Nehemia 1
Sie antworteten mir: „… Die Stadtmauer von Jerusalem liegt noch in Trümmern und die Stadttore sind verbrannt.“ Als ich das hörte, setzte ich mich nieder und weinte. Tagelang trauerte ich, fastete und betete zu dem Gott des Himmels. Schließlich sagte ich: „Ach HERR, Gott des Himmels, großer und Ehrfurcht gebietender Gott, der seinen Bund der beständigen Liebe denen hält, die ihn lieben und seinen Geboten gehorchen. Hör mir doch bitte zu und sieh herab, öffne deine Ohren für das Flehen deines Dieners! Tag und Nacht bitte ich dich für die Israeliten, deine Diener, und bekenne dir ihre Sünden, mit denen wir gegen dich schuldig geworden sind. Auch meine Familie und ich haben gesündigt! … Denk daran, was du deinem Diener Mose mitgegeben hast: ,Wenn ihr untreu seid, werde ich euch unter die Völker zerstreuen. Doch wenn ihr zu mir zurückkehrt und meine Gebote haltet, so werde ich euch – selbst wenn ihr bis an die Enden der Erde vertrieben seid – von dort sammeln und euch an den Ort bringen, den ich erwählt habe, damit mein Name dort verehrt wird.‘“
Heutzutage kann sich eine Stadt zwar glücklich schätzen, eine Stadtmauer zu haben, die das historische Stadtbild verschönert. Es ist jedoch auch nicht schlimm, keine Stadtmauer zu haben. Ganz anders in der Antike: Wer keine Stadtmauer hatte, lag komplett auf dem Präsentierteller und konnte sich nicht mehr verteidigen. Deshalb reagiert Nehemia hier auch so bestürzt.
Nehemias Bruder war kaum zufällig in der Gegend. Er war gesandt worden, um Nehemia um Hilfe zu bitten, der Mundschenk und damit einer der engsten Vertrauten des Königs war. Man erhoffte sich wohl Unterstützung durch den König. Nur gab es ein Problem: Durch vorheriges Mobbing der Samariter war der König auf Israel überhaupt nicht gut zu sprechen. Es gab nämlich einen Erlass, wonach die Israeliten keine Mauer bauen durften. Und der müsste erst einmal aufgehoben werden …
Nehemia treibt dies ins Gebet. Er ist Gott gegenüber sehr demütig, gibt damit seine Ratund Hilflosigkeit frei zu und erbittet, dass sein Vorhaben gelingt – nämlich den König zu überzeugen, seinen Erlass zurückzunehmen. Gott wartet auf unsere Hilflosigkeit, damit er mit uns handeln kann.
