Tag 216

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Daniel 6

Daraufhin bestürmten die königlichen Bevollmächtigten und Statthalter den König und sagten zu ihm: „Lang lebe König Darius! Sämtliche Beamten des Reiches, die Präfekten und Statthalter, die Minister sowie die mit der Ausübung der Verwaltung betrauten Beamten sind sich einig, dass du, o König, ein königliches Gesetz erlassen solltest, das folgenden Befehl enthält: Jeder, der innerhalb der nächsten 30 Tage statt an dich an irgendjemand anders eine Bitte richtet – sei es an einen Gott oder an einen Menschen –, soll in die Löwengrube geworfen werden. Nach dem Gesetz der Meder und Perser ist ein solches Gesetz unwiderrufbar.“ Daraufhin ließ König Darius das Gesetz aufschreiben und unterzeichnete es. Daniel wusste, dass dieses Gesetz vom König erlassen worden war. Er ging in das obere Stockwerk seines Hauses, wo er die Fenster, die nach Jerusalem zeigten, immer geöffnet hielt. Trotz des Verbotes kniete er sich nieder, dankte und lobte Gott und flehte ihn an, wie er es auch sonst dreimal täglich machte. Da stürmten jene Männer herein und fanden Daniel, wie er seine Bitten vor Gott brachte und ihn um Erbarmen anflehte. Schnell liefen sie zum König und erinnerten ihn an sein königliches Gesetz.

Als der König das hörte, fuhr es ihm durch Mark und Bein. Den ganzen Tag versuchte er einen Weg zu finden, wie er Daniel retten könne. Aber als die Sonne unterging, hatte er noch keinen Ausweg gefunden. Da bestürmten die Männer erneut den König und machten ihn darauf aufmerksam, dass es nach dem Gesetz der Meder und Perser unmöglich sei, irgendein Verbot oder Gesetz, das der König unterschrieben hatte, zu ändern. Daraufhin befahl der König, Daniel herbeizubringen und ihn in die Löwengrube zu werfen. Der König sagte zu ihm: „Dein Gott, den du so treu verehrst, möge dich retten.“ Dann wurde ein Stein gebracht und auf die Öffnung der Grube gelegt. Der König nahm die Siegel und versiegelte eigenhändig den Stein, damit niemand in Daniels Schicksal eingreifen könne. Dann kehrte er in seinen Palast zurück, wo er die Nacht mit Fasten verbrachte.

Im Morgengrauen des nächsten Tages stand der König auf und lief so schnell er konnte zur Löwengrube. Ängstlich rief er schon von weitem: „Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich dein Gott, den du so treu verehrst, vor den Löwen gerettet?“ Daniel antwortete ihm: „Lang lebe der König! Mein Gott sandte seinen Engel. Der hat den Löwen das Maul verschlossen, sodass sie mir nichts antun konnten.“

Die Babylonier sind abserviert, die Meder und Perser haben nun das Sagen. Im Allgemeinen sagt man speziell den Persern eine kluge politische Einstellung nach: Die religiöse Eigenständigkeit der besetzten Völker wurde weitgehend akzeptiert. Offenbar wurden sogar hohe Amtsträger aus deren Reihen rekrutiert, wie wir am Beispiel Daniel sehen können. Und als der König dessen Kompetenz sah, dachte er schon laut über Daniel als zweiten Mann im Staate nach. So etwas ist dann die hohe Zeit für Neider, Mobber und Intriganten.

Doch wie kann man Daniel etwas ans Zeug flicken? Er hatte doch eine blütenweiße Weste! Nun war aus der Sicht der Intrigenspinner der Glaube Daniels eine mögliche Fußangel. Sie beschwatzen den König, ein ziemlich dümmliches Gesetz zu erlassen, dass nämlich einen Monat lang alle den König und niemanden sonst um Rat fragen sollten. Darius‘ Eitelkeit war offenbar ausgeprägter als seine Intelligenz.

Es kommt, wie es kommen muss. Natürlich betet Daniel zu Gott (wir kennen ihn ja) und natürlich belauschen ihn die Verschwörer (wir kennen ja die Menschen) und natürlich landet er wie vorgesehen in der Löwengrube (wir kennen ja die unwiderruflichen Gesetze der Meder und Perser) und natürlich wird er gefressen (wir kennen ja die Löwen). Halt! Natürlich wird er nicht gefressen, denn wir kennen ja auch Gott. Und vor allem Daniel kennt ihn. Und deshalb haben die Löwen offenbar diesmal nicht so viel Appetit.

Das Ende ist wie in richtigen Abenteuerfilmen: Die Bösen erwischt’s in besonders derber Weise (das mit den Frauen und Kindern liest man allerdings nicht so gerne). Jetzt können es die Löwen nach dem Fasten kaum noch erwarten.