Tag 204

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Jeremia 29 in Auszügen

Jeremia schickte einen Brief aus Jerusalem an die Gefangenen in Babel. Jeremia schrieb in seinem Brief: „Der HERR, der Allmächtige, der Gott Israels, schickt allen Verbannten, die er von Jerusalem weg nach Babel in die Gefangenschaft führen lassen hat, folgende Botschaft: ,Baut Häuser und richtet euch dort zum Wohnen ein. Legt Äcker und Gärten an und freut euch an den Früchten, die ihr erntet. Heiratet und zeugt Söhne und Töchter. Sucht für eure Söhne Frauen und verheiratet eure Töchter, damit sie Söhne und Töchter zur Welt bringen. Euer Volk soll wachsen und nicht kleiner werden. Setzt euch ein für den Frieden und das Wohlergehen Babels, wohin ich euch als Verbannte geschickt habe. Betet für das Wohlergehen der Stadt – denn wenn die Stadt, in der ihr gefangen gehalten werdet, Frieden hat, habt ihr auch Frieden.‘“

Viele von uns kennen Situationen, in denen man nicht weiß, ob es sich wirklich lohnt, alle Umzugskisten auszupacken. Zu unsicher ist die Ausgangslage – und möchte man nicht eigentlich sowieso am liebsten woandershin? Eine solche Gefühlslage lag auch bei den Israeliten im Babylonischen Exil vor. Keiner fühlte sich heimisch. Keiner wusste, was nun zu tun sei. Und einige Propheten – allerdings falsche, aber das ist ja manchmal nicht einfach zu erkennen – machten einem noch den Mund wässrig, dass es doch bald wieder nach Hause gehen könnte. Das ist natürlich Musik in den Ohren.

In diese Musik hinein klingt der von Jeremia verkündete Pragmatismus schrill dissonant. „Richtet euch häuslich ein“, sagt er, „und sorgt dafür, dass es eurem Umfeld gut geht – dann geht es euch auch gut!“ Wenn einem (fromme) Lieblingsgedanken so jäh zerstört werden, ist man nicht so ohne weiteres dafür aufnahmefähig. Gott ist wesentlich nüchterner und pragmatischer als unsere geistlichen Luftschlösser. Es wird zum Segen, wenn wir unsere Situation als die akzeptieren, in die Gott uns hineingestellt hat – so unangenehm sie auch sein mag. In der Annahme unserer Lebenssituationen liegt die Kraft der Erneuerung. Hier in diesem Fall gilt das für die Israeliten, aber auch für das Leben in der Stadt Babylon.