaltung hatte zuvor empfohlen, dem Antrag zuzustimmen.

Der Entscheidung war eine monatelange öffentliche Debatte vorausgegangen. Kritiker, darunter Die Linke, die Linksjugend [’solid] und die Initiative FundiWatch, bezweifelten, dass die Jugendarbeit der Freikirche ausreichend von ihrem missionarischen Auftrag getrennt sei. Zudem stellten sie den Umgang der Gemeinde mit queeren Jugendlichen infrage und forderten weitere Schutz- und Beschwerdekonzepte.

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ICF Karlsruhe wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme entschieden zurück. In Veröffentlichungen von Linken und FundiWatch werde ein Bild vom ICF Karlsruhe gezeichnet, „in dem wir uns nicht wiedererkennen“. Die Freikirche werde darin pauschal als fundamentalistisch und homophob dargestellt. Zur Begründung würden nach Ansicht der Gemeindeleitung unter anderem Äußerungen anderer Kirchen herangezogen und mit dem Karlsruher ICF in Verbindung gebracht.

Sollen christliche Werte verbannt werden?

Die Auseinandersetzung gehe aus Sicht der Gemeinde über die Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen hinaus. Nach zahlreichen Gesprächen habe man den Eindruck gewonnen, dass versucht werde, „christliche Werte generell aus der Jugendhilfe zu verbannen“, erklärte die Gemeindeleitung. Die Demonstration, zu der die Linksjugend [’solid] vor der Sitzung aufgerufen hatte, wertete ICF als Ausdruck eines „politisch motivierten Anliegens“.

Zugleich betonte die Freikirche, ihre Jugendarbeit sei zwar ausdrücklich christlich geprägt, stehe aber allen jungen Menschen offen – unabhängig von Herkunft, sozialem Hintergrund, Lebenssituation oder geschlechtlicher Identität. Niemand müsse die Glaubensüberzeugungen der Gemeinde teilen, um willkommen zu sein oder an den Angeboten teilzunehmen, hieß es. Auf ihrer Internetseite erklärt ICF Karlsruhe, dass Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung dazugehören und mitmachen könnten; von jeder Form der Diskriminierung distanziere man sich ausdrücklich.

Verwaltung sah Voraussetzungen erfüllt

ICF Karlsruhe hatte die Anerkennung am 27. Februar 2026 beantragt. Die Verwaltung der Stadt Karlsruhe kam nach Prüfung der eingereichten Unterlagen zu dem Ergebnis, dass die Voraussetzungen für die Anerkennung erfüllt seien. In der Beschlussvorlage verwies sie auf die Vereinssatzung, die nachgewiesene Gemeinnützigkeit und die langjährige praktische Tätigkeit. Zweifel an einer den Zielen des Grundgesetzes förderlichen Arbeit sah die Verwaltung nicht.

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ICF sprach in seiner Stellungnahme von einem „bestehenden und bestätigten Rechtsanspruch“ auf Anerkennung. Rechtlich gilt: Nach Paragraf 75 des Sozialgesetzbuchs VIII hat ein Träger, der seit mindestens drei Jahren in der Jugendhilfe tätig ist, einen Anspruch auf Anerkennung, sofern er sämtliche gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Dazu gehört unter anderem, dass seine Arbeit gemeinnützig und den Zielen des Grundgesetzes förderlich ist.

Die Ablehnung untersagt ICF Karlsruhe nicht, seine bisherige Kinder- und Jugendarbeit fortzusetzen. Der Verein erhält jedoch zunächst nicht den besonderen öffentlich-rechtlichen Status eines anerkannten Trägers der freien Jugendhilfe. Dieser Status kann unter anderem die institutionelle Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, eine dauerhafte öffentliche Förderung und Beteiligungsrechte in der Jugendhilfe erleichtern.

Ob die Freikirche gegen die Entscheidung rechtlich vorgehen oder erneut einen Antrag stellen wird, war zunächst nicht bekannt.

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Das ICF Karlsruhe ist eine evangelische Freikirche, die 2005 aus einer Vorgängergemeinde entstand. Sie wird von Sibylle und Steffen Beck geleitet. Neben Gottesdiensten und Seelsorge bietet sie zahlreiche Programme für Kinder, Jugendliche und Familien an und gehört zur internationalen ICF-Bewegung.

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