Tag 208

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Obadja in Auszügen

So spricht mein Herr, der HERR, über Edom: Wir haben eine Nachricht vom HERRN gehört, dass ein Bote zu den Völkern geschickt wurde: „Rüstet euch! Wir wollen Edom angreifen!“ Siehe, ich werde dich unter den Völkern demütigen. Du wirst verachtet sein! Du bist stolz, weil du hoch oben in den Felsen wohnst. „Wer kann mich schon zur Erde hinunterstoßen?“, fragt sich der, der in dieser Höhe wohnt. „Selbst wenn du dich in die Lüfte erhöbest wie die Adler und dein Nest in den Sternen bautest, werde ich dich hinabstoßen“, sagt der HERR. Wegen der Grausamkeiten an deinem Bruder Jakob bedeckt dich Schande und du wirst für immer ausgelöscht werden. … Der Tag des HERRN für alle Völker kommt bald! Wie du dich verhalten hast, so wird mit dir umgegangen werden. Deine Untaten werden auf dich selbst zurückfallen.

Es ist schlimm, wenn das eigene Haus zerstört wird. Fast noch schlimmer ist es, wenn der Nachbar grinsend am Gartenzaun steht und triumphiert. Eigentlich hat man da eine denkbar schlechte Ausgangsposition, dem Nachbarn die Meinung zu geigen. Die Fakten sprechen gegen einen. Wenn man als Prophet Gottes Perspektive einnehmen kann, sieht die Sache schon anders aus.

Jerusalem ist zerstört, Juda liegt am Boden und das Nachbarland Edom frohlockt schadenfroh. Offensichtlich meint Edom, dass ihnen so etwas nicht passieren kann. Einziges Thema dieses kürzesten Buches des Alten Testaments ist, den Edomitern zu sagen: „Wartet nur, die letzte Runde geht an den Gerechten!“

Wohlgemerkt: Das Ganze geschieht völlig gegen den Augenschein und mitten in der Katastrophe. Da konnte sich Edom schon ziemlich sicher fühlen, dass die Aussprüche Obadjas nur heiße Luft waren. Aber die Geschichte gibt Obadja Recht: Fünf Jahrhunderte später werden die Edomiter durch Zwangsbeschneidung dem wieder im Land befindlichen jüdischen Volk einverleibt. Einige Edomiter (oder Idumäer, wie sie später hießen) kamen sogar zu großem Einfluss, allen voran Herodes der Große. Das alles änderte aber nichts an der Tatsache, dass mit der Zerstörung des Tempels und dem großen römischen Feldzug 70 n. Chr. die Edomiter völlig von der Bildfläche der Weltgeschichte verschwinden, während es die Israeliten bis heute noch gibt. Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber schrecklich klein.