Matthäus 5
Versteht nicht falsch, warum ich gekommen bin. Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz oder die Schriften der Propheten abzuschaffen. Im Gegenteil, ich bin gekommen, um sie zu erfüllen. Ich versichere euch: Solange der Himmel und die Erde bestehen, wird selbst die kleinste Einzelheit von Gottes Gesetz gültig bleiben, so lange, bis ihr Zweck erfüllt ist. Wenn ihr also das kleinste Gebot brecht und andere dazu ermuntert, dasselbe zu tun, werdet ihr auch die Geringsten im Himmelreich sein. Dagegen wird jeder, der die Gesetze Gottes befolgt und sie anderen erklärt, im Himmelreich groß sein. Aber ich warne euch – nur wenn ihr Gott gehorsamer seid, als es die Schriftgelehrten und Pharisäer sind, dürft ihr ins Himmelreich hinein.
Manche haben gemeint, Jesus habe das Gesetz komplett außer Kraft gesetzt, man müsse sich um das Gesetz nun nicht mehr kümmern. Doch dies ist eine Fehldeutung. In diesem Abschnitt, der aus seiner berühmten Bergpredigt entnommen ist, zeigt sich: Jesus hat keineswegs Anarchie gepredigt, obwohl das der religiösen Elite damals sicher so vorgekommen ist.
In seiner Bergpredigt bringt Jesus das Gesetz ganz radikal auf den Punkt und damit voll zur Geltung. Er relativiert nicht das Gesetz oder macht eigene Gesetze, er spitzt das Gesetz so zu, dass sich nun niemand einbilden kann, dem Gesetz genügen zu können. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren in dieser Hinsicht optimistischer. Sie gingen davon aus, dass das Gesetz auch wirklich zu halten sei und machten zudem weitere Untergesetze und Vorschriften drum herum. Eigentlich standen sie ihrer Ansicht nach ganz gut vor Gott da. Doch diese Illusion zerschlägt Jesus – und verlangt damit eine radikale Umwandlung des Denkens.
