2. Mose 29
Opfere jeden Tag zwei einjährige Lämmer auf dem Altar, eins am Morgen, das andere gegen Abend. Opfere zusätzlich einen Krug feinen Mehls, vermischt mit einer viertel Kanne Öl aus zerstoßenen Oliven; und als Trankopfer eine viertel Kanne Wein. Das andere Lamm sollst du gegen Abend opfern – dazu das gleiche Trankund Speiseopfer wie am Morgen – als ein Opfer, das für den Herrn auf dem Altar verbrannt wird und das mir gefällt.
Heute meint man im alltäglichen Sprachgebrauch, dass, wenn man ein Opfer bringt, man etwas in Kauf nehmen oder auf etwas verzichten muss. Der Gedanke an blutige Opfer, die man darbringt, um einen Gott gnädig zu stimmen, ist zumindest in der westlichen Welt weit weg von der aktuellen Lebenswirklichkeit.
Doch hat man in vielen gegenwärtigen oder vergangenen Religionen ein Bewusstsein, dass es jenseits der natürlich erfahrbaren Wirklichkeit etwas anderes, „Heiliges“ gibt. Diesem Heiligen (eine oder mehrere Gottheiten, eine Geisterwelt u.Ä.) kann man – so meint man – nicht genügen. Man muss diese Welt gnädig oder günstig stimmen. Daher opfert man ihnen vom Besten, was man hat – gelegentlich sogar die eigenen Kinder. Das ist die Vorstellung, die sich der Mensch von sich aus macht.
Gott begibt sich im Volk Israel auf die Ebene der üblichen Vorstellungswelt. Im Lauf der Jahrhunderte entwöhnt er aber die Israeliten vom Opfergedanken: Erst wird er ihnen später im Exil das Opferheiligtum wegnehmen, die Priesterschaft zerläuft sich, das Volk wird zerstreut und muss lernen, ohne das Heiligtum auskommen. Zwar wird der Tempel dann noch einmal wieder neu gebaut, doch wird auch dieser schließlich endgültig zerstört. Er wird aber auch nicht mehr gebraucht, denn mit dem Selbstopfer Christi werden alle anderen Opfer überflüssig gemacht, weil es die endgültige Versöhnung der Menschen mit Gott ist.
Zu Unrecht wird viel Kritik am blutigen Opfer in den biblischen Berichten geübt. Wer so redet, übersieht, dass durch Christus die blutigen Opfer ein für alle Mal der Vergangenheit angehören können. Denn Jesus hat sich selbst geopfert. Das Opfer Jesu ist nicht primitiv, sondern durch die damit gegebene Überflüssigmachung aller anderen Opfer ein entscheidender Wendepunkt. Ohne diese Tat Christi würden wir womöglich heute noch opfern und diese Diskussion gar nicht führen.
