Josua 9
Als die Einwohner Gibeons jedoch hörten, was Josua mit Jericho und Ai getan hatte, dachten sie sich eine List aus. Einige gingen als Boten zu Josua.
Sie beluden ihre Packesel mit verwitterten Satteltaschen und alten, zerschlissenen und geflickten Weinschläuchen. Sie zogen abgetragene, zerlumpte Kleidung und geflickte Sandalen an und nahmen trockenes, altes Brot mit auf die Reise. Als sie ins israelitische Lager in Gilgal kamen, sagten sie zu Josua und den Männern von Israel: „Wir kommen aus einem fernen Land und bitten euch, einen Friedensvertrag mit uns zu schließen … Deshalb haben unsere Anführer und unser Volk uns beauftragt: ,Packt Proviant für die Reise und zieht den Israeliten entgegen. Sagt ihnen, dass wir uns ihnen unterwerfen wollen und bittet sie, einen Friedensvertrag mit uns zu schließen.‘ Dieses Brot war noch warm, als wir es bei unserem Aufbruch einpackten. Seht selbst, wie alt und vertrocknet es jetzt ist. Diese Weinschläuche waren neu, als wir sie füllten, jetzt sind sie alt und zerschlissen. Und unsere Kleider und Sandalen sind von der sehr langen Reise abgetragen.“ Die Israeliten prüften das Brot der Ankömmlinge, aber sie befragten nicht den HERRN. Danach schloss Josua einen Friedensvertrag mit ihnen, in dem er zusicherte, sie am Leben zu lassen. Drei Tage nachdem sie den Vertrag geschlossen hatten, stellte sich heraus, dass diese Leute ganz in der Nähe lebten!
Die unheimliche Übermacht der Israeliten ließ offensichtlich viele erzittern. Andere wiederum kamen auf bemerkenswerte Ideen. Die Einwohner der Stadt Gibeon entschlossen sich zum Laientheater, um der drohenden Bedrohung Herr zu werden. Die richtigen Kostüme und Requisiten hatten sie auch schnell zur Hand. Sie gaukelten den Israeliten vor, dass sie aus einem fernen Land kämen und gerne einen Friedensvertrag mit Israel schließen würden. Das tat Josua dann auch – und garantierte damit für ihr Leben.
Als dann nach drei Tagen der ganze Schwindel aufflog, war es nun nicht etwa so, wie wir vielleicht vermuten würden. Wir würden erwarten, dass die Israeliten sich – mit gewisser Berechtigung – nun an den Gibeonitern rächen würden. Doch weit gefehlt: Da sie den Friedensvertrag mit einem Schwur Gott gegenüber besiegelt hatten, mussten sie sich jetzt auch an ihn gebunden fühlen und die Gibeoniter am Leben lassen.
Das erinnert an die Sache mit dem Segen, den Isaak Jakob (mittels eines ähnlichen Mummenschanzes) abgeluchst hatte, der aber trotzdem galt. Heilige Handlungen und Verpflichtungen galten auch dann, wenn diese unter eigentlich unrechtmäßigen Bedingungen erschlichen wurden.
