Tag 81

0

Josua 6

Die Tore von Jericho waren fest verschlossen, weil sich die Bewohner vor den Israeliten fürchteten; niemand durfte hinein oder hinaus. Da sagte der

HERR zu Josua: „Ich habe Jericho, seinen König und dessen starke Krieger in deine Hand gegeben. Dein Heer soll die Stadt einmal am Tag umrunden. Das soll sechs Tage lang geschehen. Dabei sollen sieben Priester vor der Lade hergehen, und jeder von ihnen soll ein Widderhorn tragen. Am siebten Tag sollt ihr die Stadt siebenmal umrunden und die Priester sollen in die Hörner stoßen. Wenn ihr hört, dass die Priester ihre Hörner blasen, soll das ganze Volk lautes Kriegsgeschrei anstimmen. Daraufhin werden die Stadtmauern zusammenbrechen, und das Volk kann geradewegs in die Stadt eindringen.“

Wer aus vager Kenntnis der Ereignisse meint, es sei in dieser Geschichte von der segensreichen Wirkung der Blasmusik und einer biblischen Grundlage für Posaunenchöre die Rede, muss enttäuscht werden. Der Reigen um die Stadt Jericho war nur ein provozierender und für die Bürger Jerichos rätselhafter Truppenaufmarsch. Das Widderhorn war das Signalhorn für Kriegsfälle. Choräle wurden nicht intoniert.

Der Rest war zunächst buchstäblich Schweigen. Denn die Israeliten sagten keinen Piep. Das mag den Leuten aus Jericho zusätzlich gespenstisch vorgekommen sein, zumal die ganze Angelegenheit sich ohne erkennbaren Fortschritt eine Woche hinzog. Man kann sich vorstellen, dass sie wie das Kaninchen auf die Schlange auf diese Militärprozession gestarrt haben.

Am letzten Tag wurde es dann umso lauter, und die Mauern der Stadt stürzten ein (nach lautem Kriegsgeschrei der Israeliten). Es fällt auf, dass von Gegenwehr überhaupt nicht die Rede ist.

Gott mutet einem manchmal durchaus Dinge zu, die gegen den eigenen Verstand gehen. Kein General der Welt hätte sich eine solche Strategie ausgedacht. Aber mit eigenen Waffen wären die Mauern Jerichos auch nie gefallen.