2. Mose 20
„Du sollst den Besitz deines Nächsten nicht begehren: Weder sein Haus, seine Frau, seinen Sklaven, seine Sklavin, sein Rind, seinen Esel oder sonst etwas, das deinem Nächsten gehört.“
Das zehnte und letzte Gebot bezieht sich wieder darauf, nicht neidisch auf das Eigentum des anderen zu schauen. Dabei ist in unseren Tagen sicher nicht nur der Mercedes vor der Haustüre des Nachbarn gemeint. Man kann auch auf ganz andere Dinge neidisch sein: auf den frühen Feierabend eines anderen; auf die bessere Fähigkeit des anderen, mit den Widrigkeiten des Lebens klarzukommen; darauf, dass ein anderer besser in der Gemeinde „ankommt“ – kurzum: alles, was einen dazu führt, anzunehmen, dass es andere besser haben und das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner ist.
Vielleicht ist aber der Mercedes ja gar nicht abbezahlt; vielleicht grämt sich der Kollege über den frühen Feierabend, da er länger im familiären Chaos durchhalten muss, vielleicht ist der, der in der Gemeinde so eine tolle Rolle spielt, einer, der eben nur eine Rolle spielt und so fort. Ganz egal, ob die Wirklichkeit unseren Neidgefühlen entspricht: Die Leidtragenden sind wir. Das Anti-Neid-Gebot ist von der anderen Seite her betrachtet ein Aufruf zur Selbstgenügsamkeit, ja geradezu ein Gebot für Lebenskünstler. Leider hat nicht jeder von uns dazu Talent. Dennoch ist das Begehren der Dinge, die einem nicht zustehen, für Gott absolute Sünde. Und daher fordert Gott auch von uns, diesen Gefühlen nicht freien Lauf zu lassen.
