Richter 6
In dieser Nacht sprach der HERR zu Gideon: „Reiß den Altar ein, den dein Vater dem Baal errichtet hat, und haue den Aschera-Pfahl um, der daneben steht. Dann bau dem HERRN, deinem Gott, hier auf der Höhe dieser Befestigung einen Altar und bereite ihn für ein Opfer vor.“ Gideon befolgte die Anweisungen des HERRN. Früh am nächsten Morgen, als die Bewohner der Stadt aufstanden, entdeckten sie, dass der Altar des Baal eingerissen, der Aschera-Pfahl daneben verschwunden und ein Stier auf einem neu erbauten Altar geopfert worden war. Schließlich fanden sie heraus, dass es Gideon, der Sohn von Joasch, gewesen war. „Gib deinen Sohn heraus“, verlangten sie da von Joasch. „Er soll sterben.“ Aber Joasch erwiderte allen, die um ihn herumstanden: „Wollt ihr Baal etwa verteidigen? Wenn Baal tatsächlich ein Gott ist, wird er sich selbst dafür rächen, dass jemand seinen Altar eingerissen hat!“
Es sah wirklich übel aus für Israel: Die Midianiter, altbekannte Feinde aus Zeiten der Wüstenwanderung, überfielen das Land wie die Heuschrecken und fraßen alles ratzekahl, sodass für Israel nichts mehr übrig blieb. Die Israeliten konnten sich da nur verängstigt in die Berge verdrücken. Als die Israeliten schließlich in großer Not zu Jahwe schrieen, erhörte er sie und berief Gideon zum Richter.
Im Gespräch mit dem HERRN gibt es dabei zunächst die üblichen Einwände, wie wir sie ähnlich bei Mose mitbekommen haben. Dann fordert er ein Zeichen, das Gott ihm auch postwendend liefert. Gideon ist zunächst überzeugt.
Szenenwechsel: Gideon liegt am Abend im Bett und der HERR beruft ihn, die götzendienerische Kultstätte, die sein Vater errichtet hatte, in einen Jahwe-Altar umzufunktionieren. Der Gipfel des Ganzen: Als Feuerholz für den Altar soll die Götzenstatue dienen. Gideon besorgt dann tatsächlich nachts die gewünschten Umbaumaßnahmen. Am anderen Morgen ist das Volk angesichts dieser Götzenlästerung konsterniert und fahndet nach dem Übeltäter. Als sie ihn ausfindig machen, fordern sie dessen Vater auf, ihn herauszugeben. Der benimmt sich bemerkenswert weise. „Soll Baal sich doch selbst rächen, wenn er ein Gott ist, aber tut ihr ihm nichts.“ Das findet der Mob irgendwie einsichtig.
Offenbar hatte der Vater den Nerv getroffen. Schade, dass wir in unseren Auseinandersetzungen von solchen Geistesblitzen nur selten berichten können.
