2. Könige 22 und 23 in Auszügen
Josia tat, was dem HERRN gefiel. Er folgte in allem dem Beispiel seines vaters David und ließ sich in keiner Weise vom rechten Weg abbringen. Der Hohe Priester Hilkija sagte zu dem Hofschreiber Schafan: „Dieses Gesetzbuch habe ich im Haus des HERRN Stammgefunden!“ … Da rief der König die Ältesten in Juda und Jerusalem zusammen. Dann zog er mit ganz Juda und Jerusalem, mit den Priestern und den Propheten und dem ganzen Volk, vom einfachsten Mann bis zum vornehmsten, hinauf zum Haus des HERRN. Dort las der König ihnen das ganze Buch des Bundes vor, das im Haus des HERRN entdeckt worden war. Er nahm seinen Platz ein und erneuerte den Bund in der Gegenwart des HERRN. … Dann befahl der König dem Hohen Priester Hilkija, den obersten Priestern und den Priestern am Tor des Tempels, sämtliche Gegenstände, die bei der Anbetung des Baal, der Aschera und der Mächte des Himmels verwendet wurden, aus dem Tempel zu entfernen. Er ließ sie außerhalb von Jerusalem auf den Hängen des Kidrontals verbrennen und brachte die Asche nach Bethel. Er setzte die Götzenpriester ab, die von den Königen Judas ernannt worden waren.
Manchmal findet man auf dem Dachboden Dinge, von denen man gar nicht mehr wusste, dass man sie noch hatte. So ähnlich erging es den Israeliten – nur dass das Fundstück nicht das Schmuckkästchen der Uroma, sondern das Gesetz Gottes ist. Man fasst es kaum: Das Gesetz des HERRN, welches in der Bibel nun doch eine immense Rolle spielt (man möchte fast sagen: Es ist der Mittelpunkt des Alten Testaments), liegt irgendwo verstaubt in der Ecke – und keiner kann sich mehr daran erinnern.
Aber hier muss man mal ein wenig relativieren: Wir schreiben das Jahr 623 vor Christus. Hinter uns liegen 300 wirre Jahre, in denen teilweise über Jahrzehnte Könige an der Macht waren, die von Jahwe nichts wissen wollten. Und sicherlich gab es nicht die Menge von Archiven und Dokumentationsmöglichkeiten, wie wir sie heute haben. Selbst heute, wo Abertausende von Forschern schon die Archive der Welt durchkämmt haben, gibt es immer wieder neue Funde, auch von Dingen, die etwa in der Barockzeit abgefasst wurden – und viele Werke, von denen wir wissen, dass sie existiert haben, sind ebenfalls verschollen. Also ist die Sache mit dem verschwundenen Gesetz und der überraschenden Wiederauffindung ein Stück weit natürlich.
Bemerkenswert ist allerdings, dass Josia sofort die Bedeutung des Ganzen erkennt. Es kommt zu einer kompromisslosen Erneuerungsbewegung, die ihresgleichen sucht. Sämtliche zu religiösen Kulten gehörenden Accessoires werden verbrannt, Götzenpriester fortgeschickt und so fort (in der Bibel wird davon noch weit ausführlicher berichtet) – eine gigantische Säuberungsaktion (bei der noch bemerkenswert human verfahren wird)!
Manchmal müssen auch wir radikale Maßnahmen in Bezug auf unser Glaubensleben ergreifen, wenn uns klar wird, dass wir geistlich gesehen im falschen Zug gesessen haben.
