1. Könige 17
Da sprach der HERR zu Elia: „Steh auf und geh nach Zarpat in der Nähe von Sidon und bleib dort. Ich habe dort einer Witwe den Auftrag gegeben, dich zu versorgen.“ Also machte er sich auf und ging nach Zarpat. Als er an den Toren der Stadt ankam, sah er eine Witwe, die Holz auflas, und er rief ihr zu und fragte: „Würdest du mir einen Becher Wasser holen, damit ich trinken kann?“ Als sie sich auf den Weg machte, es zu holen, rief er ihr nach: „Und bring mir bitte auch ein Stück Brot mit.“ Doch sie antwortete: „So wahr der HERR, dein Gott, lebt, ich habe kein einziges Stück Brot mehr. Im Topf ist nur noch eine Hand voll Mehl und im Krug nur noch ein kleiner Rest Öl. Ich habe gerade ein paar Zweige gesammelt, um diese Mahlzeit zu bereiten für mich und meinen Sohn; wir werden essen und sterben.“ Doch Elia sagte zu ihr: „Hab keine Angst! Geh und mach, was du gesagt hast, aber backe mir zuerst einen kleinen Laib Brot und bring ihn heraus. Dann backe für dich und deinen Sohn. Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: ,Das Mehl im Topf wird nicht aufgebraucht werden und das Öl im Krug nicht zur Neige gehen, bis zu dem Tag, an dem der HERR dem Land Regen schickt!‘“
Elia erhält wieder einen Auftrag des HERRN: Er soll für sich selbst Proviant besorgen. Dazu hat Gott eine bestimmte Person ausersehen. Doch diese weiß noch gar nichts davon, dass sie überhaupt genügend Vorräte im Haus hat. Die Dürrekatastrophe hatte schon so verheerende Auswirkungen gehabt, dass sie nur noch Essen für eine letzte Mahlzeit für zwei Personen hatte. Doch Elia kann mit einer gänzlich anderen Sicht der Dinge aufwarten, und so kommt es zu einer wundersamen Vermehrung von Mehl und Öl. Das war das erste Wunder. Hier wird noch gar nicht berichtet, wie die Frau darauf reagiert.
Wunder Nummer zwei geschieht einige Zeit später. Anscheinend hatte sich Elia bei der Dame einquartiert. Nun stirbt ihr einziger Sohn. Eigentlich ist es irrational, aber die Mutter macht Elia hieraus einen Vorwurf. Vielleicht war sie vor Trauer nicht ganz bei sich. Oder es paarten sich Aberglaube und Respekt vor dem Heiligen. Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass sich Elia nicht groß verteidigt, sondern den Jungen heilt. Erst jetzt kommt die Frau zur Erkenntnis, dass Elia wirklich ein Prophet Gottes ist. Komisch eigentlich, dass das Mehl-ÖlWunder dazu nicht gereicht hat.
Diese Frau erlebt gleich zwei Wunder. Es gibt davon in der Bibel viel weniger, als man als unbefangener Leser vermutet. Über dieses doch sehr private Wundergeschehen berichtet die Bibel. Das zeigt, dass eben nicht an jeder Ecke Spektakuläres geschah. Und es zeigt auch: Ein Wunder ist nicht von vornherein so eindeutig, dass man zwangsläufig dem vertraut, der das Wunder wirkt.
