Jeremia 26 in Auszügen
Da sagten die führenden Männer und das ganze Volk zu den Priestern und Propheten: „Wir dürfen diesen Mann nicht zum Tode verurteilen, denn er hat wirklich im Namen des HERRN, unseres Gottes, zu uns gesprochen.“ Daraufhin erhoben sich auch einige der Ältesten und sagten zu der ganzen Menschenmenge, die sich versammelt hatte: „Micha aus Moreschet war Prophet zur Zeit der Regierung Hiskias, des Königs von Juda. Er hat damals zum ganzen Volk von Juda Folgendes gesagt: ,So spricht der HERR, der Allmächtige: Zion soll zu Ackerland umgepflügt und Jerusalem zu einem Trümmerhaufen gemacht werden, und auf dem Tempelberg wird Gestrüpp wuchern.‘ Haben nun etwa Hiskia, der König von Juda, und die Männer von Juda Micha deswegen getötet? Nein, Hiskia ist vielmehr vor dem HERRN erschrocken und hat ihn um Gnade angefleht. Daraufhin tat es dem HERRN leid, dass er ein solches Unheil über Juda angedroht hatte, und er ließ es nicht geschehen. Und wir sollen jetzt eine so große Schuld auf uns laden, indem wir Jeremia töten?“ Zur Zeit Jeremias weissagte aber noch ein anderer Mann als Prophet im Namen des HERRN. Er hieß Uria, kam aus Kirjat-Jearim und war der Sohn Schemajas. Er drohte mit denselben Worten wie Jeremia Unheil für Jerusalem und das ganze Land an. Als König Jojakim, seine Offiziere und Minister davon hörten, beabsichtigten sie ihn zu töten. Uria erfuhr von der Verschwörung, bekam Angst und floh nach Ägypten. König Jojakim sandte Elnatan, den Sohn Achbors, und noch einige andere Männer nach Ägypten, um ihn zu verhaften. Diese Männer brachten Uria gefangen zurück zu König Jojakim. Der ließ Uria mit dem Schwert hinrichten und warf seine Leiche auf den Begräbnisplatz, auf dem sonst nur die Ärmsten des Volkes verscharrt werden. Jeremia jedoch wurde nicht hingerichtet.
In diesem Abschnitt ist von drei Propheten des HERRN die Rede: Micha lebte einige Jahre zuvor, hatte einen guten Ruf, und König Hiskia und seine Leute hörten auf ihn. Jeremia wird für seine alarmierende Botschaft von den religiösen Führern heftig angegriffen – es steht auf der Kippe, ob er mit dem Leben davonkommt. Glücklicherweise sind einige vernünftige Leute unter denen, die ihn anklagen, die auf ebenjenen Micha verweisen, und Jeremia kommt mit dem Leben davon. Anders erging es Uria. Er hatte – offenbar sogar mit identischer Wortwahl – die gleichen Nachrichten wie Jeremia verkündet. Er fiel aber einer Verschwörung zum Opfer und wurde hingerichtet.
Drei Propheten mit unterschiedlichen Schicksalen: etabliert, umstritten, verfolgt. Ein Sprecher Gottes zu sein heißt nicht unbedingt, dass man überall respektiert wird, kann es aber heißen. Ein Sprecher Gottes zu sein heißt auch nicht unbedingt, zum Streitobjekt zu werden, kann es aber heißen. Ein Sprecher Gottes zu sein heißt ebenfalls nicht unbedingt, zum Märtyrer zu werden, kann es aber heißen. Welches Schicksal uns blüht, wenn wir das Wort Gottes verkündigen, ist ungewiss – aber auch nicht mehr unsere Sache. Wir werden in allen Lebenssituationen den Beistand Gottes erfahren, selbst wenn wir dabei unser Leben lassen müssen.
