1. Könige 21
„Du bist doch der König von Israel?“, sagte seine Frau Isebel da zu ihm. „Steh auf und iss und ärgere dich nicht. Ich werde dir Nabots Weinberg verschaffen!“ Und sie schrieb Briefe in Ahabs Namen, versiegelte sie mit seinem Siegel und schickte sie an die Ältesten und die anderen führenden Männer der Stadt, in der Nabot lebte. In ihren Briefen ordnete sie an: „Ruft ein Fasten aus und gebt Nabot dabei einen Ehrenplatz im Volk. Setzt zwei gewissenlose Schurken ihm gegenüber, die sollen ihn beschuldigen: ,Du hast Gott und den König verflucht.‘ Dann schleppt ihn hinaus und steinigt ihn zu Tode.“ Die Ältesten und die anderen führenden Männer, die in der Stadt wohnten, befolgten Isebels Anweisungen und verfuhren, wie sie es ihnen in den Briefen geschrieben hatte. Sie ließen ein Fasten ausrufen und wiesen Nabot einen Ehrenplatz vor dem Volk zu. Als Isebel hörte, dass Nabot zu Tode gesteinigt worden war, sagte sie zu Ahab: „Geh und nimm den Weinberg in Besitz, den der Jesreeliter Nabot dir nicht verkaufen wollte, denn Nabot ist tot!“ Und als Ahab hörte, dass Nabot tot war, ging er sofort hinunter, um Nabots Weinberg in Besitz zu nehmen. Doch der HERR sprach zu Elia aus Tischbe: „Steh auf und geh zu König Ahab von Israel, der in Samaria herrscht. Du findest ihn in Nabots Weinberg, denn dorthin ist er gegangen, um ihn in Besitz zu nehmen. Richte ihm folgende Botschaft aus: So spricht der HERR: ,Du hast gemordet und jetzt auch noch geraubt.‘ Und weiter sage zu ihm: So spricht der HERR: ,Die Hunde werden vor der Stadt dein Blut auflecken, gerade dort, wo sie das Blut Nabots aufgeleckt haben!‘“
Da hat es dem Ahab doch glatt die Petersilie verhagelt. Und dabei hätte es alles so trefflich gepasst: Hätte ihm Nabot doch nur seinen Weinberg überlassen. Ahab hatte es sich so schön vorgestellt, auf diesem Areal sein Gemüse zu ziehen! Aber nein, dieser Sturkopf wollte ihn nicht um Geld und gute Worte abgeben. Da kann man als König schon mal so richtig verstimmt sein. An sich wäre die Geschichte hier zu Ende, wäre nicht die berüchtigte Isebel auf die Idee gekommen: „Lass Muttern mal machen.“
Isebel, die auf der Richterskala biblischer Fieslinge einen Spitzenplatz einnimmt, spinnt nun eine Intrige, indem sie Nabot bös verleumden lässt. Dieser wird dann aufgrund der falschen Anschuldigungen gesteinigt. Bahn frei also für die Umwandlung vom Weinberg zum Gemüsegarten. Alles läuft nach Plan, wäre da nicht Elia gewesen. Ihn hat Gott auf die ganze Sache angesetzt. Jahwe schickt ihn mit einer der blutigsten Botschaften der Bibel zu Ahab. Immerhin: Ahab bereut, und so wird das Gericht aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.
Ahab zeigt in vielerlei Hinsicht, dass er nicht gerade ein stählernes Rückgrat hat. Antriebsschwach lässt er alles über sich ergehen und überlässt seiner Frau das Feld, die eine erklärte Feindin des Jahwe-Glaubens ist. Gott zieht aber vor allem den Ahab zur Rechenschaft, auch wenn Isebel die Tat ausführt. Die Bibel kennt wenig Mitleid mit Menschen, die eine hohe Verantwortung tragen, aber Wachs in der Hand von übel gesinnten Menschen ihrer Umgebung sind.
