Psalm 92
Es ist gut, dem Herrn zu danken und den Höchsten zu loben.
Es ist gut, am Morgen von deiner Gnade zu erzählen
und in der Nacht von deiner Treue,
begleitet von Harfe und Flöte
und zum Klang der Zither.
Herr, ich freue mich über alles, was du für mich getan hast, und juble vor Glück über deine Taten.
Herr, wie groß sind deine Werke
und wie tief deine Gedanken.
Nur ein unvernünftiger Mensch erkennt das nicht;
nur ein Narr begreift es nicht.
Gottlose Menschen können zwar aufblühen wie Gras
und schlechte Menschen können Erfolg haben, doch am Ende werden sie alle umkommen.
Herr, du aber bist erhaben für alle Zeit.
Deine Feinde werden sterben
und alle, die Böses tun, werden zerstreut werden.
Sich bei jemandem bedanken kann man mit unterschiedlicher Motivation. Als Kinder wurden wir vielleicht erinnert, wenn wir etwas geschenkt bekommen haben: „Nun, was sagt man …?“ Als Erwachsener bedanken wir uns aus Anstand, selbst für die in unseren Augen geschmacklose Blumenvase von Großtante Charlotte. Dass wir jemandem dankend um den Hals fallen, ist äußerst selten und geschieht nur bei außergewöhnlichen Geschenken oder Liebesdiensten, die man erwiesen bekommen hat.
Was für einen Dank erwartet eigentlich Gott von uns? Sollen wir vielleicht regelmäßig die ersten Minuten unseres Gebets dem Dank widmen, um dann zu Bitte und Fürbitte zu kommen? Solche Gesetzmäßigkeiten liefert uns die Bibel nicht, aber: Ein Christ kann mit einer dankbaren Grundeinstellung leben. Das ist ein Stück Übung, und das Übungsfeld sind genau die Situationen, in denen wir undankbar sind. Und das sind wir ja nicht selten. Dabei geht es nun nicht darum, dass wir offenkundigen Mangel positiv umetikettieren. Das Essen muss einem auch nicht zwingend schmecken, bloß weil man dafür gedankt hat. Man kann aber auch damit insofern positiv umgehen, indem man sich bewusst macht, dass man überhaupt satt wird und einen Gott hat, der einen versorgt. Dankbarkeit erwächst ohnehin erst aus der Tatsache, dass wir wissen: Wir sind alle Versorgte, Gehaltene und Bewahrte.
