Tag 215

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Daniel 5

König Belsazar gab ein prächtiges Festmahl für die 1.000 wichtigsten Männer seines Reiches. Im Rausch befahl er, die goldenen und silbernen Becher zu holen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem erbeutet hatte. Er wollte selbst daraus trinken, aber auch die mächtigen Männer seines Landes sowie seine Frauen und Nebenfrauen daraus trinken lassen. Während sie ihren Wein tranken, rühmten sie ihre Götzen.

Plötzlich erschienen Finger wie von eines Menschen Hand. Sie schrieben auf die getünchte Wand des königlichen Palastes, sodass der König den Rücken der schreibenden Hand sehen konnte. Da wurde der König blass, Furcht überkam ihn und er wurde so kraftlos, dass seine Knie schlotterten und nachgaben. …

Also wurde Daniel vor den König geführt. Daniel antwortete dem König: „Du, o König, sollst wissen: Der höchste Gott hatte deinem Vater Nebukadnezar Herrschaft, Macht, Ruhm und Ehre gegeben. Dann aber wurde er hochmütig und sein Stolz steigerte sich ins Unermessliche. Daraufhin wurde er vom Thron gestoßen und aller seiner Würde beraubt. Er wurde in seinem Wesen wie ein wildes Tier und hauste unter wilden Eseln. Und zwar so lange, bis er erkannte, dass der höchste Gott die Herrschaft ausübt. Du, Belsazar, bist sein Sohn und Nachfolger. Du hast dies alles gewusst und warst dennoch nicht demütig vor Gott, sondern warst überheblich gegen den Herrn des Himmels und hast die Becher seines Tempels holen lassen. Ihr habt Wein aus ihnen getrunken und währenddessen habt ihr ein Loblied angestimmt auf die Götter aus Silber, Gold, Bronze, Eisen, Holz und Stein. Das ist die Schrift, die geschrieben wurde: Mene, Mene, Tekel, Parsin. Und diese Worte bedeuten Folgendes: Mene heißt ,gezählt‘ – Gott hat die Tage deiner Herrschaft gezählt und ihr ein Ende bereitet. Tekel heißt ,gewogen‘ – du wurdest auf der Waage gewogen und für zu leicht befunden. Parsin heißt ,geteilt‘ – dein Reich wird geteilt und den Medern und Persern gegeben werden.“ Noch in derselben Nacht wurde Belsazar, der babylonische König, getötet.

Inzwischen hat ein anderer König die Macht: Nebukadnezars Sohn Belsazar. Wir treffen ihn in dem Moment an, in dem er die Sau rauslässt, und zwar eine besonders große. Als festlicher Höhepunkt soll aus den Jahwe geweihten Bechern getrunken werden. Ein selbstherrliches Zeichen: Der Glaube der anderen ist mir schnuppe.

Doch dann kommt es, weit vor der Erfindung von Tageslichtschreiber oder Beamer, zu einer Projektion an die Wand. Wie von Geisterhand erscheint eine Geisterhand und schreibt Rätselhaftes. Irgendwie ist das Danielbuch ja ohnehin ein Buch der Rätsel und ihrer Entschlüsselungen. Und wie schon zuvor stehen auch jetzt die Weisen wie der Ochs vorm Scheunentor.

Eine weitere Duplizität der Ereignisse: Wieder erinnert sich jemand, diesmal Belsazars Mama, an den wackeren Daniel. Und wieder tritt Daniel als Experte auf, und zwar erneut nicht als Wundermann, sondern in großer Demut vor Gott. Allerdings hält er dem König eine Predigt, die an Deutlichkeit keine Wünsche offenlässt. Obwohl Belsazar das Schicksal seines Vater kennt (und die Bedeutung, die darin Jahwe gespielt hat), haut er besonders blasphemisch auf die Pauke. Und die Schrift an der Wand? Die entlarvt ihn als Leichtgewicht. Die Strafe folgt auf dem Fuß: Belsazar wird in derselben Nacht getötet (von den Persern, wie wir aus der Geschichtsschreibung wissen).

Wem ein gutes Vorbild im Glauben geschenkt wird, für den hat Gott offenbar wenig Mitleid, wenn er sich an den Tisch der Spötter setzt.