1. Könige 18
Da sagte Elia zu ihnen: „Ich bin als einziger Prophet des HERRN übrig geblieben, Baal dagegen hat 450 Propheten. Holt zwei Stiere. Die Propheten Baals sollen sich einen aussuchen, ihn in Stücke zerschneiden und auf das Holz legen, doch ohne es anzuzünden. Ich werde den anderen Stier vorbereiten und auf das Holz legen, es aber ebenfalls nicht anzünden. Dann ruft ihr den Namen eures Gottes an, und ich werde den Namen des HERRN anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott!“ Und das Volk antwortete: „Das ist gut.“ Da sagte Elia zu den Baalspropheten: „Wählt einen Stier und bereitet ihn zuerst vor, denn ihr seid viele. Dann ruft den Namen eures Gottes an. Aber setzt das Holz nicht in Brand.“ Sie bereiteten den Stier vor, den man ihnen gab. Dann riefen sie den ganzen Vormittag lang den Namen des Baal an: „Baal, antworte uns!“ Aber es kam keine Antwort. Daraufhin tanzten sie um den Altar, den sie errichtet hatten. Gegen Mittag begann Elia, sie zu verspotten. „Vielleicht solltet ihr etwas lauter rufen“, höhnte er, „denn er ist doch ein Gott! Mag sein, er ist tief in Gedanken, oder vielleicht hat er zu tun. Oder er ist auf Reisen, oder er schläft und muss geweckt werden!“ Da schrieen sie lauter und ritzten sich, wie es Brauch bei ihnen war, mit Messern und Schwertern, bis das Blut floss. Nach dem Mittag gerieten sie in Ekstase, bis die Zeit des Speiseopfers gekommen war, aber es erklang keine Stimme, es kam keine Antwort, nichts regte sich.
Da forderte Elia das Volk auf: „Kommt hier herüber!“ Sie drängten sich um ihn, als er den Altar des HERRN, der eingerissen worden war, wieder aufbaute. … Als die Zeit für das Speiseopfer gekommen war, trat der Prophet Elia heran und betete: „HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, zeig uns heute, dass du Gott in Israel bist und dass ich dein Diener bin und all dies auf deinen Befehl hin getan habe. Antworte mir, HERR! Antworte mir, damit dieses Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist und dass du ihre Herzen zurückerobert hast.“ Da ließ der HERR Feuer herabfallen und setzte das Opferfleisch, das Holz, die Steine und die Erde in Brand und trocknete sogar den Graben aus. Als das Volk das sah, warfen die Menschen sich zu Boden und riefen: „Der HERR ist Gott! Der HERR ist Gott!“ Da gebot Elia ihnen: „Ergreift die Baalspropheten. Nicht ein Einziger darf entkommen!“ Und sie ergriffen sie alle, und Elia ließ sie an den Bach Kischon hinunterbringen und tötete sie dort.
Das ist eine der saftigsten und anschaulichsten Begebenheiten der Bibel. Sie zeigt, dass der HERR Herr im Haus Israel ist, selbst wenn ihn die meisten Leute aus seinem Volk bereits vor die Tür gesetzt haben.
Zunächst bekommt Elia den Auftrag, Ahab aufzusuchen und das Ende der Dürre zu verkünden. Bei der Begegnung der beiden gibt es zunächst einmal eine kräftige Zurechtweisung von Seiten Elias in Richtung Ahab, dann aber eine Einladung zu einem interessanten Gala-Abend mit großer Besetzung. 850 Götzenpropheten, die an Isebels Tisch sitzen (so steht es kurz zuvor), sind geladen, auf dem Berg Karmel einer großen Show beizuwohnen. Nebenbei bemerkt: Man fragt sich, ob man sich mehr über die religiöse Geschwätzigkeit der damaligen Zeit oder über das riesige Esszimmer der Isebel wundern soll.
Elia ist der Conférencier und wirkt fast wie ein Zauberkünstler unserer Tage. Er weist auf seine Schwachheit hin (er als Einziger gegen eine Phalanx von Baalspriestern) und ordnet an, zwei Altäre mit zwei Stieren herzurichten. Dann soll es ein Wettbeten darum geben, welcher Gott den Funken ans Feuerholz legt. Die Baalspriester dürfen als Erstes ran. Was machen sie nicht für Verrenkungen, damit ihr Gott das Holz anzündet! Stundenlang – doch vergeblich. Dazu müssen sie sich noch Elias süffisante Kommentare anhören.
All das war aber nur eine Vorbereitung für das, was nun kommen sollte: Elia baut auch einen Altar, aber erschwerend übergießt er den Stier noch so heftig mit Wasser, dass ein eigens errichteter Wassergraben vollläuft. Elia braucht nur einmal zu beten, und der HERR schickt Feuer. Angesichts dessen ist das Publikum völlig von den Socken und erkennt, dass Jahwe der wahre Gott ist. Elia aber weist das Volk an, die Baalspropheten zu ergreifen, und tötet sie schließlich selbst. Stückzahl der Opfer: siehe oben.
Es gibt offensichtlich solche Situationen: Die Umgebung akzeptiert die Spielregeln, die Gott selbst setzt. Dass Elia nämlich überhaupt die Gelegenheit hatte, sich so zu entfalten, war ja keine Selbstverständlichkeit. Auch in hoffnungslosen Gemengelagen gibt es also Sternstunden Gottes. Doch bedenken wir auch, wie lange Elia darauf warten musste …
