Tag 59

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2. Mose 32

Als Mose lange Zeit nicht vom Berg herunterkam, gingen die Leute gemeinsam zu Aaron. „Auf! Mach uns einen Gott, der uns führt!“, forderten sie ihn auf. „Wir wissen nicht, was diesem Mose zugestoßen ist, der uns aus Ägypten hierher gebracht hat.“ Da entgegnete Aaron: „Nehmt euren Frauen, Söhnen und Töchtern ihre goldenen Ohrringe ab und bringt sie zu mir.“ Alle Israeliten kamen Aarons Aufforderung nach und brachten ihre goldenen Ohrringe zu ihm. Aaron nahm das Gold von ihnen, schmolz es ein und verwendete es dazu, um ein Götzenbild in Form eines Kalbes anzufertigen. Da riefen die Leute: „Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten geführt hat!“ Als Aaron das sah, errichtete er einen Altar vor dem Kalb und verkündete: „Morgen feiern wir hier ein Fest für den HERRN!“ Am nächsten Morgen standen die Israeliten früh auf, um Brandopfer und Friedensopfer darzubringen. Danach setzten sie sich, um zu essen und zu trinken, und feierten ein rauschendes, ausschweifendes Fest.

Als Mose dem Volk Israel zu lange auf dem Berg bleibt, weiß es sich durch eine „Do-it-yourself“-Lösung schnell zu helfen. Moses Bruder Aaron tut sich als Anführer hervor, und die Israeliten geben ihm zur Errichtung eines Götzenbildes willig ihr Geschmeide. Kaum ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse – und zwar um ein goldenes Kalb.

Man fragt sich als Bibelleser: „Wieso eigentlich ausgerechnet ein Kalb? Wie kommen die denn auf so etwas?“ In der Tat gibt es von der Bibel her und von dem, was die Israeliten erfahren hatten, keine Veranlassung, sich Gott auch nur ansatzweise in Kalbsgestalt vorzustellen. Allerdings ist das Wort „Kalb“ hier auch verächtlich gemeint – es dürfte in Wirklichkeit ein Stier gewesen sein, ein durchaus geläufiges Fruchtbarkeitssymbol.

Die Israeliten wollten es einfach und pragmatisch haben. Möglicherweise war ihnen Jahwe im Gegensatz zu den anderen Göttern zu abstrakt, ungreifbar, kompliziert – und außerdem war ja ihr Führer gerade verschollen. Der Mensch kann, wenn er länger nichts von Gott hört, absurde und verzerrte Vorstellungen von Gott entwickeln, um seine eigenen Lebensziele durchzusetzen.